Unterhaltung

Alkohol ist doch eine Lösung!: "Grabbers": Alien-Invasion in Irland

Von Thomas Badtke

Zu viel Alkohol soll ja nicht gesund sein. Von wegen! Als auf Erin Island vor der irischen Küste Fischer verschwinden und angefressene Wale am Strand auftauchen, ist es mit der Postkartenidylle vorbei: Aliens sind auf der Insel gelandet und wollen den Einwohnern ihr Blut aussaugen. Aber nicht mit mir, denkt sich der Dorftrinker. Er kennt die Lösung.

Iren sind zu beneiden: Sie leben auf einem der schönsten Fleckchen der Erde. Ihr Whiskey ist so köstlich wie die Wiesen saftig grün, der Himmel hellblau und das tosende Meer rund um Irland kobaltfarben. Der Ire an sich ist gesellig und wird dafür weltweit geschätzt - genauso wie für seine Trinkfestigkeit.  So feucht-fröhlich der Ire ist, so beißend trocken ist sein Humor: Ja, alles in allem muss man den Iren lieben. Das gilt vor allem auch für die Einwohner von Erin Island.

"Grabbers" ist auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite erschienen.
"Grabbers" ist auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite erschienen.

Die Insel vor der Küste ist klein, die Cottages darauf ebenso. Aber dafür ist der Durst der Bewohner umso größer. Der örtliche Pubbesitzer weiß das zu schätzen. Neben Paddy (Lalor Roddy), dem bekannten Dorftrinker, kehrt dort auch der Inselpolizist Ciáran O’Sea (Richard Coyle; "Coupling - Wer mit wem?", "Ein gutes Jahr") nach getaner Arbeit regelmäßig für ein paar Bier ein. Zu Hause geht es dann mit Whiskey weiter. Und am Morgen ist der erste Schluck kein Kaffee oder Tee, sondern immer etwas Hochprozentiges - direkt aus der Flasche. Das Leben auf Erin Island kann so schön sein.

Und es wird noch besser - als O’Shea seine neue Kollegin Lisa Nolan (Ruth Bradley; "Primeval") am Hafen abholt. Sie ist bildhübsch, steckt aber auch voller Arbeitseifer und Ehrgeiz. Nichts also, was man ihr nicht abgewöhnen könnte. Auf der Fahrt ins Dorf versucht O'Shea ihr deshalb klarzumachen, dass Erin Island die pure Idylle ist, "Hier passiert niemals etwas Aufregendes."

Das Schlimmste passiert an den lauschigsten Plätzen

Mann, wie kommen denn die Wale hierher? Und wer hat sie angefressen?
Mann, wie kommen denn die Wale hierher? Und wer hat sie angefressen?(Foto: Photo by Jonathan Hession)

Doch da irrt sich O’Shea diesmal gewaltig. Seit der Nacht wird die Besatzung eines Fischerbootes vermisst. Am Strand liegen zudem mehrere tote Wale - angefressen. Paddy findet zudem noch etwas Undefinierbares, etwas mit Tentakeln. Sein Unternehmergeist ist geweckt, schließlich wollen die nächsten Biere im Pub bezahlt werden. Er nimmt das Ding mit zu sich nach Hause und parkt es in seiner Badewanne. Als die geballte Macht der Inselpolizei in Form von O’Shea und Nolan am Strand eintrifft, wissen auch sie nicht, was hier stattgefunden haben könnte. Aber eines ist für O’Shea nach einem gekonnten Blick gen Horizont sicher: Es wird Sturm geben. Er gibt dem örtlichen Bauunternehmer den Auftrag, den Strand von den Walleichen zu säubern. Einer seiner Männer verschwindet dabei unbemerkt. Es wird nicht der letzte Tote auf Erin Island sein.

Mit einer Zeitung und mit einem Stuhl auf Alienjagd: Nolan, O'Shea und der Arzt
Mit einer Zeitung und mit einem Stuhl auf Alienjagd: Nolan, O'Shea und der Arzt

Bereits in der Nacht gibt es weitere Vermisste: Ein Mann hört ein Klopfen an der Haustür, öffnet und vor ihm tanzt ein Freund von ihm. Allerdings ist er nicht betrunken, sondern tot und scheint wie eine Marionette an etwas zu hängen. Der Mann ruft seine Frau und sie beide müssen mit ansehen, wie der Tote wie von Geisterhand nach oben und ihren Blicken entschwebt. Der Angriff des Tentakelwesens kommt daher völlig überraschend: Der Mann fliegt aus der Tür, seine Frau wird wenig später durch den Schornstein gezogen. Zurück bleiben nur ihre Plüschpantoffeln.

O’Shea fängt langsam an zu glauben, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Erstrecht, als beim örtlichen Arzt Adam Smith (Russell Tovey), eines der Wesen nach dem Kontakt mit Wasser plötzlich lebendig wird und O’Shea angreift. Nach und nach führt die Spur der Wesen erst zu Paddy und dann zum Strand, wo unzählige faustgroße Eier im Sand herumliegen. Die logische Schlussfolgerung: Erin Island droht eine Alien-Invasion! Und Rettung von außen ist wegen des Sturms aussichtslos. Der soll erst am nächsten Morgen wieder abflauen, das heißt für O’Shea: Ein Plan muss her.

Er  beinhaltet Alkohol. Jede Menge noch dazu. Denn dank Paddy weiß O’Shea jetzt, dass die Aliens zwar den Einwohnern das Blut aussaugen wollen. Dass sie aber auch Anti-Alkoholiker sind: Sobald eine gewisse Menge Alkohol im Blut ist, rühren sie die Menschen nicht an. Paddy ist der lebende Beweis. Also nichts wie ran und im örtlichen Pub eine Sause organisiert. Die Einwohner, allesamt gottesfürchtig und nichtsahnend beim Gottesdienst in der Kirche, wollen aber nicht so recht mitmachen. Erst als der Alkohol kostenlos fließen soll, ist das Gotteshaus schneller leer und der Pub schneller voll als Father Potts Amen sagen kann.

Die Nacht bricht herein, der Alkoholpegel steigt, die Musik wird lauter, der Regen heftiger, die Tentakelwesen größer: Der Showdown kann beginnen, mit einem O’Shea, der unbedingt nüchtern bleiben muss …

Beißend komisch

Guck' mal, was da spritzt ... Die Aliens wollen aber nicht nur spielen.
Guck' mal, was da spritzt ... Die Aliens wollen aber nicht nur spielen.

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz bei Horrorfilmen, dass an den ruhigsten, idyllischsten Orten immer die schlimmsten Dinge passieren. "Grabbers" ist das perfekte Beispiel. Bereits beim ersten Aufeinandertreffen von O’Shea und Nolan ahnt der Zuschauer, dass sich zwischen den Beiden etwas anbahnt. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Und so wundert es am Ende auch nicht, dass O’Shea als einziger Einwohner von Erin Island nüchtern bleibt, um einen kühlen Kopf zu bewahren, aus Liebe zu seiner neuen Kollegin. Die wiederum entpuppt sich als Schluckspecht allererster Güte.

Damit "Grabbers" (erschinenen bei Ascot Elite) nicht zu einem puren Alienspektakel à la "The Thing" wird, packt Regisseur Jon Wright schon früh die Humorkeule aus. Bereits wenn man den O’Shea-Darsteller Richard Coyle sieht, weiß man, dass es in Richtung Komödie gehen muss - selbst wenn man ihn nicht aus der britischen Erfolgssitcom "Coupling" kennen sollte. Der Humor kommt bei "Grabbers" nicht zu kurz. Schwarz und trocken - irisch halt.

Gleichzeitig schafft es Regisseur Wright aber auch, das Ganze nicht ins Lächerliche zu ziehen. Es ist keine dieser seichten Schenkelklopfer-Komödien, sondern erinnert vielmehr an "The Guard" und "A Film With Me In It"

Und auch die Aliens können sich sehen lassen, was in erster Linie am hochklassigen Special-Effects-Team liegen dürfte, das auch bereits für die "Harry Potter"-Filme im Einsatz war. Dazu gibt es noch eine Prise irischen Folk und fertig ist eine Gute-Laune-Komödie auf irische Art: feucht-fröhlich, humorvoll, liebens- und absolut sehenswert!

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Quelle: n-tv.de

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