Unterhaltung
(Foto: Michael Meyborg)

Respekt, Alter! : Hannes Wader wird 70 - schon?

Von Sabine Oelmann

Die junge Elite huldigt dem Meister - und das hört sich so gut an, dass man dieses Album mehrmals hintereinander hören kann, ohne sich ein einziges Mal zu langweilen. Wer bei Hannes Wader nur an Friedensbewegung, Klampfe und Liedermacher denkt, wird überrascht sein, was ein paar junge Künstler ihm da für ein Ständchen bringen.

Ein unbeugsamer Volkssänger mit unverkennbar kommunistischen Grundtönen, voller Poesie, Rotz und Frechheit, voller Intelligenz, Renitenz, Musikalität und Zeitlosigkeit - so wird Hannes Wader anscheinend auch heute noch gesehen. Denn nicht anders ist es zu erklären, wenn junge Sänger einem Mann, der ihr Großvater sein könnte, ein Ständchen bringen, das zu den ungewöhnlichsten Projekten gezählt werden kann, von denen man in letzter Zeit gehört hat. 

"Alte Lieder neu interpretiert" ist ausnahmsweise mal kein billiger Slogan für einen Abklatsch oder Aufguss, wie man ihn sonst kennt, nein, da haben sich ein paar Leute Gedanken gemacht. Hannes Wader bereits vor einigen Jahrzehnten, denn so alt sind die Lieder zum Teil. Wie das unkaputtbare "Heute hier, morgen dort", in das man ganz viel Sanftheit packen kann, aber auch viel Wut und Aggression. Die jungen Kollegen haben sich jetzt jedenfalls hingesetzt - und das ist dabei herausgekommen:

Alin Coen Band: Sie singt vom "Abschied". Sehr sanft, sehr betont, obwohl doch sonst eher angesiedelt zwischen Folk, Pop und Jazz. Dann Max Prosa: Bereits mit seinem Debütalbum schaffte der Berliner 2012 den Sprung in die Charts, mitunter wird er mit dem frühen Bob Dylan verglichen. Er singt das "Lied vom kleinen Mädchen" so charmant, dass man ganz verwirrt zurückbleibt. Dota & die Stadtpiraten fühlen sich wohl "Im Garten". Passend zu Wader ist die Band auf Unabhängigkeit bedacht und verweigert bislang eine feste Bindung an Plattenfirmen.

Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader.
Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader.(Foto: Universal)

Auch Anna Depenbusch und Johannes Strate sind dabei: sie mit einer so flockigen, leichten Art, mit der sie uns "Nach Hamburg" entführt, er mit einem schwer melancholischen "Unterwegs nach Süden". Dieses Lied ist das Resultat einer Wette zwischen Wader und seinem Freund und Kollegen Franz Josef Degenhardt, der der Ansicht war, dass die Voraussetzung für die Singbarkeit eines Liedes der Endreim sei. Wader hat versucht, mit diesem Lied dessen Behauptung zu widerlegen. Es ist ihm gelungen. Und ganz besonders ist es Johannes Strate gelungen.

Pohlmann sang "Wenn jetzt Sommer wär", auf dem Salut an Hannes Wader knarzt er "Charley" - großartig. "Heute hier morgen dort" - das bietet zum einen Philipp Poisel an, zart, und die Version zum Mitgrölen gibt es dann noch mal später auf dem Album von Slime - stadionreif! 

"Am Fluss" - das "grüne Haar der Trauerweiden" könnte kaum poetischer klingen als von Tiemo Hauer, dem vom Rolling Stone attestiert wurde: "... so sehen wohl diese gesund wachsenden Karrieren aus, von denen alle immer reden".  Finn singt "Schon so lang", und wie in allen Lieder ist die Sehnsucht darin förmlich zu greifen. Glasperlenspiel wurden durch ihren viel beachteten Auftritt beim Bundesvision Song Contest im Jahr 2011 deutschlandweit bekannt. Sie übernehmen den Part der "Traumtänzer" und bringen Electro-Pop ins gute alte deutsche Liedgut.

Bosse erzählt von der "Möwe" und wieder hören wir das Meer rauschen. Auch Bosse stand beim Bundesvision Song Contest auf der Bühne. Ein Kollektiv namens Das Bierbeben singen "Du träumst von alten Zeiten", und wer jetzt wissen möchte, welches Lied am schönsten ist, der muss in diesem Fall ein einziges Mal enttäuscht werden: Man kann es nicht sagen. Den alten Fans des Barden muss es einfach gefallen, was die anderen Musiker ihrem Vorreiter da für ein Ständchen bringen, den jungen gefällt es auch. Kinder finden es gut, dass da auf so intelligente Art deutsch gesungen wird und lachen amüsiert über die Texte, aber sind auch schockiert über so manche Stelle. "Kokain" muss man den Kleinen ja nicht vorspielen. Apfel S. bringt das nämlich so rüber, als hätten sie das direkt vorher konsumiert - klingt cool, witzig, irgendwie psychedelic.

Und selbst die Toten Hosen lassen es sich auf der Deluxe-Version ihres Albums "Ballast der Republik" nicht nehmen, zu gratulieren und geben ebenfalls den Klassiker "Heute hier morgen dort" zum Besten: "Warum sind wir so lange an ihm vorbeigelaufen? Dieses Lied ist unkaputtbar, egal, wie man es bringt: am Lagerfeuer, als in sich gekehrte, leise Melodie oder als Rockstampfer. Es trifft immer ins Herz, weil jedes Wort aufrichtig ist." Schöner kann man es nicht sagen.

Das Album ist seit Mai 2012 im Handel erhältlich.

Quelle: n-tv.de

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