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(Foto: Ascot Elite)
Montag, 25. November 2013

Eine Crew, ein Auftrag, "Wings Of Honour": Luftschlacht über Deutschland

Von Thomas Badtke

1944 ist der Luftkrieg über Nazi-Deutschland in der entscheidenden Phase. Die deutsche Luftwaffe kämpft dabei mit allen Mitteln. Bei einem Angriff auf ein Benzinlager nahe Bremen wird eine britische Bomber-Crew abgeschossen. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt.

Deborah und Earl: Ihre Beziehung wird vom Kriegstreiben bestimmt.
Deborah und Earl: Ihre Beziehung wird vom Kriegstreiben bestimmt.(Foto: Ascot Elite)

Flight Officer Earl Kirk (Nicholas van Der Bijl) ist freiwillig im Krieg. Er müsste es nicht sein. Aber er will seine Kameraden nicht enttäuschen. Das macht er mit einem abwesenden Blick und ohne viele Worte seiner Freundin Deborah klar, die versucht, ihn von seinem nächsten Einsatz abzubringen. Auch als das Gespräch auf das Thema Heirat und Kinder fällt, schweift Kirks Blick ab - er landet auf das vor ihm stehende Flugzeug. Eine B-24. Wunderschön, erhaben, majestätisch. Seine B-24. Sein Zuhause. Seine Crew. Kirk ist Soldat durch und durch, ein Teil der Royal Air Force, und erst danach kommt das Privatleben, kommt Deborah, kommt ihre gemeinsame Zukunft. Wenn er gewusst hätte, was ihn kurz darauf erwartet, er hätte anders entschieden.

Kirk fliegt seine B-24, seine "Angel Of The Skies", ruhig und abgeklärt. Seine Crew ist ebenso cool, obwohl ihr Einsatz einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Die Anspannung kehrt schnell zurück, als sie feindlichen Luftraum erreichen. Ihr Ziel ist ein Benzinlager in der Nähe der Hansestadt Bremen. Von dort geht der Treibstoff an zahllose Panzerverbände, die den Alliierten noch immer das Leben schwer machen.

Überleben hinter den feindlichen Linien: Nicht alle aus Kirks Crew schaffen es.
Überleben hinter den feindlichen Linien: Nicht alle aus Kirks Crew schaffen es.(Foto: Ascot Elite)

Die Deutschen wissen um die Bedeutung und so feuern ihre tödlichen 88er Flaks unaufhörlich auf die weit oben in den Lüften dröhnende britische Bomberstaffel. Messerschmidts tauchen aus den Wolken auf, greifen an, bringen den Tod. Etliche Maschinen werden abgeschossen oder schwer beschädigt.

Kirks Crew hat lange Glück. Dann reißt ein Treffer ein Loch in den Rumpf, der Bordschütze verschwindet. Weitere Einschläge folgen. Kirk muss sich entscheiden: umdrehen oder weiterfliegen. Er trifft sie - und plötzlich sind er und der Rest seiner Crew mitsamt einem schwer verletzten Kameraden auf feindlichem Boden. Und der Weg nach Hause, hinter die feindlichen deutschen Stellungen, ist lang und tödlich.

Seine Kameraden lässt man nicht im Stich

Wen die Deutschen aufs Korn nehmen: Ein Spezialtrupp jagt die Bomber-Crew.
Wen die Deutschen aufs Korn nehmen: Ein Spezialtrupp jagt die Bomber-Crew.(Foto: Ascot Elite)

Oh Ehre, wie viele Menschenleben hast du bereits gekostet? In "Wings Of Honour: Luftschlacht über Deutschland" kommen einige weitere dazu. Es geht um Einsatz, Kampfeswillen, Gehorsam, Treue, Kameradschaft, eben die typischen Tugenden eines guten Soldaten. Nicht fragen, sondern machen. Nicht lange quatschen - tun. Und genauso kommt auch der Film des noch unbekannten Regisseurs Christopher-Lee Dos Santos daher. Der südafrikanische Streifen, der im englischen Original "Battle For The Skies" heißt, ist intensiv und aufwühlend. Das Hauptaugenmerk des Regisseurs liegt ganz klar auf der Stimmung, getragen von der schauspielerischen Leistung der Darstellerriege, und nicht auf überfrachtetem Action-Spektakel à la Michael Bays "Pearl Harbor".

Ein Star des Films ist der ebenfalls noch unbekannte Nicholas van Der Bijl. Er spielt Earl Kirk, einen südafrikanischen Piloten, der sich freiwillig für den Kriegsdienst in der Royal Air Force gemeldet hat. Das schindet bei seinen Kameraden Eindruck, seine Herkunft sorgt aber auch für so manchen rassistischen Kommentar eines Briten. Kirk steckt das alles weg. Er ist die Ruhe in Person, selbst wenn die Kacke am Dampfen ist, wie es so schön heißt, bleibt Kirk cool. Als seine Maschine abgeschossen wird und er für das Überleben seiner Crew auf feindlichem Gebiet verantwortlich ist, läuft er zu Hochform auf. Die Crew rückt enger zusammen, es menschelt sogar zwischen Kirk und dem englischen Urgestein Ray, der neu zum Team gestoßen ist.

"Wings Of Honour" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.
"Wings Of Honour" ist bei Ascot Elite auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Dass es am Ende nicht alle heil nach Hause schaffen, ist schon allein der Tatsache geschuldet, dass die SS auf den Absturz aufmerksam wird. Ein kleiner Spezialtrupp macht sich auf die Fährte der Briten. Sie kennen weder Freund noch Feind, selbst wenn der Freund eine Frau mit blonden Haaren ist, die einen Hof allein bewirtschaften muss, da ihr Mann für Deutschland im Krieg ist.

Der Star ist die Stimmung

Noch mehr als die Darsteller fallen aber die Bilder auf, in denen Dos Santos seine Kriegsgeschichte erzählt: Gedeckte Farben, Brauntöne, Blässe - damit spielt der Regisseur gekonnt. In langen schnittfreien Einstellungen segeln die Bomber erhaben, ja fast majestätisch durch den mattblauen oder bewölkten Himmel. 

Als Kontrapunkt dazu dröhnen die Bombermotoren und jagen dem Zuschauer alles andere als wohlige Schauer über den Rücken. Die Besitzer von Heimkino-Surroundsoundanlagen können sich bei weit aufgedrehtem Lautstärkeregler fast in die Zeit hineinversetzen, als nachts erst die Sirenen die unheilversprechenden und todbringenden Bomber-Geschwader der Alliierten ankündigen, und dann nur wenige Augenblicke später das ohrenbetäubende Dröhnen die Hölle auf Erden bringt.

Das alles hebt "Wings Of Honour" aus dem Weltkriegsfilm-Einerlei wohltuend heraus. Da die Protagonisten zudem für die britische Royal Air Force fliegen, kommt auch der typisch schwarze Humor nicht zu kurz. Etwas, das vor allem Hollywood-Produktionen zu diesem Thema vermissen lassen.

Wem "Pearl Harbor" zu viel Hollywood-Größenwahn ist und wer stattdessen auf kleinere Produktionen wie "Into The White" oder auch "Beyond The Frontline" steht, kann bei "Wings Of Honour" von Pandastorm beruhigt zugreifen.

Ab Dezember finden Sie die wöchentlichen DVD-Rezensionen jeweils Freitagmorgen auf n-tv.de.

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Quelle: n-tv.de

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