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Jackie tötet lieber auf die weiche Tour.
Jackie tötet lieber auf die weiche Tour.

Pitt riecht nicht nur gut: Killing Them Softly

Von Sabine Oelmann

Brad Pitt hat in letzter Zeit mehr Schlagzeilen als Typ in der zweiten Reihe gemacht: Er ist der Mann von Angelina, er ist der Vater von sechs Kindern, er macht Werbung für Chanel No. 5, und er sagt in so manchem Interview, er wolle, dass seine Frau stolz auf ihn ist. Da ist es schön, ihn mal wieder in einem Film zu sehen.

Zwei Blöde, ein Gedanke? Brad Pitt als Auftragskiller Jackie, Scott McNairy als Kleingangster Frankie.
Zwei Blöde, ein Gedanke? Brad Pitt als Auftragskiller Jackie, Scott McNairy als Kleingangster Frankie.

Leider ist der Film alles andere als schön. Wahrscheinlich wird hier das Gangstertum im niederen bis mittleren Dienst gezeigt, wie es wirklich ist. Keine Gangster-Romantik, keine schnieken Anzüge, keine eleganten Frauen, die mit Schmuck behangen werden, keine edlen Handlungsorte. Die Typen sind durchweg eklig, die Frauen Matratzen, die Summen eher lächerlich. Er wird ja dennoch hochgelobt, der Film: So lässig sei Brad Pitt noch nie gewesen, heißt es da zum Beispiel.  Als abgebrühter Auftragskiller Cogan strahle der Hollywood-Superstar Coolness in Reinform aus, finden einige Kritiker. So richtig schlau kommt aber auch Brad Pitt nicht rüber, wenn man mal ehrlich ist. Wenn man ganz ehrlich ist, passiert es sowieso eher selten, dass Brad Pitt so richtig schlau rüber kommt - aber bitte nicht falsch verstehen, wir reden hier nur über Filme, nicht über das wahre Leben des Million-Dollar-Mannes. Da wollen wir uns natürlich kein Urteil erlauben (wenngleich man fragen muss, was er sich dabei gedacht hat, diesen unglaublich lächerlichen Chanel-Spot zu drehen).

Vielleicht ist "Killing Them Softly" aber auch einfach kein Frauenfilm. Wenn man auf Dialoge steht, in denen alle zwei Sekunden die Wörter "ficken", "Fotze", "Arsch-Fotze", "du abgeficktes Schwein" und so weiter vorkommen, dann ist dies allerdings ein Super-Film, dann kommt man auf seine Kosten. Nichts gegen den einen oder anderen Kraftausdruck zur rechten Zeit, und wir wissen auch, dass "fuck" nur unzureichend immer wieder mit seiner deutschen Entsprechung übersetzt wird. Fuck, vielleicht hat der Film ja mehr Charme in der Originalversion.

Regisseur und Drehbuchautor Andrew Dominik, der Pitt zuletzt in "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" in Szene gesetzt hat, zieht bei seiner von vielen als  grandiose Verfilmung des vom Verleih als "Hardboiled-Krimi" bezeichneten Romans "Cogan's Trade" von Kultautor George V. Higgins Parallelen zur Finanzkrise des Jahres 2008. Der Präsidentschaftswahlkampf von August bis November spitzt sich dramatisch zu,  die Weltwirtschaft steuert an den Rand des Zusammenbruchs, im Hintergrund des Films sehen wir immer wieder Barack Obama im Fernsehen, wie er versucht, die Nation für sich zu gewinnen.

Jackie und Mickey mit Bier und Cocktail.
Jackie und Mickey mit Bier und Cocktail.(Foto: dpa)

Im Vordergrund sehen wir zwei absolut bekloppten Kleinkriminellen dabei zu, wie sie versuchen, ihr armseliges Leben mit bescheuerten Jobs ein bisschen lebenswerter zu machen, damit sie sich die nächsten Drogen besorgen können. Sabbernde, lallende Männer in schmutzigen Klamotten mit absolut nichts im Hirn - was daran Kult sein soll, erschließt sich sicher dem Kenner der Materie, anderen dürfte es etwas schwerer fallen.

Darum geht's: Den beiden Gangstern Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) gelingt es, ein illegales Pokerspiel zu überfallen, die Spieler um ihr Geld zu erleichtern und unerkannt zu entkommen. Der Plan ist, den Verdacht dabei auf den allseits beliebten Markie Trattman (schrecklich, Ray Liotta, wo ist nur der gute alte Goodfella hin?) zu lenken, der sich vor einigen Jahren ein unsauberes Ding geleistet hat und deswegen leicht unter Verdacht geraten sollte, auch diesen Coup eingefädelt zu haben.

Die Kartenspiele werden vom organisierten Verbrechen ausgerichtet, das eigentlich für die Sicherheit der Zocker geradestehen sollte. Solange die Diebe nicht geschnappt sind, müssen die Spiele ausgesetzt werden. Um schnell wieder Normalität einkehren zu lassen, wird nun Jackie Cogan (Brad Pitt) engagiert, ein Profikiller, der Beste seines Fachs. Die Bürokratie und Unentschlossenheit des Syndikats jedoch rauben ihm, der gerne "weich", also aus sicherer Entfernung tötet, den letzten Nerv. Als ihm ein einst todsicherer Kollege (James Gandolfini) an die Seite gestellt wird, beginnen seine Probleme erst, denn Mickey entpuppt sich als unzuverlässiger Säufer und geiler Bock, der ständig an seinen nächsten Schuss denkt, damit jedoch nicht den Schuss aus einer Waffe meint ...

Schlimm, Ray Liotta so zu sehen! Mit Maske: Scoot McNairy als Frankie.
Schlimm, Ray Liotta so zu sehen! Mit Maske: Scoot McNairy als Frankie.

Eigentlich jedoch ist die Handlung egal - Dominik geht es eher darum, die blutigen Auswirkungen eines Poker-Spiels zu zeigen, die verbalen Auseinandersetzungen und die Handlung, die im Off stattfindet. Ein absoluter Irrglaube ist es auch, dass perfekte Musik einen Film retten könnte. Der Soundtrack des Films ist nämlich ein Knaller. Aber auch Velvet Underground und Petula Clark können nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Killing Them Softly" ein Film über die Unterwelt sein KÖNNTE. Angekündigt wird der Streifen als "präzise Charakterstudie mit bestechenden Dialogen und pechschwarze Komödie über den wirtschaftlichen Niedergang einer einst stolzen Nation". Genau dies ist "Killing Them Softly" leider nicht.

Ist das also ein Männerfilm? Wenn es so ist, und Männer sich gerne so sehen, wie sie in dem Film dargestellt werden, dann ist eines zumindest gelungen: Frauen dürfen sich gruseln.

Kinostart: 29. November

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Quelle: n-tv.de

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