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Endlich geschafft: London gehört zum Deutschen Reich.
Endlich geschafft: London gehört zum Deutschen Reich.(Foto: Ascot Elite)

Braveheart, Churchill und die Wehrmacht-Barbies: Hitlers verrückter Plan: "Nazi Invasion"

von Thomas Badtke

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelingt Hitler doch noch der große Coup: Mit Hilfe eines Tunnels unter dem Ärmelkanal buddelt sich die Wehrmacht bis nach London durch, direkt nach Whitehall. Churchill ist von den Socken, die englische Armee versagt. Nun liegt die Zukunft der freien Welt in den hölzernen Händen eines Bauernjungen.

Es ist alles vorbereitet, damit das Großdeutsche Reich bis nach England erweitert werden kann. Die klugen Köpfe des Dritten Reichs haben einen perfiden Plan geschmiedet, um die Insel heim ins Reich zu holen. Streng geheim natürlich. Der Plan klingt verrückt, aber er funktioniert - besser als erwartet sogar.

Churchill, wie man ihn kennt, immer mit Zigarre im Mund.
Churchill, wie man ihn kennt, immer mit Zigarre im Mund.(Foto: Ascot Elite)

Mit Hilfe eines Tunnels buddeln sich die Nazis mit schwerem Gerät unter dem Ärmelkanal hindurch bis zum Inselfestland, ja noch weiter, bis nach London, direkt nach Whitehall. Dort geht die Londoner Bevölkerung ihrem Tagwerk nach: ein Zeitungsjunge verkauft die neuesten Schlagzeilen, ein polnischer Arbeiter bringt das Telegrafennetz auf Vordermann und Churchill schmaucht genüsslich seine Zigarren. Klar weiß er über Hitlers Plan Bescheid. Aber ernst nehmen? Hey, das sind Nazis und keine Maulwürfe.

"Hello, Heil Hitler!"

Die Nazis kommen nicht. Sie sind schon da.
Die Nazis kommen nicht. Sie sind schon da.(Foto: Ascot Elite)

Aber plötzlich erbebt das Londoner Straßenpflaster. Alle schauen sich verdutzt an. Ein Röhren ertönt. Ein Knirschen. Und dann tut sich tatsächlich die Erde auf. Und Bingo: Die Nazis sind da. In all ihrer braunen Pracht. Abgesehen haben sie es auf Downing Street No. 10, auf Premier Winston Churchill höchstpersönlich. Als sie das falsche Haus mit ihren Panzern unter Beschuss nehmen, mokiert sich - typisch britisch - ein Bewohner des Gebäudes und weist den Nazis den richtigen Weg.

Lediglich die indische Leibgarde Churchills ist von der britischen Armee noch übrig und die Turban statt Stahlhelm tragenden Soldaten tun ihr Bestes, um Churchill zu schützen. Aber eine wirkliche Chance haben sie nicht. Doch da rauscht ein alter mit Dampf angetriebener Traktor heran und plötzlich wendet sich das Blatt: Auf dem Gefährt sitzt Chris, ein Jungbauer mit untypisch großen Händen, denen er die Nichtzulassung zum Militärdienst zu verdanken hat. Dazu gesellt sich noch ein äußerst trinkfreudiger Pfarrer und dessen Tochter, die ein Auge auf Chris geworden hat. Ein gestrandetes US-amerikanisches Fliegerass und ein Franzose, der - ganz klischeegerecht - vor allem bei den Frauen auf der Insel gut ankommt und deshalb auch alles pimpert, was ihm über den Weg läuft, runden den skurrilen Rettungstrupp ab. Und der schafft es tatsächlich, Churchill vor den Nazis zu retten und mit ihm zu flüchten.

Ein Heiland aus dem Highland

Der Weg der Gruppe führt sie bis zum Hadrians Wall, vorbei an den Überresten der letzten Legion. Aber allein können sie die Nazis nicht von ihrer Insel vertreiben. Hilfe muss her und so wird Chris in den Norden geschickt. In den finsteren Norden, wo sich kein Engländer freiwillig hin traut, denn dort leben nur Barbaren. Horden von Wilden. Menschenfresser sollen sie sein. Schotten eben.

Auf den Schultern von Jungbauer Chris ruht die Hoffnung der gesamten Menschheit.
Auf den Schultern von Jungbauer Chris ruht die Hoffnung der gesamten Menschheit.(Foto: Ascot Elite)

Chris macht sich auf den Weg - es dauert nicht lange, und er wird fündig, oder besser: Er wird gefunden. Gefesselt landet er beim Anführer des Highlander-Trupps. Sein Name: Braveheart.

Jawohl, "Freeeiiiheeeiiit-Braveheart" höchstpersönlich. Zum Erstaunen aller hat auch der riesige Hände. Kurzerhand wird Chris zum Schotten erklärt und die Rettungsaktion ist in Sack und Tüten. Gemeinsam geht's in Richtung Hadrians Wall, um die dort mittlerweile eingetroffenen Nazis und ihre Geheimwaffen - die Nazi Hotties, zwei blonde Killerlesben, Sirenen gleich - zu bekämpfen und die Nazi-Bagage von der Insel und aus dem Buckingham-Palast zu vertreiben. Dort hat es sich vor allem der Führer höchstpersönlich und in den Kleidern der Queen bequem gemacht. Aber Braveheart hat eigene Pläne …

Zwei Schotten lassen die Puppen tanzen

Das ist kein explodierter Pudel, das ist eine Nazi-Bonze.
Das ist kein explodierter Pudel, das ist eine Nazi-Bonze.(Foto: Ascot Elite)

Die Story klingt so verrückt, sie muss von der Insel kommen. Und sie tut es. "Nazi Invasion" geht auf das Konto zweier Schotten, der beiden Brüder Edward und Rory McHenry. Das besondere neben der skurrilen Story sind die Hauptdarsteller. Sie sind aus Holz. Marionetten. Wer jetzt aber an die Augsburger Puppenkiste denkt, sollte die schnell wieder zumachen. Eher schon lässt sich der Film mit dem 2005 erschienenen "Team America" vergleichen.

"Nazi Invasion - Team Europe" ist bei Ascot Elite als DVD und Blu-ray erschienen.
"Nazi Invasion - Team Europe" ist bei Ascot Elite als DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Aber "Nazi Invasion" schlägt den US-Film. Zugegeben nicht in der extrem zeitaufwendigen Stop-Motion-Technik, dafür aber vor allem bei den Dialogen. Ein Brite, auch wenn er Schotte ist, kann eben nicht aus seiner Haut. Der Humor ist tiefschwarz, wie die Uniformen von Himmler, Hess und Goebbels. Klischees über die Krauts werden bis ins Letzte gepflegt. Es gibt Sprachfehler, homosexuelle Anspielungen in den höchsten deutschen Nazi-Kreisen, Hitler läuft im Kleid der Königin herum. Aber auch die Amerikaner und Franzosen bekommen ihr Fett weg.

Die satirische Überspitzung der Puppencharaktere ist absolut gelungen: Die Nazi Hotties könnten auch Fetish-Barbies sein. Die Panzer, Flugzeuge und der nicht zu vergessende Nazi-Zeppelin sind detailgetreue Modelle. Die Feuergefechte und das Schlachtgetümmel (der Film ist FSK 18!) sind hervorragend choreografiert und in Szene gesetzt. Wer früher Schlachten mit Spielzeugsoldaten nachgestellt hat, dürfte seine helle Freude an dem Film haben. Zudem das Zusatzmaterial auf der bei Ascot Elite erschienen DVD und Blu-ray umfangreich ist und über die typischen Interviews hinausgeht.

Im englischen Original leihen zudem Stars wie Ewan McGregor ("Trainspotting", "Perfect Sense") oder Alan Cumming ("James Bond-Goldeneye", "X-Men 2") den Figuren ihre Stimmen. Aber auch die deutsche Synchronisation kann sich hören lassen. Wenn man sich an die anfangs arg ruckeligen Bewegungen der Puppen gewöhnt hat und das Bühnenbild, ja das ganze Szenario auf sich wirken lässt, kommt man nicht umhin, den Film als äußerst gelungen zu bezeichnen. Ein Film, den eben nur Briten machen können. Das wusste wohl auch Hitler, oder warum sonst lässt man einen Tunnel bis nach London graben?

 

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Quelle: n-tv.de

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