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Was reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind? Quatsch!
Was reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind? Quatsch!(Foto: AP)

Wenn Frauen die Hosen anhaben: Es wird Zeit für Wonder Woman

Von Sabine Oelmann

Wonder Woman soll die Welt retten - auch die des Kinos. Das klappt gut, außer in zwei Ländern, wo die Militärzeit von Ex-"Miss Israel" und Hauptdarstellerin Gal Gadot nicht ins Bild passt. Dabei kann eigentlich nur eine Frau die Welt verbessern.

Männer bringen's gerade gar nicht, also, wenn man sich auf dem Erdball mal genauer umschaut und die Anführer so einiger Staaten unter die Lupe nimmt. Es ist andererseits aber auch sehr langweilig, immer wieder Trump, Putin, Erdogan und Konsorten in diesem Zusammenhang zu erwähnen, selbst, wenn es nichts schönzureden gibt. Viel besser wäre es, sich Merkel-mäßig zu verhalten. Nein, wir wollen nichts aussitzen, wir wollen einfach nur kanzlerinnenhaft nach vorne schauen und hoffen und vor allem daran arbeiten, dass es besser wird. Und tatsächlich gibt es ja Licht am Ende des Tunnels, und auch männliche Anführer gehen daran, aus dieser Erde einen bessere Welt zu machen - siehe Macron und Trudeau. Jetzt wollen wir den frischen Franzosen und den kernigen Kanadier aber auch nicht überbelasten mit Verantwortung, und deswegen wenden wir uns einer Frau zu, die zumindest für knappe zwei Stunden das Vertrauen in das Gute wiederherstellen kann. Ihr Name ist Diana - besser bekannt als Wonder Woman.

Mama möchte Tochter beschützen, logisch.
Mama möchte Tochter beschützen, logisch.(Foto: AP)

Der Film beginnt in der totalen Idylle einer abgelegenen Amazonen-Insel, auf der es nur Frauen gibt - und ein Kind: Die kleine Diana, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, als mit dem Schwert um sich zu schlagen und sich mit anderen zu messen. Ihre Mutter (die starke Connie Nielsen) möchte sie vor ihrem - vorbestimmten - Schicksal bewahren, verständlich. Aber in ihrer Tante (der noch stärkeren Robin Wright) findet das kleine Mädchen eine Lehrerin. Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wird die Amazonenprinzessin Diana also zu einer unüberwindlichen Kampfmaschine ausgebildet.

Das bisschen Haushalt ...

Da sie in einem abgelegenen Inselparadies aufwächst, erfährt sie erst als junge Erwachsene von "der Welt da draußen". Ein quasi vom Himmel fallender, amerikanischer Pilot (der schmucke Chris Pine) klärt sie auf über die fürchterlichen Konflikte im Rest der Welt. Mit ihm verlässt sie ihre fast paradiesische Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie - und nur sie - der bedrohlichen Situation Herrin werden kann. Und sicher auch ein bisschen, weil sie den Piloten ganz süß findet. In einem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana nun an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial - und ihre wahre Bestimmung.

Immer noch ein Ass im Ärmel: Wonder Woman.
Immer noch ein Ass im Ärmel: Wonder Woman.(Foto: AP)

Dabei ist es unerheblich, dass vieles, was Wonder Woman kann, unrealistisch ist. So ist das Leben von Frauen ja grundsätzlich, ob sie nun am Herd oder im Schützengraben stehen. Und im Kosmos des Comicverlags DC wimmelt es schließlich vor männlichen Superhelden (man denke nur an die Herren Batman und Superman). Spaß macht es aber, Gal Gadot, am Anfang noch recht naiv, dann immer entschlossener und mutiger werdend, zuzuschauen, wie sie mit Witz, Stärke und Klugheit die Welt rettet.

Das gefällt auch den Zuschauern, die Wonder Woman bereits in Aktion erleben durften: Der Film um die Superheldin hat mit Einnahmen von 100,5 Millionen Dollar (89,1 Mio Euro) die Spitze der Kinocharts in den USA und Kanada erobert. Andere Filme um Superhelden wie "Iron Man" oder "Thor" waren schwächer gestartet, "Deadpool" kam an seinem Eröffnungswochenende immerhin etwa auf 132 Millionen Dollar (117 Mio Euro). Weltweit spielte "Wonder Woman" bisher sogar 223 Million Dollar (198 Mio Euro) ein.

Zeiten ändern sich

Raus aus dem Schützengraben, ran an den Feind!
Raus aus dem Schützengraben, ran an den Feind!(Foto: AP)

Der "Hollywood Reporter" sprach gar von einem "historischen" Start und einem "entscheidenden Moment für Hollywoods Gender-Problem". Dem Branchendienst zufolge handelt es sich bei dem Film von Regisseurin Patty Jenkins, den das Studio Warner Bros. gemeinsam mit DC Comics produzierte, um den stärksten Start des Films einer Regisseurin. Die Studios tun sich vor allem bei großen Produktionen, aber auch generell bis heute schwer, Frauen mit der Regie zu betrauen. So könnte nun der Erfolg von "Wonder Woman" den Druck erhöhen, weiblichen Filmemachern Jobs anzubieten.

Die 45 Jahre alte Jenkins hatte zuvor nur bei dem mit einem Oscar ausgezeichneten Spielfilm "Monster" von 2003 Regie geführt. Vor Jenkins hatte der Film "Fifty Shades of Grey" von Sam Taylor-Johnson mit Einnahmen von 85,1 Millionen Dollar (75 Mio Euro) den Titel als stärkster Kinostart einer Regisseurin gehalten. Der einzige weibliche Regie-Oscar ging übrigens 2010 an Kathryn Bigelow für "Tödliches Kommando - The Hurt Locker". Es wird tatsächlich Zeit, dass sich etwas ändert.

Die Frauen in Tunesien und Libanon müssen sich noch ein wenig gedulden oder selbst zu "Wonder Women" werden: Der Grund dafür ist die kurze militärische Laufbahn der gebürtigen Israelin Gadot: Sie leistete den verpflichtenden zweijährigen Wehrdienst in der israelischen Armee ab, und daher wird ihr vorgeworfen, an israelischen Angriffen auf den Gazastreifen beteiligt gewesen zu sein. Das libanesische Innenministerium hatte die Ausstrahlung verboten und eine nationalistische tunesische Partei hatte gegen die Verbreitung des Films geklagt - ein Gericht hatte dem Antrag stattgegeben.

Wo bleibt jetzt Wonder Woman, wenn man sie mal wirklich braucht? Wir warten gespannt!

"Wonder Woman" startet am 15. Juni in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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