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Die drei Damen vom Grill - oder so: Freundinnen trotz größter Unterschiede.
Die drei Damen vom Grill - oder so: Freundinnen trotz größter Unterschiede.(Foto: dpa)
Freitag, 14. April 2017

Shirley McLaine als Kratzbürste : Kurz vor Toresschluss oder "Zu guter Letzt"

Von Sabine Oelmann

Dass Frauen Zicken sein können, ist bekannt. Ebenfalls, dass Frauen die besten Freundinnen sein können. Wie das zusammenpasst und wie das Leben kurz vor dem Tod nochmal so richtig Spaß macht, zeigen Shirley MacLaine und Amanda Seyfried.

Ist das eigentlich mutig von einer so alten Dame wie Shirley MacLaine, sich ganz nah filmen zu lassen? Mit allen Falten? Oder sollte das nicht normal sein? Egal, sie macht es. Und sie sieht gut aus dabei. Harriet Lauler, die von MacLaine verkörpert wird, würde das wahrscheinlich nicht zulassen, aber die überlässt ja auch nichts dem Zufall. Einst eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die gern den Gärtner und die Köchin schikaniert, hat sie jeden Aspekt ihres Ruhestands bis ins letzte Detail geplant. Warum sollte es mit ihrem Nachruf anders sein?

Braucht für ihre Zwecke eine Autorin und ein "Problemkind": Harriet Lauler.
Braucht für ihre Zwecke eine Autorin und ein "Problemkind": Harriet Lauler.(Foto: dpa)

Während sie durch ihr Haus wandert, alte Fotos betrachtet und drauf und dran ist, sich mit Rotwein und Tabletten aus dem Leben zu befördern, kommt ihr jedoch der Gedanke, dass es ganz schön wäre, etwas Nettes auf der Welt zu hinterlassen. Die junge Journalistin Anne (Amanda Seyfried) soll daher ihren Nachruf zu Harriets Lebzeiten verfassen - denn natürlich möchte Harriet auch hier Regie führen - stößt aber schon bald auf ein gravierendes Problem: Niemand, wirklich niemand, hat ein gutes Wort für Harriet übrig, selbst der Pfarrer hasst sie. Ihre Frauenärztin hält sie für "die wütendste Vagina jenseits von China", einer "Freundin" fällt als das Netteste ein: "Wenn sie tot wäre, das wäre wirklich nett", und ihre Friseurin vergleicht sie mit einer "menschlichen schwarzen Wolke".

Harriet startet beruflich nochmal durch und arbeitet beim Radio.
Harriet startet beruflich nochmal durch und arbeitet beim Radio.

So weit, so schlecht. Nur ihr Ex-Mann ist ihr in alter Verbundenheit noch zugetan und erklärt Anne, wie Harriet damals getickt hat: "Doppelt so gut, doppelt so clever und doppelt so energisch" musste sie sein, um das zu erreichen, was sie erreichen wollte. Und das war nun mal ganz einfach immer das Beste. Das erwartet sie auch von allen anderen, ihre beste Version. Nun also von Anne, die sich anfangs schwer mit ihr tut, aber gleichzeitig von der alten Lady fasziniert ist. Doch wie geht man mit jemandem um, die mit ihrer Kontrollsucht so ziemlich jeden vergrätzt hat, mit dem sie es je zu tun hatte? Und dabei ist die Kontrollsucht noch eine ihrer liebenswerteren Eigenschaften. Wie soll da ein schönes Porträt der zukünftig Verstorbenen entstehen?

"Besorgen Sie mir ein Problemkind!"

"Fuckbombe!"
"Fuckbombe!"

Die kratzbürstige alte Dame hatte jedoch eine Art Erleuchtung und will ihre Biografie noch einmal aktiv besser gestalten. Dazu muss sie sich unter anderem mit ihrer Tochter (Anne Heche) versöhnen, die sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Und auch mit dem Ex-Mann und den alten Kollegen soll es ein Wiedersehen geben. Und so unternehmen Harriet und Anne eine Reise, die alles verändern soll. Mit dabei: das Problemkind Brenda, das von Harriet Manieren und einen ganz anderen Blick auf die Zukunft beigebracht bekommt, und die ihr umgekehrt das Fluchen und das Lachen zeigt.

Es scheint also nie zu spät zu sein - Harriet startet sogar beruflich nochmal durch und arbeitet beim Radio. Judy Winters Stimme verleiht Shirley MacLaine in der deutschen Fassung die Glaubwürdigkeit, die es braucht, um Sätze wie: "Ich wünsche auf keinen Fall, in Ihrem Flur missbraucht zu werden", witzig und nicht peinlich wirken zu lassen.

Und über die vier Maximen, die sie sich für ihren Nachruf aufstellt - der Verstorbene sollte von seiner Familie geliebt, von seinen Mitarbeitern bewundert worden sein, sollte das Leben eines anderen positiv beeinflusst haben, und er sollte eine Überschrift über seinem Leben haben. Kann man mal nachdenken. Harriet ist einfach sehr ehrlich - brutal ehrlich.

Und natürlich findet die junge Journalistin mit Harriets Hilfe auch auf den ihr zugedachten Pfad, sowohl in der Liebe als auch beruflich. Der Zuschauer erfährt obendrein anhand eines vorzüglichen Soundtracks, welche die meistunterschätzte Band der Welt ist.

"Zu guter Letzt" ist einfach eine ebenso vergnügliche wie herzerwärmende Generationen-Komödie, die am 13. April in den deutschen Kinos gestartet ist.

Quelle: n-tv.de

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