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Depeche Mode, aufgenommen von ihrem langjährigen Wegbegleiter Anton Corbijn.
Depeche Mode, aufgenommen von ihrem langjährigen Wegbegleiter Anton Corbijn.

Willkommen in meiner Welt: Im Himmel mit Depeche Mode

Von Sabine Oelmann

Endlich. Freunde und Fans haben gewartet. Und gewartet. Ihre Geduld wurde nun belohnt. Das Album "Delta Machine" wird niemanden enttäuschen und muss diejenigen trösten, die keine Karten mehr für die Konzert-Tour im Sommer bekommen haben.

Päckchen aufmachen, anziehen und wohlfühlen - das klappt mit Klamotten oder Schuhen, das klappt aber auch mit Musik. Beim neuen Album von Depeche Mode ist es so. "Delta Machine" ist zwar neu und heiß erwartet, hat einiges Unbekanntes, aber trotzdem ist es ein bisschen wie "coming home". Die Songs kommen einem angenehm vertraut vor. Sie passen. Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher haben uns wieder nicht enttäuscht.

Süß und inbrünstig

Anfang 50 - kann man altersloser sein als Depeche Mode?
Anfang 50 - kann man altersloser sein als Depeche Mode?

"Ich hatte großen Respekt davor, dieses Album zu schreiben, denn ich wollte, dass die Songs sehr modern klingen", erklärte Martin Gore dann zur Veröffentlichung. "Ich möchte, dass sich die Menschen beim Hören gut fühlen und eine Art Frieden finden. Es hat etwas sehr Magisches." Und das funktioniert tatsächlich. Vor allem die erste Auskopplung "Heaven" ist schlau gewählt: Es knarzt, es rockt, es dröhnt, es ist langsam und doch so rhythmisch und Dave Gahan singt klar und fast süß drüber hinweg. Und auch die Texte sind wieder Hymnen, die Wort für Wort inbrünstig mitgesungen werden können.

Überhaupt, Dave Gahan - dieser Mann grenzt fast an ein Wunder: Seit über drei Jahrzehnten leiht er der Band sein Gesicht, seinen Körper, seinen Geist, seine Stimme - seine Geschichten. Er ist dem Tod schon mehrfach von der Schippe gesprungen, weder Krebs noch Drogen haben ihn niedergerungen, er ist immer noch dieser schöne Entrückte, der komische Bewegungen macht, der seinen schmalen Körper mit Tattoos vollgepflastert hat, als würde er sich verstecken wollen dahinter.

I'll penetrate your soul!

Anfang 50 sind die drei - natürlich erfinden sie da sich, die Musik oder den Synthie-Pop nicht neu. Das wäre aber auch zu schade. Denn wir wollen ins Stadion und mehr von dem, was wir seit Jahrzehnten mitgrölen. "Did I Disappoint You?" fragt Gahan in "Secret to The End". "Nein! Denn mit den wummernden Anfangsakkorden von "Welcome To My World" verspricht er uns bereits: "Step right through the door/ leave your tranquillizers at home/ you don't need them anymore (...) and if you stay a while/ I'll penetrate your soul ..." Wir hören das Stadion kreischen!!! Endgültig die Arme in die Luft reißen wir, geben uns hin, wenn Gahan, dieser Fürst der Finsternis, uns sein "Angel" entgegenschmettert. Wir folgen ihm, jaaaa!

Man könnte sich nun ewig darüber auslassen und analysieren, ob es gut oder schlecht ist, was die drei da machen, ob sie sich selbst überholt haben, sich wiederholen gar, ob sie noch was zu sagen haben ... es ist egal! Dave Gahan findet: "Mit dieser Veröffentlichung haben wir unsere Vorstellungen, wie man ein Album macht, völlig auf den Kopf gestellt. Wenn wir an einem Punkt nicht weiterkamen, weil wir den Eindruck hatten, dass es anfängt, zu normal zu klingen, dann warfen wir alles über den Haufen und gaben dem Ganzen diesen organischen Depeche Mode-Sound." Und den wollen die Leute nach wie vor hören.

Dem ist also nichts hinzuzufügen: Dieses Album ist gut. Nur herzlose Menschen werden daran rumnörgeln.

Quelle: n-tv.de

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