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Josh versucht seine Frau Renai zu beruhigen - umsonst.
Josh versucht seine Frau Renai zu beruhigen - umsonst.(Foto: Universal Pictures)

Neues Haus, neues Glück?: "Insidious": Das Unheimliche ist überall

von Thomas Badtke

Das Wohl der Familie liegt jedem Vater am Herzen. Was aber, wenn der Sohn plötzlich in einen komaähnlichen Zustand fällt und die Ärzte keinen Rat mehr wissen? Was, wenn der Grund dafür in der Parapsychologie zu finden ist? Wie weit würdest du gehen, um deinen Sohn und deine Familie zu retten?

Josh Lambert (Patrick Wilson; "Hard Candy", "Watchmen") hat alles: einen Beruf, den er liebt, eine Frau, die er vergöttert und zwei kleine Kinder. Dazu noch ein schönes neues Haus. Alles scheint perfekt. Aber der Schein trügt: Über Nacht fallen plötzlich Bücher aus dem Regal, Umzugskartons verschwinden spurlos, und über das Babyfon sind unheimliche Stimmen zu hören. Der Lehrer denkt sich anfangs nichts dabei. Seine Frau Renai (Rose Byrne, "Sunshine", "Brautalarm") macht sich da schon mehr Gedanken: Sie sieht Schatten, wo keine sein dürften. Sie sieht Türen, die sich wie von Geisterhand bewegt öffnen. Sie hört Schritte auf dem Dielenboden, obwohl keiner außer ihr und den schlafenden Kindern im Haus ist. Josh versucht sie zu beruhigen.

Josh und seine Frau Renai haben sich das Leben im neuen Haus anders vorgestellt.
Josh und seine Frau Renai haben sich das Leben im neuen Haus anders vorgestellt.(Foto: Univerdal Pictures)

Doch eines Nachts geht ihr Sohn Dalton (Ty Simpkins, "Krieg der Welten") unbemerkt auf den Dachboden. Es ist dunkel. Er leuchtet mit einer Taschenlampe, sieht etwas von der Decke hängen und holt die Leiter, steigt hinauf. Plötzlich stürzt er zu Boden, schlägt sich den Kopf an und schreit vor Schmerz auf. Seine Eltern, wild vor Sorge, rennen auf den Dachboden - aber Dalton geht es gut. Ein paar kleine Kratzer. Das war’s. Sie bringen ihn ins Bett und gehen schlafen. Als Josh ihn am nächsten Morgen wecken will, rührt sich Dalton nicht mehr. Völlig reglos liegt er da, wie tot.

Subtiler Grusel

Im Krankenhaus erfahren die Lamberts, dass Dalton sich in einem "komaähnlichen Zustand" befindet. Den Grund dafür kennen die Ärzte nicht. Mehrere Monate später, die Lamberts sind umgezogen, hat sich noch immer nichts an Daltons Zustand geändert. Nur die unheimlichen Phänomene sind geblieben. Sie scheinen sich sogar noch verstärkt zu haben: Eines Abends klopft es an der Haustür. Aber als Josh nachsieht, ist keiner da. Er schließt ab, schaltet die Alarmanlage ein und legt sich wieder ins Bett. Kurz darauf ein schrilles Kreischen - die Alarmanlage. Josh rennt zur Tür, sieht den Absperrriegel aufgebrochen, die Tür geöffnet - wie von Geisterhand. Plötzlich schreit Renai. Sie hat eine schwarze Gestalt gesehen. Als Josh ins Zimmer stürmt, ist niemand da. Nichts deutet auf einen Eindringling hin.

Reiner (r.) und einer ihrer Nerds: Sie haben etwas gesehen.
Reiner (r.) und einer ihrer Nerds: Sie haben etwas gesehen.(Foto: Universal Pictures)

Diese Vorfälle häufen sich und Renai verliert langsam die Nerven. Sie spricht mit Joshs Mutter darüber und kurze Zeit darauf steht Elise Reiner (Lin Shaye; "Running Man", "Verrückt nach Mary") im Wohnzimmer, eine alte Freundin von Joshs Mutter, an die er sich aber beim besten Willen nicht erinnern kann. Sie ist Expertin auf dem Gebiet paranormaler Phänomene, ein Medium sozusagen. Sie merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Aber es ist nicht das Haus …

Geisterhaus trifft Exorzist

Renai verliert langsam, aber sicher die Nerven.
Renai verliert langsam, aber sicher die Nerven.(Foto: Univerdal Pictures)

Neues Haus, neues Glück: So beginnen viele Haunted-House-Filme. Spukhäuser sind ein ebenso häufig genommenes wie oft strapaziertes Thema für Horrorfilme. Anfangs scheint sich auch James Wans ("Saw") Film "Insidious" darum zu drehen. Doch nach und nach verändert sich die düstere Stimmung: Statt des Hauses und "Poltergeistern" rücken Sohn Dalton und unheimliche Dämonen in den Vordergrund, die wie in "Der Exorzist" Besitz von dem Jungen ergreifen wollen. Der verfügt nämlich über die Gabe der Astralprojektion. Sein Geist kann den Körper verlassen und auf Reisen in "unbekannte Welten" gehen. Dumm nur, wenn er sich da verläuft und nun Dämonen versuchen, sich seiner sterblichen Hülle zu bemächtigen. Das Problem dabei: Je länger Daltons Geist aus seinem Körper verschwunden ist, desto mehr und stärkere Dämonen wollen seinen Körper.

Grusel braucht kein Blut

Regisseur James Wan (r.) haucht dem "Geisterfilm"-Genre neues Leben ein.
Regisseur James Wan (r.) haucht dem "Geisterfilm"-Genre neues Leben ein.(Foto: Universal Pictures)

"Insidious" fußt also gewissermaßen auf zwei klassischen Horrorsträngen und Wan spielt mit dieser psychologischen Doppelbödigkeit sehr gekonnt. Am Beginn des Films fährt die Kamera durchs ganze Haus, zeigt jede dunkle Ecke, jeden zwielichtigen Schatten. Später rückt dann die Dämonenjagd in den Fokus. "Ghostbusters" lässt grüßen, fährt die Geisterjägerin Reiner zwei echte Nerds auf, die noch mehr technisches Gerät dabei haben - fast alle Marke Eigenbau. Der Film nimmt sich dadurch selbst zeitweise nicht ganz ernst.

Dabei ist "Insidious" ein klassischer Horrorfilm. Er erinnert zwar in der Machart an die Streifen aus den guten 1980er Jahren. Dennoch wirkt er hochmodern. Als Reiner dann noch beichtet, dass sie bereits Josh als kleinen Jungen ebenfalls auf einer Reise in die astralen Welten vor Dämonen gerettet hat, muss Josh sich an seine Kindheit erinnern. Etwas, das er bisher erfolgreich verdrängt hat. Es kommt zum entscheidenden letzten Kampf - und einem überraschenden Ende.

"Insidious" ist bei Universal Pictures erschienen.
"Insidious" ist bei Universal Pictures erschienen.(Foto: Universal Pictures)

Wan kann stolz auf sein Werk "Insidious" sein. Der Film ist eine moderne Hommage an Horrorfilme wie "Amityville Horror", "Poltergeist" und "Hellraiser". Die Schockelemente sind wohldosiert und raffiniert platziert. Die Darsteller, allen voran Lin Payne und Rose Byrne, spielen absolut überzeugend. Und auf Blutvergießen verzichtet Wan vollkommen - ganz im Gegensatz zu seinem filmischen Durchbruchswerk "Saw" - und das macht den Film zu einer willkommenen Ausnahme im sonst so blutrünstigen Genre-Allerlei.

 

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Quelle: n-tv.de

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