Unterhaltung
Freitag, 09. Juni 2017

Immer am Rand: Ethan Hawke ist Chet Baker

Von Sabine Oelmann

Der James Dean des Jazz, der Übervater des Cool Jazz: Chet Baker bedeutet aber auch Drogenabhängigkeit, Eifersucht, Qual und Angst. Ethan Hawke setzt dem Musiker mit "Born To Be Blue" ein cineastisches Meisterwerk.

Ein großartiger Film! Für alle, die Musik lieben. Vor allem für jene, die Chet Baker verehren und seine Musik und seine Zeit. Aber auch für diejenigen, die "nur" Ethan Hawke super finden. Denn mit "Born To Be Blue" huldigen Regisseur Robert Budreau und Schauspieler Ethan Hawke dem turbulenten Leben der unnachahmlichen Jazzlegende Chet Baker. Sie setzen dem "King of Cool" ein filmisches Denkmal - und Ethan Hawke ist herausragend in seiner Interpretation. Hawke muss den Musiker "studiert" haben wie kaum ein anderer - anders ist es nicht zu erklären, dass er das "James-Dean-hafte" Bakers so hinbekommt, und anders ist nicht zu erklären, dass man Hawke ohne Zweifel abnimmt, dass Chet Baker ein Popstar seiner Zeit war, ein zerrissenes Genie, den wir in diesem Film nun am Rande zum Wahnsinn, am Rand zum Absturz, begleiten dürfen.

Chet und Jane - sie könnten es hinbekommen ...
Chet und Jane - sie könnten es hinbekommen ...(Foto: Alamode Film)

Es tut weh zu sehen, wie Chet Baker von seinem eigenen Vater verachtet wird - erklärt aber zugleich die tiefe Melancholie und Zerrissenheit des Musikers. Es tut ebenfalls weh zu sehen, wie er der Jazz-Legende Miles Davis - der ihn mit Herablassung betrachtet aber auch ein bisschen Angst, da könnte ihm einer zu nahe kommen - hinterhereifert. Es erklärt aber auch den eisernen Willen, warum Baker sich nach den größten Tiefschlägen - psychischer und physischer Art - immer wieder aufrappelt und die, nach einer brutalen Schlägerei nicht mehr vorhandenen, Zähne zusammenbeißt. Es tut weh, zu sehen, wie er versucht, ein normales Leben hinzubekommen, wie er sich für keine Arbeit zu schade ist, wie er an seiner Musik hängt, wie nicht einmal die große Liebe einer Frau (Carmen Ejogo), die mit Engelsgeduld agiert, ihn retten kann.

Getrieben, besessen, genial

Und dabei sieht es eine Weile so gut aus: Als er Jane kennenlernt, scheint er den Glauben zum Leben wieder zu entdecken. Vielleicht sogar seine Heroin-Abhängigkeit zu überwinden. Er macht alles mit, vieles zumindest, er probiert es mit Methadon und er probiert es mit Stärke. Aber die Drogen sind noch stärker.

"My Funny Valentine"
"My Funny Valentine"(Foto: Alamode Film)

Ein jeder Jazz-Liebhaber weiß, wie Chet Baker am Ende seiner Karriere aussah, eingefallen und zahnlos, kaputt und zersaust. Getrieben, besessen, genial, aber leider nie gesund. Im Film sehen wir die Phase seines Lebens in den sechziger Jahren, in denen seine Musikerkarriere fast beendet worden wäre, hätte es nicht Menschen gegeben, die an ihn glauben. Das gerät an manchen Stellen tatsächlich etwas kitschig, tut der Wahrhaftigkeit des Films aber keinen Abbruch. Das Leben kann schon kitschig sein.

"Born To Be Blue" hat das Zeug, den Jazz - den "Cool Jazz" - eines Chet Baker oder auch eines Miles Davis, einer neuen Generation nahe zu bringen. Er gehört in die Riege der anderen Musiker-Biopics wie "Lady Sings The Blues" (Billy Holiday), "Bird" (Charlie "Bird" Parker), "Ray" (Ray Charles), "Walk The Line" (Johnny Cash) und "Miles Ahead" (Miles Davis), die so genial geraten sind, dass man sie sich immer wieder angucken an. "Born To Be Blue" läuft in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen