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In "Glaube, Blut und Vaterland" geht es um Gott, Politik und Vergebung.
In "Glaube, Blut und Vaterland" geht es um Gott, Politik und Vergebung.

"Glaube, Blut und Vaterland": Die "wahre Geschichte des Opus Dei"

von Thomas Badtke

Als sich Faschismus und Kommunismus in Europa ausbreiten, entscheiden sich die Spanier für eine linksgerichtete Republik. 1936 führen rechte Armeegeneräle eine Rebellion an. Ein blutiger Bürgerkrieg beginnt. Familien werden zerrissen. Brüder töten Brüder. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: auf die Bibel schwören - oder auf sie spucken. Es sind die Anfänge des Opus Dei.

Spätestens seit Dan Browns Bestseller "Sakrileg" und dessen Verfilmung kennt jeder Opus Dei - als verschwörerischen Geheimbund der katholischen Kirche. Seine Anfänge reichen bis in die 1920er Jahre zurück. Der Drehbuchautor und Regisseur Roland Joffé ("The Killing Fields") will mit seinem Film "Glaube, Blut und Vaterland" die "wahre Geschichte des Opus Dei" erzählen. Im Mittelpunkt dabei steht die Zeit des Spanischen Bürgerkriegs. Und da jeder Krieg beginnt, lange bevor der erste Schuss fällt, und andauert, lange nachdem die letzte Kugel abgefeuert wurde, fängt der Film einige Jahre früher an und endet erst Jahrzehnte danach …

Wes Bentley ist Manolo Torres: hart, innerlich hin und her gerissen zwischen "Blut, Glaube und Vaterland".
Wes Bentley ist Manolo Torres: hart, innerlich hin und her gerissen zwischen "Blut, Glaube und Vaterland".(Foto: Ascot Elite)

Der investigative Journalist Robert Torres (Dougray Scott; "My Week With Marilyn") erhält den Auftrag wegen der anstehenden Heiligsprechung von Josemaria Escrivá (Charlie Cox; "Casanova") ein Buch über den spanischen Priester, umstrittenen Geistlichen und kontroversen Gründer von Opus Dei zu schreiben. Er recherchiert und findet heraus, dass die einzige wirklich aussagefähige Quelle sein Vater Manolo Torres (Wes Bentley; "Underworld: Awakening", "Die Tribute von Panem") ist. Allerdings ist dieser nicht aussagewillig und Robert hat zudem seit Längerem mit ihm gebrochen.

Ein Start, zwei Wege

So forscht er auf eigene Faust weiter und findet nach und nach heraus, dass Escrivá und sein Vater sich schon sehr lange kennen. Sie verbringen ihre Kindheit gemeinsam, sind die dicksten Freunde, streben sogar gemeinsam das Priesteramt an. Doch ein Todesfall in Manolos Familie lässt ihn vom Glauben abfallen, er gerät immer häufiger mit Escrivá aneinander. Die mittlerweile jungen Männer prügeln sich und Manolo lässt das Priesteramt sausen. Ihre Wege trennen sich.

Charlie Cox mimt Josemaria Escrivá
Charlie Cox mimt Josemaria Escrivá(Foto: Ascot Elite)

Escrivá widmet sich vollends dem Glauben und sein Leben Gott. 1928 gründet er Opus Dei und will die Liebe Gottes unter den einfachen Menschen verbreiten. Das wird immer schwieriger, als der Spanische Bürgerkrieg ausbricht. Die katholische Kirche und deren Priester werden zur Zielscheibe der Gewalt. Escrivá entgeht mehrmals nur knapp dem Tod und glaubt deshalb noch inniger an Gott, seine Liebe und Fürsorge - trotz der zunehmenden Kriegsgräuel. Als sich die Situation immer mehr zuspitzt, flüchtet er über die Pyrenäen nach Andorra.

Ildiko bezahlt für ihre Liebe zu Oriol, Roberts eigentlichem Vater, später mit ihrem Leben.
Ildiko bezahlt für ihre Liebe zu Oriol, Roberts eigentlichem Vater, später mit ihrem Leben.(Foto: Ascot Elite)

Manolo seinerseits wird von den Faschisten als Spion hinter die feindlichen kommunistischen Linien geschickt. Er verliebt sich in die schöne Ungarin Ildiko (Olga Kurylenko; "James Bond: Ein Quantum Trost"). Das Problem dabei: Sie empfindet nichts für ihn und hat ihr Herz dank Augen und Ohren längst dem Anführer der kommunistischen "Eisernen Brigade", Oriol (Rodrigo Santoro) geschenkt. Manolo verrät die Gruppe mehrfach und schafft es so auch, die beiden Liebenden zu entzweien: Er verleumdet Ildiko als Verräterin. Die Brigade fordert ihren Tod. Doch statt sie und ihr ungeborenes Kind zu töten, erschießt sich Oriol selbst. Um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, kümmert sich Manolo, als er von Ildikos Schwangerschaft erfährt, um sie und später auch um das Kind.

Ein bunter Strauß an Themen

An diesen beiden Handlungssträngen entlang webt Joffé die Geschichte Escrivás. Er lässt sie vom gealterten und auf dem Sterbebett liegenden Manolo erzählen, der offenbar kurz vor seinem Ableben endlich reinen Tisch mit sich, der Welt und vor allem seinem Sohn machen will.

Spaniens Bürgerkrieg bildet den filmischen Hintergrund zu Joffés Film.
Spaniens Bürgerkrieg bildet den filmischen Hintergrund zu Joffés Film.(Foto: Ascot Elite)

In Rückblenden erfährt dieser nun alles, was sein Vater sein ganzes Leben lang vor ihm geheim gehalten hat. Er findet heraus, dass Manolo nicht sein leiblicher Vater ist, dass er Oriol und seine Mutter auseinandergebracht, seinen wirklichen Vater in den Selbstmord getrieben, später sogar Roberts Mutter Ildiko erschossen hat. Und: Manolo hatte auch die Chance Escrivá zu töten, als dieser nach Andorra floh. Er tat es aber nicht ...

Unterhaltungs-Epos

"Glaube, Blut und Vaterland" ist nicht "die wahre Geschichte" von Opus Dei, dafür erzählt der Film zu wenig über diesen umstrittenen Orden, diese Laienorganisation der katholischen Kirche, über Rituale wie Selbstgeißelung; und auch so gut wie nichts über die Rolle Opus Deis im Bürgerkrieg und in der Franco-Ära.

Es ist auch kein Film über Josemaria Escrivá, denn dafür endet er zu früh - mit der geglückten Flucht nach Andorra. Die Jahre bis zu seinem Tod 1975 und die recht schnelle und deshalb auch umstrittene Selig- (1992) und Heiligsprechung (2002) durch Papst Johannes Paul II. wird nur am Rande erwähnt, und nicht weiter erläutert oder gar hinterfragt.

"Glaube, Blut und Vaterland - Die wahre Geschichte des Opus Dei" ist bei Ascot Elite auf Blu-ray und DVD erschienen.
"Glaube, Blut und Vaterland - Die wahre Geschichte des Opus Dei" ist bei Ascot Elite auf Blu-ray und DVD erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Es ist auch kein Film über den Spanischen Bürgerkrieg an sich, dafür erzählt er zu wenig über die Hintergründe, die Protagonisten, den Verlauf und das Ende. Er greift hier und da etwas heraus, mehr aber auch nicht.

Letzten Endes muss er das auch nicht, denn Joffés Film, "angelehnt an wahre Begebenheiten" und immerhin rund 120 Minuten lang, stellt sich als eine Mischung aus allem Genannten dar. Er ist eindrucksvoll: durch die großartigen farbgewaltigen Bilder und Kamerafahrten erhält er fast schon epische Züge. Er unterhält und geht zudem dank des Scores ans Herz und bleibt auch im Kopf.

Er bietet zudem einen namhaften Cast auf, der ansehnlich schauspielert - angefangen bei der charismatischen Kurylenko als Ildiko. Die Rolle Escrivás gleitet wegen dessen moralischer Unfehlbarkeit allerdings fast ins Unglaubwürdige ab. Sympathischer, weil wesentlich realer, ist die Figur Manolos. Ihre innere Zerrissenheit gibt dem Film letzten Endes seinen wirklichen Namen - und der lautet, eigentlich ganz simpel und einleuchtend, nur: "Glaube, Blut und Vaterland".

 

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Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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