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Eine Blondine im Catsuit, die Edgar Allan Poe zitiert? Na, dass muss doch eine Profikillerin sein!
Eine Blondine im Catsuit, die Edgar Allan Poe zitiert? Na, dass muss doch eine Profikillerin sein!(Foto: Ascot Elite)

Nur ein toter Elvis ist ein guter Elvis: "Guns und Girls" und Tarantino light

Von Thomas Badtke

Indianer und Cowboys auf dem Kriegspfad - und du als Unbeteiligter mittendrin? Dann brennt die Luft. Jeder ist hinter dir her, weil du angeblich die aus Menschenhaut gefertigte Kriegsmaske der Apachen gestohlen hast. Ein Artefakt mit mythischen Kräften, wertvoller als dein Leben - und das aller anderen Elvis-Imitatoren. Elvis-Imitatoren? Elvis-Imitatoren!

Ein Elvis-Imitator kommt selten allein ... "Guns and Girls" ist der Beweis.
Ein Elvis-Imitator kommt selten allein ... "Guns and Girls" ist der Beweis.(Foto: Ascot Elite)

"Wo ist die Maske?"

"Ist 'ne lange Geschichte …"

"Gut, erzähl mir die Kurzfassung!"

Und John Smith (Christian Slater; "Soldiers Of Fortune") versucht es, er fängt an, sich zu erinnern … Er ist mitten in der Wüste, dann in einem Kasino, geführt von einem Apachen. Er hat jemanden angerempelt, sich danach entschuldigt und … ach ja, er hat Poker gespielt. In einer kleinen Runde. Ziemlich verrückt, die Runde: Es waren alles Elvis-Imitatoren. Ein Schwuler, ein Zwerg, ein Schwarzer und ein Asiate. Und noch einer, der irgendeinen Imitatoren-Wettbewerb hier im Kasino gewonnen hat. Dann nichts mehr. Filmriss. Er wacht im Büro des Kasinochefs auf, ein schrillender Alarm und die sagenumwobene Kriegsmaske der Apachen ist weg. Das ist alles, was John Smith weiß, woran er sich erinnern kann. Und: Naja, er hat die Apachen-Maske ganz sicher nicht.

Wendungen am laufenden Band: "Guns and Girls" überrascht - für manchen Zuschauer vielleicht zu oft.
Wendungen am laufenden Band: "Guns and Girls" überrascht - für manchen Zuschauer vielleicht zu oft.(Foto: Ascot Elite)

Die Maske: Sie soll aus echter Menschenhaut sein. Steinalt, versteht sich. Millionen Dollar wert. Aber das ist fast Nebensache. Die Maske soll ihrem Besitzer Glück und Erfolg bringen. Das sagt zumindest der Apachen-Häuptling, der, seitdem er die Maske besitzt, Chef des Kasinos ist und jede Menge Schotter damit einstreicht. Die Maske muss also wieder her. Koste es, was es wolle. Notfalls halt auch John Smiths Leben.

John Smith hat 24 Stunden Zeit, die Maske wieder aufzutreiben - und einen üblen Kater. Man muss ihn betäubt haben. Alles sehr geschickt eingefädelt. Nur, wer konnte dahinterstecken? Die Indianer, die ihn in der Wüste aussetzen, vermuten den Ranger (Powers Boothe; "Sin City", "Men Of Honour") und seinen Handlanger, den Cowboy (Jeff Fahey; "Machete") hinter dem Coup. Ihnen ist das Kasino mit seinen glücklichen Ureinwohnern schon immer ein Dorn im Auge gewesen.

"Guns and Girls" ist als DVD und Blu-ray bei Ascot Elite erschienen.
"Guns and Girls" ist als DVD und Blu-ray bei Ascot Elite erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Aber so einfach ist die Geschichte nicht, wie die plötzlich auftauchende blonde Profikillerin (Helena Mattson; "7 Psychos", "Surrogates") beweist, die bei jedem tödlichen Auftritt zuvor Edgar Allan Poe zitiert. Und John Smith, der sonst kein Phrasendrescher ist, muss erfahren, dass jede Medaille nicht nur zwei Seiten hat - wie immer man sie auch drehen und wenden mag. Und so beginnt eine mörderische Hatz nach einem Indianer-Relikt, in der nur eines sicher ist: John Smith steht immer in der Schusslinie und das nicht nur im übertragenen Sinn.

Die Großmeister lassen grüßen

"Guns and Girls" (im Original "Guns, Girls and Gambling") kommt daher, als ob Quentin Tarantino nach dem Anschauen der "Oceans"-Reihe mit George Clooney es sich in den Kopf gesetzt hätte, einen eigenen Film beizusteuern. Und da das Ganze mitten im Nirgendwo, irgendwo am Arsch der Welt spielt, in sengender Sonne, mit noch heißeren Frauen, könnte der Zuschauer auch auf die Idee kommen, dass Robert "Machete" Rodriguez seine Finger mit im Spiel gehabt hat. Und mit Christian Slater, wie immer brillant in der Rolle des verzweifelten Unglücksraben, sowie Gary Oldman als gealtertem Elvis-Imitator kann sich auch die Darstellerriege sehen lassen. Die wird zudem mit Helena Mattson, Powers Boothe, Jeff Fahey und dem wohl bekanntesten Indianer und Indianer-Darsteller Gordon Tootoosis hervorragend ergänzt. Aber …

Ja, aber: Tarantino und Rodriguez haben mit "Guns and Girls" nichts zu tun. Leider. Regisseur Michael Winnick ist für den Film verantwortlich und auch für das Drehbuch. Und er ist halt weder ein Tarantino und schon gar kein Rodriguez. Und er wird es auch nie werden. Das ist das Negative an "Guns and Girls". Winnick hat wunderbare Ideen und tolle Hauptdarsteller, aber er verzettelt sich leider relativ früh mit der Story. Die Figuren, die immer wieder neu eingeführt werden, nehmen absolut Überhand und stiften zunehmend Verwirrung. Zwar schafft es Winnick, die verschieden anmutenden Handlungsstränge am Ende zusammenzuführen und so den Plot einigermaßen plausibel aufzulösen. Aber vor allem die zum Teil zu heftigen Wendungen am Ende sorgen für Fragezeichen beim Zuschauer.

Zwar hätte Winnick vor allem aus den Charakteren der Elvis-Imitatoren noch viel mehr Lacher herauskitzeln können. Ein schwuler Elvis, ein schwarzer Elvis, ein Zwergen-Elvis und ein asiatischer Elvis … da muss einem Drehbuchautor und Regisseur doch irgendetwas dazu einfallen! Und wenn man einen Gary Oldman am Start hat, sollte man ihn auch dementsprechend einsetzen und dessen Figur nicht zu einer Randnotiz verkommen lassen. Das Positive überwiegt am Ende dennoch. Dazu tragen etwa Helena Mattson als durchgeknallte Killerin und die knackigen Dialoge bei. Das Fazit deshalb in der Kurzfassung: Der Film macht Laune! Das zumindest hat sich Winnick von den Großmeistern perfekt abgeschaut.

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Quelle: n-tv.de

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