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Mildred (2.v.r.) und Richard Loving (r.) mussten vor dem Obersten Gerichtshof der USA für ihre Liebe kämpfen.
Mildred (2.v.r.) und Richard Loving (r.) mussten vor dem Obersten Gerichtshof der USA für ihre Liebe kämpfen.(Foto: Universal Pictures)
Mittwoch, 14. Juni 2017

"Loving": Liebe vor Gericht: Kann die Ehe ein Verbrechen sein?

Von Anna Meinecke

Weißer Mann heiratet schwarze Frau. Was sich für die beiden richtig anfühlt, verstößt im Virginia der 1950er-Jahre gegen geltendes Recht. Der Film "Loving" erzählt, wie aus einer einfachen Liebe ein wegweisender Rechtsstreit für die USA wird.

Loving bedeutet auf Deutsch liebevoll, doch in den USA steht der Name noch für viel mehr. Der Fall "Loving vs. Virginia" markiert einen Meilenstein für die Bürgerrechtsbewegung. 1967 erklärte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten alle Gesetze des Landes für ungültig, die bis dahin eine Ehe zwischen Weißen und Nicht-Weißen verboten hatten. Regisseur Jeff Nichols bringt die Geschichte nun auf die Leinwand.

"Loving" erzählt von Mildred und Richard Loving, dem Paar, dessen Liebe der US-Bundesstaat Virigina nicht gelten lassen wollte. Dem Zuschauer begegnen die beiden als eingespieltes Team. Es sind die späten 1950er-Jahre, vertraute Blicke verraten, dass es sich hier um eine Beziehung handelt, deren Aufrichtigkeit niemand mehr infrage stellt. Richard ist weiß, Mildred nicht. Der Zuschauer nimmt das zur Kenntnis.

Idealismus statt Spannungsbogen

Als Mildred schwanger wird, macht Richard ihr einen Antrag. Gemeinsam fahren sie in den benachbarten Bundesstaat Washington, wo - im Gegensatz zu ihrem Wohnort Virginia - Weiße und Nicht-Weiße heiraten können. Ganz ruhig erzählt der Film all das. Die Ruhe passt zu der Selbstverständlichkeit, mit der Richard Mildred liebt. Seine Gefühle sind rein und so nimmt man ihm das Entsetzen ab, als ihm eines Nachts Polizisten die Frau aus dem Bett reißen.

Hier könnte "Loving" langsam Fahrt aufnehmen, aber der Film weigert sich. Regisseur Nichols lässt Mildred und Richard aus traurigen Augen gucken, lässt sie nur leise Tränen weinen. Wenn sich die Lovings im richtigen Moment zur Aktion entscheiden - als sie sich an die Amerikanische Bürgerrechtsunion wenden - dann stilisiert der Film seine Akteure nicht zu Helden, sondern porträtiert sie einfach als zwei, die das Recht auf ihrer Seite haben. Der Spannungsbogen muss zugunsten von politischem Idealismus auf den lauten Triumph verzichten.

Eine gewöhnliche Liebe

Die Geschichte hinter "Loving vs. Virginia" ist eine, die es verdient hat, gesehen zu werden. Nichols setzt bei seinen Hauptdarstellern Joel Edgerton und Ruth Negga, die in der Rolle für einen Oscar nominiert ist, auf simples Spiel. Ihre zarten Performances unterstreichen, wie schützenswert ihre simplen Interessen sind: ein Ehepaar sein dürfen, zu Hause leben.

"Loving" findet Schönheit in der Ruhe. Das ist alles in allem sehr poetisch, vielleicht sogar realistisch. Solange die Inszenierung die Gewöhnlichkeit der Liebe der Lovings unterstreicht, attestiert sie ihr repräsentativen Charakter. Aber all das macht den Film auch sehr langatmig. Und so kommt man denn nicht umhin, zu überlegen, ob hier vor allem ein Lehrstück besucht werden soll.

"Loving" startet am 15. Juni in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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