Unterhaltung

Interview mit Tron-Designer Daniel Simon: Es soll nach Formel 1 aussehen

Er hat an der deutschen Elite-Hochschule für Autodesign studiert, Fahrzeuge für VW und Bugatti entworfen und schafft jetzt für Hollywoods Traumfabrik futuristische Vehikel. Ein Gespräch mit dem Designer der Fahrzeuge von Tron: Legacy, Daniel Simon über die Autos von Tron, gestalterische Freiräume und die Unterschiede zwischen Hollywood und Potsdam.

(Foto: picture alliance / dpa)

n-tv.de: Wie viel Freiheit hatten Sie denn bei der Gestaltung der Fahrzeuge für Tron: Legacy? Gab es strenge Vorgaben?

Daniel Simon: Als ich im Herbst 2008  mit meiner Arbeit anfing gab es bereits ein relativ fertiges Drehbuch. Es gab auch schon Testaufnahmen, die den ganzen Look des Films definiert haben. Das ist sehr hilfreich, weil man als Künstler auch Grenzen braucht. Dennoch gibt es immer noch viel Freiraum für Kreativität, es gibt immer noch tausend Möglichkeiten. Selbst wenn die Vorgabe ist: Wir brauchen ein Fahrzeug mit vier Rädern, zwei Plätzen, einer Lichtgrafik darauf, zwei Raketenwerfer vorne und es darf kein Dach drauf sein, damit die Schauspieler zu sehen sind. Es soll ein bisschen nach Formel 1 aussehen und aber einem Geländewagen nahe kommen. Das sind viele Vorgaben, aber es gibt immer noch tausende Möglichkeiten ein solches Fahrzeug zu zeichnen. Da sind also immer noch riesige kreative Freiräume.

Welches ist für Sie das wichtigste Fahrzeug in dem Film?

Das wichtigste ist das Motorrad. Das sehen wir allen Plakaten, das kommt vom ersten Film. Für mich persönlich waren natürlich alle wichtig. Ich habe ja an zehn Fahrzeugen gearbeitet. Schön war bei diesem Projekt, das wir alle wirklich entwickelt haben. Selbst wenn sie nur kurz im Film zu sehen sind. Wenn die Fans nämlich den Film gut finden und wir einen weiteren Teil machen sollten haben wir uns ein bisschen Arbeit gespart.

Welche gestalterischen Fäden aus dem ersten Tron-Film haben Sie denn aufgenommen?

Designsprache ist mein Medium, in dem ich mich ausdrücke. Es war toll bei diesem Projekt, dass wir Zeit hatten so etwas zu entwickeln. Die alten Vehikel aus dem ersten Film waren eher eckig und kantig. Die Neuen organisch, sexy und elegant. Da steckt auch etwas Filmphilosophie drin. Es ist ja eine Computerwelt und die Rechner in den achtziger Jahren waren wenig leistungsfähig und eher facettenartige Flächen gerendert. Heute steht uns so viel Leistung zur Verfügung, dass man organische Flächen kreieren kann. Solche unterschiedliche Stilelemente wird nicht verstehen, muss auch gar nicht. Aber im Unterbewusstsein nimmt man sie wahr.

Sie haben eine interessante Vita mit einem Lebensweg, der nicht gerade zwangsläufig nach Hollywood führt. Wie kam es dazu?

Ich habe Automobildesign in Pforzheim studiert. Das ist ja eine weltweit angesehen Schule. Dann habe fünf Jahre für Volkswagen gearbeitet. Da habe ich unheimlich viel gelernt, was Detailtreue und vor allem Qualität angeht. Das hilft mir sehr in diesem schnelllebigen Hollywoodgeschäft. Es gibt ja keine Zeit und deshalb sehen viele Sachen in Filmen oft trashig aus. Deshalb waren die Auftraggeber sehr erstaunt, als ich ihnen deutsche Ingenieurs- und Designqualität geliefert habe, haben die schon gestaunt.

Ihre Ausbildung hier in Deutschland hat also sehr geholfen beim Karrieresprung?

Das ist mein erster großer Film. Aber ich habe nichts anderes gemacht als das, was ich seit 15 Jahren mache. Aber es hat beeindruckt.

Sie haben unter anderem auch am Bugatti Veyron mitgearbeitet. Einem der ultimativsten Autos, die es gibt. Eine große Ehre in noch recht jungen Jahren, oder?

Es ist ja erstaunlich, wie schnell Dinge ihren Glamour verlieren, wenn man direkt dabei ist. Am Ende ist es wirklich so: Überall wird nur mit Wasser gekocht. Das zu erkennen hilft, auf dem Teppich zu bleiben. Der Veyron ist am Ende des Tagesauch nur ein Auto. Natürlich mit einer extremen Versicherungsprämie, aber nur ein Auto. So ähnlich ist es auch mit Hollywood-Filmen. Faszinierend an dieser Traumfabrik ist die Reichweite, die diese Filme haben. Man spricht in aller Welt darüber, in Berlin, in Tokio oder Kairo. Das ist schon enorm für einen Künstler.

Als Autodesigner für einen Konzern ist man es ja gewohnt um jeden Millimeter zu kämpfen. Kofferraumvolumen, Innenraum etc. Gibt es in Hollywood mehr Freiheiten für einen Designer?

Kämpfen muss man hier auch. Hier geht es auch um Millimeter. Denkt man vielleicht nicht, aber es ist so. Ein Beispiel: Wenn Garret Hedlung auf dem Motorrad sitzt, dann passt ihm das wie angegossen. Ich habe digitale Scans von ihm benutzt, die dann im Computer so angepasst wurden, dass sie haargenau auf mein Motorrad passen. Und dann gibt es Kleinigkeiten wie: Der Radstand muss zwei Zentimeter kürzer sein, weil sonst die Fußrasten nicht in einer Linie mit der hinteren Felge sind.

Gibt es weniger Druck beim Filmemachen?

Einerseits ist es etwas relaxter. Aber auf der anderen Seite entsteht ein enormer Zeitdruck. Wenn man über zehn Fahrzeuge in zwölf Monaten machen muss, dann herrscht enormer Druck und man ist eigentlich nie zufrieden. Bei der Autoentwicklung gibt es stabile Vorgaben. Es gibt eine Plattform und eine klare Zielgruppe. In Hollywood kann es Dir passieren, dass von jetzt auf nachher aus einer Eisenbahn ein Flugzeug wird, weil es besser in den Film passt. Es gibt aber nicht mehr Zeit dafür. Und es gibt auch kaum Erfahrungswerte. Bei einem Auto gibt es bestimmte Konstanten. In Hollywood machst Du heute ein Auto und morgen ein Flugzeug. Das ist schon was anderes.

Warum habt ihr echte Prototypen gebaut?

Das war eine Entscheidung des Regisseurs. Es wird ja heutzutage viel mit Blue Screen gefilmt und das wird schauspielerisch schnell trocken. Daher hat Joseph Kosinski fast alle Sets real bauen lassen. Und ebenso wurden die Autos und die Cockpits von den Jets gebaut worden. Man kann sich richtig reinsetzen und das Licht anmachen. Bei Olivia Wilde sieht man, glaube ich, schon, dass ihr das Spaß macht. Es geht um die Performance der Schauspieler.

Mit Daniel Simon sprach Markus Mechnich.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen