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Carrie Mulligan spielt in "Suffragette" Maud Watts, eine einfache Arbeiterin, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzt.
Carrie Mulligan spielt in "Suffragette" Maud Watts, eine einfache Arbeiterin, die sich für das Frauenwahlrecht einsetzt.(Foto: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH)

"Suffragette" fordert Frauenrechte: Die Mama geht jetzt Steine werfen

Von Anna Meinecke

"Taten statt Worte", so lautet das Mantra einer Handvoll Frauen, die im Großbritannien des frühen 20. Jahrhunderts Gleichstellung einfordern. Weil sich mit Höflichkeit und Folgsamkeit kein Frauenwahlrecht herbeiargumentieren ließ, soll es erkämpft werden.

Es ist die Saison der Gleichberechtigungsfilme. "Stonewall", "Carol", "The Danish Girl" - nun steht "Suffragette" in den Startlöchern. Das Drama erzählt von einer Gruppe britischer Frauen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Wahlrecht fordern. Es erzählt davon, wie sie ihr Anliegen erst förmlich vortragen und schließlich zurückgewiesen zu Gewalttaten übergehen. Diese Frauen sind keine liebenswürdigen Demonstranten, sie sind wütend und wenn sie doch gegen Gesetze verstoßen: Sie haben recht.

Vielleicht auch, damit selbst der widerwillige Kinobesucher nachvollziehen kann, was eine Mutter militant werden lässt, steht im Mittelpunkt der Handlung zunächst einmal Maud Watts (Carey Mulligan). Sie ist eine einfache Wäscherin, Ehefrau und Mutter. Ein Leben außerhalb des Arbeiterviertels hat sie nie gekannt und sie sehnt es auch nicht dabei. Sie ist liebevoll und pragmatisch, weit davon entfernt, eine Träumerin zu sein. Es ist ihre Neugierde, die sie Stück für Stück mit der Frauenbewegung in Berührung bringt. Den Zuschauer zieht sie mit.

Die Sache mit der Selbstverständlichkeit

In einer Zeit, in der konservative gerne mal herausposaunen, das Ziel der Gleichberechtigung sei lange erreicht, ist es besonders wichtig, sich darauf zurückzubesinnen, dass nicht einmal das bisschen Gleichheit, das es tatsächlich gibt, selbstverständlich ist. In Deutschland dürfen Frauen wie - mit Einschränkung - in Großbritannien auch seit 1928 wählen. In der oft also so deutsch empfundenen Schweiz wurde Frauen dieses Recht erst 1971 zuteil.

Helena Bonham Carter, Carey Mulligan und Meryl Streep (v.l.) leihen den Suffragetten ihr Gesicht.
Helena Bonham Carter, Carey Mulligan und Meryl Streep (v.l.) leihen den Suffragetten ihr Gesicht.(Foto: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH)

Es lässt sich so leicht sagen, dass das Erbe der derzeitigen Großmütter- und Müttergeneration gefälligst zu ehren ist. Dass Mutterschutz ein Privileg ist, die Anti-Baby-Pille, Abtreibung, das Ende des Schuldprinzips im Scheidungsfall und die Anerkennung der Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Oft fühlen sich all die Privilegien ob ihrer Selbstverständlichkeit aber gar nicht mehr so besonders an.

Für Maud Watts ist das Frauenrecht etwas Besonderes. Es ist es wert, geschlagen zu werden, im Gefängnis zu sitzen, das Kind zu verlieren. "Suffragette" mag kein künstlerisches Meisterwerk sein, was dem Film aber an cineastischer Eloquenz fehlt, macht er mit eindrucksvollen Emotionen wett.

Die Misshandelten erheben sich

Carey Mulligan überzeugt ein weiteres Mal mit vielfältiger Mimik. Sie spielt den Weg des misshandelten Opfers hin zur redegewandten Heldin mit subtiler Dramatik, immer glaubhaft. Und auch das ungewöhnlich zurückhaltende Spiel von Helena Bonham Carter, die als Edith Ellyn ebenfalls an der Front der Bewegung kämpft, und das von Anne-Marie Duff, die als Violet Miller den Widerstand aufgeben muss, halten das Publikum in Atem. Meryl Streeps Gastauftritt als legendäre Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst fühlt sich glatt überflüssig an.

"Suffragette" überzeugt nicht mit neuen Fakten - woher hätten Regisseurin Sarah Gavron und Drehbuchautorin Abi Morgan die auch nehmen sollen? Stattdessen sensibilisiert der Film für einen medial nur bescheiden repräsentierten Teil der Geschichte und provoziert so eine zeitlose Begeisterung für den Kampf für Gleichheit, der bis heute nicht abgeschlossen ist.

"Suffragette" startet am 4. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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