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Hannibal Lector beißt zu: So entkommt er aus der Haft.
Hannibal Lector beißt zu: So entkommt er aus der Haft.(Foto: imago/United Archives)

"Das Schweigen der Lämmer": Hannibal Lecter bittet zum Festmahl

Von Markus Lippold

Er gilt bis heute als einziger Horrorfilm, der den Oscar als bester Film erhielt: "Das Schweigen der Lämmer" lässt auch nach 25 Jahren niemanden kalt zurück. Das liegt an den exzellenten Schauspielern - und an der Faszination für Serienmörder.

Anthony Hopkins dachte zuerst an einen Kinderfilm, als ihm sein Agent das Drehbuch zu "Das Schweigen der Lämmer" schickte. Doch der Schauspieler irrte sich: Der Film von Jonathan Demme ist nun wirklich nichts für Kinder. Selbst heute, 25 Jahre nach seiner Premiere in New York, kann der Film noch schocken. Weil er ein Tabuthema berührt: Kannibalismus. Weil er seinen Horror im Kopf des Zuschauers entwickelt. Und weil zwei starke Schauspieler aufeinanderstoßen: Jodie Foster und Hopkins.

Starling besucht Lecter in der forensischen Klinik - und gerät in seinen Bann.
Starling besucht Lecter in der forensischen Klinik - und gerät in seinen Bann.(Foto: imago/United Archives)

Hopkins gibt auf bravouröse Weise den überaus intelligenten Psychiater und Mörder Hannibal Lecter, der sich an den Organen seiner Opfer delektiert, aber mittlerweile in einer forensischen Klinik einsitzt. Foster steht als Clarice Starling, eine FBI-Agentin in Ausbildung, auf der anderen Seite der Gefängniszelle. Sie will Lecter die Identität eines weiteren Serienmörders entlocken, erliegt aber gleichzeitig seinem Charisma und offenbart ihm ihre Vergangenheit.

Beschäftigung mit Serienmördern

Dass beide diese Rollen spielten, war allerdings etlichen Absagen anderer Schauspieler zu verdanken, denen bereits das Drehbuch zu brutal war. Foster und Hopkins ließen sich nicht abschrecken, sie stürzten sich in die Arbeit. Foster trainierte beim FBI, das die Dreharbeiten in der Hoffnung unterstützte, dass sich mehr Frauen für die Arbeit als Agentin interessieren würden. Hopkins wiederum beschäftigte sich intensiv mit realen Serienkillern. Er beobachtete verurteilte Mörder in einem Gefängnis und besuchte Gerichtsverhandlungen.

Für Lecter gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen - das Bild mit der Maske wurde später oft zitiert.
Für Lecter gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen - das Bild mit der Maske wurde später oft zitiert.(Foto: imago/United Archives)

Es war allerdings nicht das erste Mal, dass der Psychiater Lecter auf der Leinwand erschien: Bereits 1986 hatte Michael Mann mit "Blutmond" den ersten Teil der Romanreihe von Thomas Harris verfilmt. Doch erst mit dem Erfolg von "Das Schweigen der Lämmer" gruben sich die Figur und ihre Abgründe ins gesellschaftliche Bewusstsein. Es folgten nicht nur drei weitere Filme mit Lecter, einer davon ein Remake von "Blutmond", sondern auch noch eine erfolgreiche Serie.

Hopkins verglich die Figur mit dem Bordcomputer HAL aus Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum": Wie die Maschine sei Lecter hochintelligent, überaus logisch und erwecke den Eindruck, er wisse alles, was um ihn herum passiere. Dieses maschinenhafte nahm Hopkins in seine Figur auf: Lecter blinzelt fast nie, er hat selbst während der schlimmsten Verbrechen einen ruhigen Puls, er malt detaillierte Bilder aus dem Gedächtnis und analysiert messerscharf andere Menschen.

Clarice Starling sucht den Serienmörder Buffalo Bill.
Clarice Starling sucht den Serienmörder Buffalo Bill.(Foto: imago/United Archives)

Ein menschlicher Aspekt allerdings soll Hopkins spontan während der Dreharbeiten eingefallen sein: Lecters markantes Zischen, das später oft imitiert wurde. Doch auch andere Szenen und Sätze wurden in anderen Filmen oder Serien zitiert, etwa Lecters berühmter Satz: "Ich genoss seine Leber mit ein paar Fava-Bohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti." Hannibal Lector wurde dank Hopkins' Darstellung nicht nur zu einem der perfidesten Verbrecher der Filmgeschichte, dessen Blick noch heute Zuschauer die Adern gefrieren lassen kann. Er wurde auch zu einer Figur der Popkultur.

Das hat Lecter mit etlichen realen Serienmördern gemein, die eine erschreckende Faszination auszustrahlen scheinen: Täter wie Fritz Haarmann, Jeffrey Dahmer, Ted Bundy und vor allem Ed Gein inspirierten etliche Filme. Letzterer stand nicht nur für Alfred Hitchcocks "Psycho" Pate, sondern gilt auch als eines der Vorbilder für Buffalo Bill, jenen von Ted Levine gespielten Serienmörder, den die FBI-Agentin Starling in "Das Schweigen der Lämmer" zur Strecke bringen will.

Ein Kunststück bei den Oscars

Foster kämpfte um die Rolle. Ihr war wohl bewusst, dass starke Frauenfiguren rar gesät sind in Hollywood. Sie bekam die Rolle und trat in die Fußstapfen von Kämpferinnen wie Sigourney Weaver in "Alien" und Linda Hamilton in "Terminator". Dass in "Das Schweigen der Lämmer" eine Agentin einen Serienkiller jagt, der Frauen ermordet und häutet, kann als ein für Hollywood untypischer Akt weiblicher Selbstbestimmung gelesen werden.

Demme hatte nach Filmen wie "Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen", "Swing Shift" und "Gefährliche Freundin" einen Ruf als feministischer Regisseur. Er machte auch nicht den charismatischen Lecter zur Hauptfigur - der tritt in gerade mal 25 Filmminuten auf -, sondern die junge Agentin. Um zu zeigen, dass Sterling im Mittelpunkt steht, ließ er etwa andere Figuren direkt in die Kamera schauen, wenn sie sich mit Sterling unterhielten.

Finanziell und mit Preisen belohnt

Foster jedenfalls hatte nun ihren Karrierehöhepunkt erreicht. Nur drei Jahre nach ihrem ersten Oscar für "Angeklagt" hielt sie für "Das Schweigen der Lämmer" den Academy Award erneut in den Händen. Anthony Hopkins bekam ihn dagegen zum ersten Mal. Dem Film gelang ein Kunststück. Er ist bis heute einer von nur drei Filmen, die die wichtigsten fünf Oscars bekamen: für Film, Regie, Drehbuch und beide Hauptdarsteller. Trotz der schwammigen Genregrenzen gilt er zudem als einziger Horrorfilm, der den Academy Award als bester Streifen erhielt - eine längst überfällige Ehrung des Genres, dem Demme durch Miniauftritte der Horrorregisseure Roger Corman und George A. Romero seine Referenz erwies.

Doch auch finanziell lohnte sich "Das Schweigen der Lämmer": Der Film spielte sein Budget um mehr als das Zehnfache wieder ein. Kein Wunder, dass in Filmen wie "Sieben" und "Im Sumpf des Verbrechens" weitere Serienmörder auf der Leinwand erschienen. Nicht zuletzt ebnete die akkurate Darstellung der FBI-Ermittlungen, die Verwendung forensischer Methoden und die intensive Auseinandersetzung mit der Psyche des Täters Serien wie "CSI" den Weg, in denen Spurensicherung, Gerichtsmedizin oder Profiler der Polizei im Mittelpunkt stehen.

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Quelle: n-tv.de

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