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"Ich wundere mich manchmal, dass ich schon 21 bin": Lena.
"Ich wundere mich manchmal, dass ich schon 21 bin": Lena.(Foto: Sandra Ludewig / Universal Music)

"Eine sehr schwierige Challenge": Lena ist zurück

Pfeif auf Studium. Pfeif auf Auszeit. Pfeif auf gestern. Lena meldet sich zurück - mit neuem Album "Stardust" und musikalisch authentischer als je zuvor. Im n-tv.de Interview spricht sie über Glück, Kritik, Tränen, Kamelle und den Gangnam Style.

n-tv.de: Was auffällt, wenn man in diesen Tagen Interviews mit dir / Ihnen liest, ist, dass man dich / Sie inzwischen häufig mit Sie anspricht. Was ist dir / Ihnen denn lieber - du oder Sie?

Lena: Ehrlich gesagt, kommt es darauf an, mit wem ich das Interview mache. Ich bin eigentlich immer fürs duzen. Aber wenn mir jemand gegenübersitzt, der von vornherein siezt und auch nicht den Anschein macht, dass er selber geduzt werden möchte, dann sieze ich natürlich auch.

Undiszipliniert ist sie nur in ihrer Freizeit.
Undiszipliniert ist sie nur in ihrer Freizeit.(Foto: Sandra Ludewig / Universal Music)

Darf ich du sagen?

Sehr gerne.

In einem anderen Interview hast du gesagt, dass du dich eigentlich noch nicht wirklich erwachsen fühlst. Dass man dich nun häufig mit Sie anspricht, zeigt aber doch auch, dass man inzwischen zumindest von außen offenbar eine andere Wahrnehmung von dir hat als vielleicht noch vor ein oder zwei Jahren. Empfindest du das auch so?

Mmh, ob man sich erwachsen fühlt oder nicht, hat ja nicht unbedingt damit zu tun, wie man aussieht oder wie die Wahrnehmung ist. Man kann sich ja auch mit 40 noch nicht so richtig erwachsen fühlen. Ich meinte das jetzt nicht mit Blick auf Reife, Erfahrungsgrad oder Aussehen, sondern eher vom Gefühl her.

In dem Interview hast du dich unter anderem auch als "superverpeilt, chaotisch, unordentlich, und undiszipliniert" beschrieben. Wenn man mal darauf blickt, wie du mit dem ganzen Druck in den vergangenen zwei Jahren umgegangen bist, dann warst du bestimmt nicht undiszipliniert, sondern hast extrem gut "funktioniert". Erklär mir mal den Widerspruch …

Undiszipliniert bin ich in meiner Freizeit, zum Beispiel, was Hobbys angeht. Da bin ich total sprunghaft. Aber was den Job angeht, bin ich, glaube ich, schon diszipliniert. Man hat da ja so etwas wie eine Pflicht. Und die erfülle ich schon. Ich habe ja auch Leute um mich herum, die mir ein bisschen dabei helfen, diszipliniert und ehrgeizig zu sein.

Rund zwei Jahre hast du ein Leben wie im Rausch geführt. Die Auszeit, die du dir in den vergangenen Monaten genommen hast, muss dich extrem gebremst haben. Wie hast du das erlebt?

Ehrlich gesagt, ist es für mich total schnell vorbeigegangen. Und ich wundere mich manchmal, dass ich schon 21 bin. Ich habe gar nicht das Gefühl, dass es so ist. Das ist so an mir vorbeigeflogen.

"Ich bereue nichts" - Lena ist mit sich im Reinen.
"Ich bereue nichts" - Lena ist mit sich im Reinen.(Foto: Sandra Ludewig / Universal Music)

Du hast auf deinem Fuß den Satz "Je ne regrette rien" (Ich bereue nichts) tätowiert. Stimmt das, wenn du auf die Zeit seit "Unser Star für Oslo" siehst, oder gibt es doch Dinge, die du rückblickend anders machen würdest?

Ähhm, nö. Ich würde eigentlich sagen, dass ich nichts bereue. Der Satz ist auch so etwas wie eine Erinnerung für mich, dass man nichts bereuen sollte. Alles passiert aus einem Grund - und wenn es nur ist, dass man aus einer Auswirkung lernt.

Im Song "Neon" auf deinem neuen Album beschreibst du das Gefühl, einsam zu sein, obwohl zig Menschen um einen herum sind. Das klingt nicht gerade so, als ob du in den vergangenen Jahren immer glücklich gewesen wärst ...

Nee, aber ich kenne auch kaum jemanden, der in seinen letzten zwei Jahren nuuur glücklich war. (lacht) Das ist eine sehr schwierige Challenge.

Welche Rolle spielte dabei die Kritik, die an dir im Kontext mit der "Titelverteidigung" beim Eurovision Song Contest (ESC) geübt wurde? Das war ja ein ziemliches Gefühlsbad, nachdem du wenig zuvor noch wie eine Nationalheldin gefeiert worden warst …

Ich finde, dass ich alles, so wie ich es gemacht habe, richtig gemacht habe - nicht nur für die anderen, sondern vor allem für mich selber. Ich habe auch aus vielen Sachen, die ich vielleicht falsch oder nicht ganz richtig gemacht habe, gelernt. Die mache ich jetzt in Zukunft besser. Da geht es nicht nur um meine Arbeit in der Öffentlichkeit, sondern auch um die Arbeit zu Hause, meinen Freundeskreis - einfach alles. Es dreht sich bei mir Gott sei Dank nicht alles nur um diese Mediengeschichte. Ich bin ganz froh, dass ich das ein bisschen filtern kann. Wenn ich nach Hause komme, wird das abgeschaltet.

Ihr neues Album klingt, anders als die Vorgänger, wie aus einem Guss.
Ihr neues Album klingt, anders als die Vorgänger, wie aus einem Guss.(Foto: dapd)

Trotzdem interessiert mich, wie du auf Kritik reagierst. Beißt du in den Tisch, wirfst du mit Dingen um dich oder wirst du eher still und nachdenklich?

Das kommt darauf an, was für Kritik das ist. Wenn jemand nur wutentbrannt irgendwelche Hasstiraden bis hin zu Unwahrheiten schreibt, ignoriere ich das einfach. Wenn es aber jetzt zum Beispiel eine musikalische Kritik ist, lese ich mir das durch und schaue, ob ich daraus etwas ziehen und lernen kann.

Du bezeichnest dich selbst als Gefühlsmensch, der durchaus nah am Wasser gebaut hat. Wann hast du das letzte Mal geweint?

(überlegt) Ich habe mir den Film "Ziemlich beste Freunde" gekauft. Als ich den gesehen habe, habe ich das letzte Mal geweint.

Kommen wir mal zu deinem neuen Album "Stardust". Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern fällt auf, dass man bei ihm ziemlich durchgängig von einem eigenen Stil sprechen kann. Man bekommt eine Vorstellung davon, was dich musikalisch ausmacht …

Das liegt wahrscheinlich daran, dass, sage ich mal, 80 Prozent der Songs aus meiner Feder stammen.

Das heißt, du hast an den Songs mitgeschrieben …

"Mitgeschrieben" fände ich, glaube ich, noch zu wenig. Ich habe mich mit verschiedenen Songwritern getroffen. Wir haben mit einer Gitarre zusammengesessen und neue Songs geschrieben. Wir haben neue Melodien und Harmonien entwickelt und Texte geschrieben. Ich war auch bei der Produktion mit Swen Meyer (unter anderem auch Produzent von Kettcar, Tomte und Tim Bendzko, Anm. d. Red.) im Studio dabei. Das war ein sehr langwieriger und sehr schöner Prozess.

Verkleiden ja - Kölsche Mädchen nein.
Verkleiden ja - Kölsche Mädchen nein.(Foto: Sandra Ludewig / Universal Music)

Die Demos deiner Songs anderen vorzuspielen, hätte dich eine gewisse Überwindung gekostet, heißt es …

Ja, den Leuten von der Plattenfirma.

Und wie sah es bei den Menschen in deinem persönlichen Umfeld aus?

Da hat es mich keine Überwindung gekostet. Ihnen vertraue ich ja blind. (lacht)

Was hat denn Stefan Raab gesagt?

Ihm habe ich es erst vorgespielt, als ich fertig war. Aber es hat ihm gefallen.

Teile des Albums sind ja zum Beispiel in Schweden unter Mitwirkung von Miss Li entstanden. Sie ist in ihrer Heimat ein Star, aber hierzulande eher unbekannt. Man konnte schon immer den Eindruck haben, dass du dich eher für Musik abseits des Mainstreams interessierst. Oder täuscht das?

Ich interessiere mich für Musik, für Popmusik und für Indie. Aber ich höre schon gerne auch Mainstream-Musik - Rihanna und so Kram. Das kann ich nur einfach nicht gut singen. Deswegen habe ich mich für Leute wie Lisa Mitchell oder Kate Nash entschieden, weil ich mir dachte, dass meine Stimme besser zu deren Liedern passt. (Lena coverte bei "Unser Star für Oslo" unter anderem Songs der beiden Sängerinnen, Anm. d. Red.)

Dann weißt du bestimmt auch, wie der "Gangnam Style" geht …

Ja, aber ich habe ihn noch nicht ausprobiert. (lacht)

Das Album "Stardust" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Stardust" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Universal Music)

Du hast ja offenbart, dass du einen Freund hast. Angesichts deiner Bekanntheit setzt das einiges Vertrauen voraus. Er wiederum muss zum Beispiel damit klarkommen, dass du dauernd Journalisten irgendwelche Fragen beantworten musst. Wie kriegt ihr das geregelt?

Ich glaube, wenn man nicht den gleichen Job hat, ist es in jeder Beziehung schwierig, nachzuvollziehen, was der andere macht. Wenn der eine Arzt ist und der andere Lehrer, dann hilft auch einfach nur Kommunikation - darüber zu sprechen, sich auszutauschen und zu erzählen, was man macht. Das ist bei uns auch so - ganz normal.

Du lebst mittlerweile in Köln. In vier Wochen ist Karneval. Sehen wir dich dann Kamelle schmeißend oben auf dem Wagen?

Nee! Ich stehe auf gar keinen Fall oben auf dem Wagen. (lacht)

Ist Karneval nicht dein Ding?

In Hannover heißt es ja Fasching. Das ist eigentlich schon mein Ding. Verkleiden finde ich cool. Gerade jetzt in meiner Position finde ich es cool, wenn ich mir eine Maske aufsetzen und einfach so durch die Straßen laufen kann, ohne dass mich jemand erkennt. Aber ich bin nicht so "Kölsche Mädchen"-mäßig mit den Schunkelliedern. Ich bin damit nicht aufgewachsen und kenne das nicht so richtig. Aber ich bin wirklich eine leidenschaftliche Verkleiderin.

So wie dein Album teils in Schweden entstanden ist, so findet dort auch der nächste ESC statt. In Baku warst du noch als Show-Act auf der Bühne und hast Roman Lob zumindest mental unterstützt. Bleibst du dem ESC verbunden oder schließt du das Kapitel dann doch allmählich für dich ab?

Ich glaube, ich schließe das nie ganz ab. Aber nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall erst einmal nicht mehr am Start.

Mit Lena sprach Volker Probst

Das Album "Stardust" von Lena bestellen

Lena geht im April 2013 in Deutschland auf Tour: Stuttgart (2.4.), München (3.4.), Nürnberg (4.4.), Dresden (6.4.), Berlin (8.4.), Hamburg (10.4.), Kiel (11.4.), Münster (13.4.), Dortmund (14.4.), Köln (16.4.), Saarbrücken (17.4.), Hannover (19.4.), Frankfurt am Main (21.4.)

Quelle: n-tv.de

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