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Campinos Wort zum Geburtstag: "Ich bin noch keine 60 ..."
Campinos Wort zum Geburtstag: "Ich bin noch keine 60 ..."(Foto: Slavica)

Bis zum bitteren Ende: Hau rein Campino, gib Gas!

Von Thomas Badtke

"Wenn man 50 wird, kommt man ein bisschen mehr zur Ruhe", sagt Heidi Klum. Campino sieht das schon seit Jahren anders. Erst mit 60 werde er einmal erzählen, "was früher einmal war". Doch bis dahin hat er ja nun zum Glück noch zehn Jahre Zeit.

Der Großvater war Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, der Vater Richter am Oberverwaltungsgericht. Da ist der berufliche Werdegang für die nächste Generation vorgegeben und festgezurrt. Nicht so für Andreas Frege. Er wird kein Jurist. Er wird Punkrocker. Er wird Campino, Frontmann der Toten Hosen. Seit 30 Jahren gibt es diese Düsseldorfer Institution nun schon, Frege alias Campino gar 50.

Die 50 sieht man Campino nicht an. Nicht im Stadion, als er den Aufstieg seiner Düsseldorfer Fortuna nach 15-jähriger Erstliga-Abstinenz miterlebt. Nicht bei "Rock am Ring", als er wieder einmal seine halsbrecherischen Kletterkünste an den Lichtmasten der Bühne unter Beweis stellt und sich mit nacktem Oberkörper von der unter ihm im Takt wogenden Zuhörermasse tragen lässt.

Als Frontmann der Toten Hosen: Andreas Frege alias Campino
Als Frontmann der Toten Hosen: Andreas Frege alias Campino(Foto: picture alliance / dpa)

Die 50 kann man bei Campino höchstens erahnen: Die Stimmbänder sind angerissen. Die Stimme selbst braucht mehr Ruhe als früher. Es kommt Cortison zum Einsatz, wo in jungen Jahren auch schon einmal Acid oder Kokain benutzt wurde. Die Ohren sind nicht mehr so gut wie einst: Der Punkrock hat Campino schwerhörig gemacht. Und da wären noch zahlreiche Sehnenentzündungen, ein gebrochener Fuß und Bänderrisse.

Und man hört Campinos 50 Jahre. Altersweisheit nennt man so etwas im Allgemeinen. Die Texte der Toten Hosen haben sich verändert. Sie sind ernster geworden, wie der Song "Europa" vom aktuellen Album "Ballast der Republik" zeigt. Sie haben mehr Tiefgang, mehr Seele ("Draußen vor der Tür"). Und aus den Saufliedern von einst - rund um Altbier, Jägermeister und Bommerlunder - sind Rock-Hymnen geworden wie "Tage wie diese" oder "Schade, wie kann das passieren".

Die Texte der Toten Hosen sind reifer geworden, weil Campino reifer geworden ist. Er reflektiert, erinnert sich - und heraus kommt: "Das ist der Moment, an dem du einmal hängst, wenn du irgendwann mal zurückdenkst ..."

"Und die Jahre ziehen ins Land ..."

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Campinos Horizont hat sich erweitert. Der England-Fan trinkt nur noch selten Alkohol. Drogen sind für den Familienvater schon lange tabu. Seinen Körper hält er gesund, Fitnesstests und Physiotherapeuten helfen ihm dabei.

Auch sein Berufsfeld hat sich geweitet: Campino ist nicht nur Sänger der Toten Hosen. Er ist auch Journalist, interviewt beispielsweise Musikgrößen. Campino spielt Theater, verkörpert etwa Mackie Messer in Bertolt Brechts "Dreigroschen-Oper" unter der Regie von Klaus Maria Brandauer. Campino schauspielert und übernimmt die Hauptrolle in Wim Wenders "Palermo Shooting".

Campino ist ein Tausendsassa. Einer, der so redet, wie ihm die Zunge gewachsen ist. Der sich trotz des ganzen Hypes um die Toten Hosen und der dahintersteckenden Merchandising-Maschinerie und Unternehmensphilosophie nicht verbiegen lässt. Einer, der sich nicht wie andere Musikstars für "Bild"-Kampagnen herschenkt, sondern sich seine eigene Meinung bildet. Einer, der nie zum FC Bayern München gehen würde, lieber jahrelang in die unterklassigen Ligen zur Fortuna - oder zu den "Reds", denn Liverpool ist seine andere große Fußballiebe: "You'll never walk alone".

Hier schließt sich der Kreis wieder, denn auf den Konzerten der Toten Hosen ist dieser Song ein ebenso fester Bestandteil wie die Verabschiedung "Haut rein, gebt Gas!" und das "Wort zum Sonntag": "Ich bin noch keine 60. Und ich bin auch nicht nah dran. Und erst dann werde ich erzählen, was früher einmal war ..." Da Campino ja eine ehrliche Haut ist, dürften sich die Fans auf mindestens weitere zehn spannende Jahre mit ihm freuen. Hau rein, gib Gas - und alles Gute!

Quelle: n-tv.de

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