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Lichtgestalt des Berliner Nachtlebens und Deutschlands letzter Playboy: Rolf Eden.
Lichtgestalt des Berliner Nachtlebens und Deutschlands letzter Playboy: Rolf Eden.

Dokumentarfilm über Playboy Rolf Eden: "Immer alles ganz fantastisch"

Rolf Eden kommt ein paar Minuten nach dem Interviewer in sein Büro in der Wilmersdorfer Straße, entschuldigt sich höflich, verweist auf den dichten Verkehr. An den Wänden hängen hunderte Zeitungsausschnitte, Bilder und Plakate, die alle eines zum Inhalt haben: Rolf Eden, den Geschäftsmann, den Frauenheld, den Nachtklubbesitzer, den Millionär, "Deutschlands letzten Playboy", den "Peinlichsten Berliner", den Mann, über den jetzt ein hübscher Dokumentarfilm in die Kinos kommt: "The Big Eden".

Rolf Eden (M.), Brigitte und Regisseur Peter Dörfler bei der Premiere von "The Big Eden" bei der Berlinale 2011.
Rolf Eden (M.), Brigitte und Regisseur Peter Dörfler bei der Premiere von "The Big Eden" bei der Berlinale 2011.(Foto: picture alliance / dpa)

n-tv.de: Herr Eden, wie geht's Ihnen?

Rolf Eden: Mir geht's ganz fantastisch, bombastisch, einmalig. Es geht mir sehr gut. So wie immer. So nett ist die ganze Menschheit zu mir.

Auch der Regisseur Peter Dörfler?

Auch Edens einzige Tochter Irit Dolev (l.), die in Israel lebt, kam nach Berlin.
Auch Edens einzige Tochter Irit Dolev (l.), die in Israel lebt, kam nach Berlin.(Foto: picture alliance / dpa)

Na, der sowieso! Das ist wirklich ein guter Regisseur. Und wir waren ja zu den Filmfestspielen, da haben wir fast den ersten Preis gekriegt für diesen Film - und jetzt am 8. Dezember kommt der in die Kinos - im Cinema Paris auf dem Kurfürstendamm.

Wie finden Sie denn den Film?

Wunderbar! Ich war so begeistert. Es ist ja nur ein Dokumentarfilm. Aber! Da wurden 30, 40 Leute interviewt, die mich kennen, und die im Laufe meines Lebens mich kannten und so was alles. Zu den Filmfestspielen wurde er ja offiziell gezeigt und die Leute sind mittendrin aufgestanden und haben geschrien und geklatscht und jetzt waren wir in Wien, wieder Filmfestspiele und da war das genauso. Die Leute waren fantastisch. Und in Cannes auch.

In Cannes auch?

Da nicht. Das ist nur meine Fantasie. (lacht) Aber man weiß ja nie, ob die ihn nicht noch nehmen ...

Night Fever auf dem Kudamm: Eden in den 70ern.
Night Fever auf dem Kudamm: Eden in den 70ern.

Sie sagen in dem Film, Sie seien Exhibitionist ...

Das bin ich!!

Ist denn Ihr Exhibitionismus durch den Film nochmal besonders befriedigt worden?

Na, auf alle Fälle. Klar, nicht? Da sind so viele Facetten von meiner Person und die ganzen Verwandten, Kinder und Frauen, von der Vergangenheit und jetzt auch, reiner Exhibitionismus.

Es wurden ja viele Szenen in den Film eingebaut, die Sie vor Jahren selbst gedreht haben.

Ja! Das war ein Hobby von mir, Schmalfilme zu drehen. 8 Millimeter, schwarzweiß, Rolling Stones und alles, was mir in meinem Leben so passiert ist, in meinen Urlauben oder vor allem die Damen von mir, die haben ja auch alle immer viel gedreht und das hat jetzt für den Film sehr viel geholfen.

Im Pool mit Rolf Eden.
Im Pool mit Rolf Eden.

Peter Dörfler hat ja vorher schon zwei andere Dokumentarfilme gemacht ("Die Panzerknacker" und "Achterbahn"), da mussten die Protagonisten beide ins Gefängnis. Müssen wir uns Sorgen um Sie machen?

Nein, nein! (Lacht) Ich hatte noch nie Ärger gehabt mit der Behörde oder mit irgendwelchen Leuten oder was anderes. Noch nie! Nur immer wunderschön alles glatt gegangen.

Im Nachtleben, da gibt es doch Halbwelt, Unterwelt, Schutzgeld ...

Das gibt's alles, aber bei mir nicht. Das war alles immer ganz fantastisch. Keiner wollte was von Rolf Eden. Auch kein Schutzgeld, nein, überhaupt nicht. War alles gut.

Anfangs war das Mobiliar noch eher einfach, doch das tat offenbar der Stimmung keinen Abbruch.
Anfangs war das Mobiliar noch eher einfach, doch das tat offenbar der Stimmung keinen Abbruch.

Haben sich da die Zeiten geändert?

Weiß ich nicht, aber zu meiner Zeit hatte ich nie was gehabt.

Schwer zu glauben ...

Aber ist so, ist so. Ich hatte ja sechs Betriebe am Kurfürstendamm, und nie was Ärger gehabt. Vor allen Dingen auch nicht mit der Steuer oder mit der Behörde. Alles immer wunderbar gelaufen.

Sagen Sie: Das ist Glück?

Bilderserie

Ja, ist Glück, aber auch Können, natürlich. Und die richtigen Beziehungen musst du haben und alles. Nee, nee, das ist immer alles ganz fantastisch gelaufen und es läuft immer noch so gut weiter. Ich habe jetzt keine Betriebe mehr, ich bin ja jetzt in 'ner anderen Branche, ich bin ja jetzt in der Immobilienbranche. Ich hab' alle meine Klubs verkauft im Laufe der Zeit und hab' dafür dann Immobilien gekauft.

Sechs Klubs waren das.

Jaja! Old Eden, New Eden, Big Eden, Eden Playboy ... (überlegt)

Schlüsselloch?

Ja, Schlüsselloch, er weiß alles! - Und Eden Quick Automatenbuffet. Das war so wie in New York, das war ein Riesen-Geschäft, unten am Kurfürstendamm, an der Joachimsthaler Straße. Und daneben hab' ich viele Filme gedreht, damals schon, viele CDs gemacht, die sind jetzt alle auf einer CD drauf, 30 Titel. (Singt:) Geld ist nicht wichtig, aber schön muss sie sein ... Wunderbare Lieder! Und dann mach' ich die ganze Zeit Talkshows. Ich war bei allen. Ich war bei der Maischberger. Ich war bei ... (überlegt) Die wollen mich immer alle haben - weil ich immer so viel Quatsch erzähle (lacht).

"Eden lockt jeden"?

Edens Eltern emigrierten 1933 nach Palästina. Dort schlug sich der Junge als Musikant durch...
Edens Eltern emigrierten 1933 nach Palästina. Dort schlug sich der Junge als Musikant durch...

Hey, das kennt er noch! Sehr gut.

Einige Dinge haben wir durch den Film ja noch dazugelernt. Über Ihre Zeit in Palästina wollten Sie lange Zeit nicht sprechen. (Eden war 1933 mit seinen Eltern emigriert und hatte in einer Militäreinheit für einen Staat Israel gekämpft, Anm. d. Red.)

Doch! Hat mich nur keiner danach gefragt. Ist nie aufgekommen. Ist ja kein Geheimnis.

Und war zur Berlinale dann die große Neuigkeit.

Ja, das schon. Hatte aber vorher hier nie jemand danach gefragt. Aber das war auch eine schöne Zeit für mich. Obwohl es Krieg war, natürlich. Dort, in Israel, haben die die ganze Zeit über mich geschrieben. Da kamen Journalisten her, oder Wochenschau oder Fernsehen von Israel ... Ich hab' nix verschwiegen. Das hat sich nur so ergeben.

In dieser Zeit ist auch Ihr erstes Kind zur Welt gekommen.

...kämpfte aber auch mit der Waffe in der Hand für einen Staat Israel - und zeugte das erste von sieben Kindern.
...kämpfte aber auch mit der Waffe in der Hand für einen Staat Israel - und zeugte das erste von sieben Kindern.

Ja! Ist heute 62. Und jetzt hab' ich sieben Nachfolger, eine Tochter und sechs Söhne.

Aber in Ihrem Amt als Playboy der Nation haben Sie keinen Nachfolger. Oder sehen Sie jemanden, der in Ihre Fußstapfen treten könnte?

Nein. Es gab zwar noch Gunter Sachs. Aber der ist tot. Und der war ja 30 Jahre kein Playboy mehr, weil er verheiratet war. Ein verheirateter Mann kann kein Playboy sein.

Beinahe hätten Sie aber auch geheiratet, kürzlich. Ihre langjährige Freundin Brigitte.

Das stimmt, ich wollte sie heiraten. Aber sie hat es sich eine Woche vorher anders überlegt. Mit einem Filou wie Rolf Eden wollte sie dann doch nicht verheiratet sein. Aber wir leben zusammen. Süße Frau. Was ganz besonderes. Meine ganz große Liebe.

Was braucht man eigentlich zum Playboy? Ein Gen kann es nicht sein, sonst hätte es ja einer Ihrer Söhne bekommen, oder?

Na, das ist Talent. Wie alles andere. Und Schicksal. Das hat mich so weit gebracht. Nicht nur in der Öffentlichkeit. Vor allem in der Damenwelt. Viele wollten Playboy Eden kennenlernen. Auch große Stars. Ich hatte ja viele Freundinnen, die natürlich jeden hätten kriegen können. Aber sie haben mich genommen. Sehr gute, kluge Frauen! (lacht)

Der Film dreht sich um Ihr Leben. Und Ihr Leben dreht sich um Musik, Frauen und Geld.

Ja! Und um das schöne Leben natürlich.

Eden mit Dauerfreundin Brigitte.
Eden mit Dauerfreundin Brigitte.

Auf was hätten Sie denn am ehesten verzichten können?

Verzichten? Auf nichts, natürlich. Ich bin ja heute schon 81 und verzichte immer noch nicht auf die Frauen. Und aufs Geld kann man nicht verzichten. Man hat's oder man hat's nicht. Was soll man machen. Musik spiele ich auch noch sehr oft. Erst gestern habe ich wieder 'ne halbe Stunde gesungen, ein schönes Potpourri in der "Kleinen Weltlaterne". Und nächste Woche bin ich wieder da. Schöne Stimmungslieder! (singt:) "Geld ist nicht wichtig aber schön muss sie sein" ... (Gibt weitere Kostproben aus seinem Repertoire:) "You are my sunshine, my only sunshine", "My Baby Baby Balla Balla"m, "My Body lies over the Ocean", diese ganzen alten Sachen, schöne Schlager. Das Publikum in der "Kleinen Weltlaterne" oder auch in der "Eierschale", das sind schon etwas Ältere. Über 50. Die singen und klatschen immer die ganze Zeit mit. Die sind so fantastisch happy, das macht viel Spaß.

Und das hält Sie jung!?

Alles hält mich jung. Vor allem aber die Damen. Das ist so wichtig für jeden Mann - in jedem Alter, aber vor allem in meinem Alter, so ab 70 - dass er viel Sex hat. Das geht in alle Innereien. Und dadurch lebt er immer wieder auf. Das kann ich jedem nur empfehlen: nicht aufhören. Auch wenn er verheiratet ist und mit seiner Alten nicht mehr will. Soll er sich 'ne Neue nehmen oder in den Puff gehen, Hauptsache er hat seinen Spaß. Sex-Sport nenne ich das immer.

Wer schön sein will muss manchmal leiden: Eden bei Star-Friseur Udo Walz.
Wer schön sein will muss manchmal leiden: Eden bei Star-Friseur Udo Walz.

Sie haben im Film aber gesagt, Sie zahlen nie für Sex.

Bei Nutten ist es was anderes. Das ist doch ihr Job, die armen Mädels. Aber sonst zahle ich nicht. Bei einem normalen Mädel würde ich nie hingehen und sagen "Wie viel Geld willst du haben" oder "Ich geb dir das und das". Aber im Puff ist ja logisch. Das ist so eine gute Erfindung für uns Männer. Gehst rein, zahlst dein' Hunderter und kannst machen, was du willst. Im "Caligula" zum Beispiel. Kennen Sie das?

Vom Hörensagen ...

Gehen Sie mal hin! Ist sehr interessant! Da sitzen zehn, fünfzehn Mädchen, alle mit den Beinen breit und du kannst so oft Liebe machen, wie du willst, oder wie du kannst. Das ist wunderbar. Und es gibt so viele Puffs in Berlin. Wir sind so begnadet hier mit Puffs. Das ist wunderbar.

Und wo kommen die Damen her?

Die Nutten? Das weiß ich nicht. Ich rede ja mit denen nicht. Woher die kommen, interessiert mich nicht. Hauptsache, sie sind frisch und jung. Die dürfen nie über 25 sein. Die will ich nicht mehr. Sollen andere nehmen.

Im Film wird bei dem Thema irgendwann auch gesagt: "Lass das nicht Alice Schwarzer hören." Aber draußen an der Wand hängt ja sogar ein Brief an Sie von Alice Schwarzer ...

Ja, die Alice hat mich sehr verehrt, verehrt mich immer noch. Die ruft mich manchmal an, wie geht's dir und so. Einmal hat sie mich auch angesprochen, auf einem Ball und hat gesagt: "Eden, ich wollte immer schon mal mit dir tanzen". Nein, die ist eine unwahrscheinlich offene Frau, eine sehr kluge Frau. Auf alle Fälle: Es tut mir leid, was die anderen denken oder nicht denken, das ist nicht mein Problem. Ich muss das machen, was ich für meine Räson am besten finde und denke. Und das mache ich auch. Mein ganzes Leben schon. Solange die Mädels nett über mich denken und ins Bett kommen, ist alles gut.

Quelle: n-tv.de

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