Unterhaltung

"La Folie Française": Des Nachbarn Wunderhorn

Von Manfred Bleskin

Eine 4-CD-Box gestattet eine Reise durch die französische Musikwelt vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Renommierte Orchester und Interpreten widmen sich bekannten Komponisten wie Ravel, Bizet, Debussy, Saint-Saëns und vielen mehr. Das ist alles andere als eine Narretei.

"Folie" kann Wahnsinn oder Narretei bedeuten. Ein treffend gewählter Name für die vorliegende Edition. Vier CDs ermöglichen einen mehr als fünf Stunden dauernden Spaziergang durch gut 200 Jahre Musik aus unserem Nachbarland, angefangen bei der Frühromantik bis hin zur Moderne.

"Die Freiheit führt das Volk" von Delacroix ziert das Cover der Edition.
"Die Freiheit führt das Volk" von Delacroix ziert das Cover der Edition.

Natürlich darf da ein Georges Bizet nicht fehlen. Seine "Carmen" gehört unbestritten zu den bekanntesten und wohl schönsten französischen Opern. Mit der "Prélude", dem "Entr'acte IV" und "L'Arlésienne" wurden die eingängigsten Abschnitte des Werks ausgewählt. Gespielt werden sie vom Orchestre National du Capitole de Toulouse.

Bizets wie Maurice Ravels Musik sind stark von spanischen Elementen beeinflusst. Das gilt auch für die Rhapsodie "España" aus der Feder von Emmanuel Chabrier. Sie wird vom 1828 gegründeten Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire aus Paris interpretiert.

Von Ravel ist der unvermeidliche "Bolero" dabei, ein Stück, das immer wieder durch seine eigenwillige Struktur begeistert. Eine Melodie, die immer wieder anders interpretiert wird und am Ende in einem tosenden Crescendo endet. Revolutionär sind diese Klänge - nur sicher nicht im politischen Sinne. Das Umwälzende vieler Werke mag die Herausgeber trotzdem bewogen haben, Eugène Delacroix’ unsterbliches Bild von der Freiheit, die das Volk führt für das Cover der Box auszuwählen.

Spiel mir das Lied mit der Glasharmonika

Camille Saint-Saëns ist unter anderem mit "Aquarium" und "La Cygne" aus seinem "Karneval der Tiere" vertreten. Mit einiger Phantasie sieht man den Schwan tatsächlich schwimmen. Und die Fische im Glaskasten auch. Erzeugt wurde der sphärische Klang bei "Aquarium" übrigens ursprünglich durch eine Glasharmonika, ein Instrument, bei dem Glasschalen und Wasser zum Erzeugen der Töne benutzt wurden. In der Interpretation des bereits erwähnten Orchestre National du Capitole de Toulouse kommt allerdings ein Orchesterglockenspiel zum Einsatz.

Was ist noch hervorzuheben? Auszüge aus Claude Debussys "La Mer", Darius Milhauds "Scaramouche", Erik Saties’ "Gymnopédies", Jules Massenets "Méditation" und Paul Dukas' "Zauberlehrling" nach Johann Wolfgang von Goethes berühmter Ballade vom Zauberlehrling.

Henri Dutilleux, Pierre Boulez und Olivier Messiaen sind moderne Komponisten, die schöpferisch an das Legat ihrer Vorgänger anknüpfen. Neben den genannten Orchesterformationen ist auch das London Philharmonic Orchestra mit von der Partie. Und auch die Interpreten zählen mit Michel Plasson, Renaud Capuçon, David Fray, André Cluytens, Georges Prêtre, dem Quatuor Ebène sowie Alexandre Tharaud zur "crème de la crème" der französischen Klassikszene. Kurzum: La Folie Française c’est une folie!

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Quelle: n-tv.de

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