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Lukas Graham, das sind: (v.l.n.r.) Magnus, Lukas, Mark, Casper - und alles andere als eine "Boy Band".
Lukas Graham, das sind: (v.l.n.r.) Magnus, Lukas, Mark, Casper - und alles andere als eine "Boy Band".(Foto: Universal Music)

Von wegen Smorebröd, römpömpömpöm: Lukas Graham rocken Europa von oben

Selbst die Plattenfirma findet es abgedroschen, den Jungs aus Kopenhagen-Christiania Attribute wie "authentisch" oder "from the heart" zuzuschustern. Das ist es auch, aber es stimmt. Ohne jede Springsteen-Romantik muss man zwar festellen, dass der Boss im Unterhemd (noch) cooler aussieht, Lukas Graham aber abgehen wie eine Rakete.

Sie haben ihren Song "Drunk In The Morning" heute schon so oft gespielt, dass sie es nicht mehr aufzählen können, aber sie spielen ihn gerne noch mal. (Das brandneue Video zu dem Song können Sie im Player unterhalb des Textes sehen.) Und da, wo man anderen Künstlern manchmal schon den Zwang ansieht, immer wieder etwas tun zu MÜSSEN, herrscht bei den Jungs aus Dänemark nur die pure Freude und Begeisterung für ihre Musik. Sie singen und spielen sich die Seele aus dem Leib, und das kommt an bei den Fans, die das erste Wohnzimmer-Video der Band auf Facebook unter Freunden geteilt haben und das nun über eine Million Klicks hat. Lukas Graham machen gute Laune und sehr neugierig! n-tv.de sprach mit Lukas, Kasper, Magnus und Mark. Sie nennen ihre Musik "Ghetto-Pop", und das "Ghetto" aus dem sie kommen - genau genommen jedoch nur Lukas, der Sänger, heißt Christiania und ist über die Landesgrenzen bekannt als legendäre Hippie-Enklave und Oase des gepflegten Kommunen-Chillens, über der eine stetige Gras-Wolke hängt und in der die Menschen Love& Peace&Harmony zu ihrem Motto gemacht haben.  

Lukas: Komm, setz' dich in die Mitte, willst du ein Bier?

n.tv.de: Theoretisch schon, aber ich muss noch arbeiten ...

(großes Gelächter) Lukas: Na gut. Wollen wir uns nicht erstmal vorstellen, Leute?

Magnus: Ja, ich bin Magnus, auch bekannt als Magnum. Ich spiel' den Bass.

Kasper: Ich bin Kasper, man nennt mich auch den Captain. Und spiel' die Keyboards.

Mark: Ich bin Mark, auch Lovesticks genannt, und ich spiel' die Drums.

Lukas: Und ich bin Lukas. Ich werde auch Luke the Duke genannt und ich liefer' den Gesang.

Und ihr habt alle irre grüne Augen, wow!

Lukas: Ja, aber meine sind ziemlich dunkel. Sie reflektieren die Dunkelheit. Oder das Dunkle im Allgemeinen. Ich habe 1000 Augenfarben. Manchmal sind sie auch blau!

Vielleicht hast du immer die Augenfarbe, die die Frau dir gegenüber sehen möchte?

Lukas: (lacht) Nein! Aber das ist eine gute Idee: Wie es dir gefällt, Baby!

Magnus: Du kannst entscheiden.

Ich sag' mal so: Alles schön. Aber erzählt mal lieber was über eure Pläne.

"Wir haben keinen Plan!"
"Wir haben keinen Plan!"(Foto: Universal Music)

Magnus: Wir haben keinen Plan! Es gibt zwei Sorten von Menschen: Menschen, die leben, und Menschen, die planen. Wir gehören definitiv zu denen, die leben, planen können gerne die anderen. Nee, Scherz beiseite, wir versuchen einfach immer, unser Bestes zu geben. Wenn dein Ziel ist, immer das Beste zu geben, dann ist das ja ein Plan. Oder? Man darf nur nicht durcheinanderkommen. Vor über einem Jahr haben wir unsere erste Single herausgebracht, und da hätten wir im Traum nicht daran gedacht, dass wir jetzt hier bei Universal in Berlin sitzen. Wenn wir uns vor einem Jahr so ein Ziel gesetzt hätten wie "Wir müssen dann und dann da und da sein und das und das erreicht haben", dann wären wir vielleicht nicht hier. Und vielleicht wären wir auch sehr frustriert. Meine Einschätzung vor einem Jahr hätte nämlich noch ganz anders gelautet: "Gib uns drei Jahre, und dann sehen wir mal weiter".

Dann überrascht euch euer Erfolg also selbst?

YESSSS! Total!

Ich habe eine kleine Doku über euch gesehen: Da habt ihr zuerst vor 50 Leuten gespielt, dann vor 500, dann vor 5000 - was kommt jetzt, 50.000??

Lukas (lacht): Wir haben unser erstes Konzert am 4. Mai 2011 gespielt. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her, da haben wir vor 120 Leuten gespielt. Und dann am Ende unserer Tour sind wir schon in den größten Konzerthallen Dänemarks aufgetreten.

Kasper: Ja, wahrscheinlich ist niemand überraschter als wir!

Immer noch?

Alle: Ja.

Magnus: Ich meine, jedes Mal, wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich überrascht, dass da tatsächlich Leute im Publikum stehen.

Die an euren Lippen hängen und jedes einzelne Wort mitsingen können.

(Alle lachen) Ja, super, oder?

Magnus: Genau. Wow, die sind extra unseretwegen hier?

Schreibt ihr alle an den Texten?

Lukas: Nein, das mache ich. Aber das hat nichts zu sagen. Wir sind eine komische Band. Man sieht nur uns vier auf der Bühne, manchen sehen sogar nur den Frontman, aber in Wirklichkeit sind wir sieben! Wir haben noch drei Leute hinter der Bühne, die BackBones, zum Mixen, und die Produzenten, Stefan, Sebastian und Ristorp. Die Band heißt so wie ich, das klingt vielleicht erstmal etwas egoistisch, aber wir haben alle darüber gesprochen und es ist okay. Ich arbeite einfach schon am längsten an den Songs, deswegen. Und für mich ist wichtig, dass ich nicht alleine bin und die Jungs sind, glaube ich, auch froh, dass wir eine Band sind. Oder?

Alle: Ja, na klar.

Lukas: Niemand will die zweite Geige spielen, und deswegen sind wir alle gleichberechtigt in unserer Band.

Und ihr seht auch immer so aus, als hättet ihr Spaß wie auf einer Party ...

Magnus: Ja, wir sollten aber auch echt Spaß haben, alles andere wäre unnormal, bei dem, was wir gerade alles erleben.

Hattet ihr denn andere Pläne, ich meine, so im Sinne eurer Eltern ...

Lukas: Was Fornuftiges, meinst du?

Vernünftig?

Lukas: Ja, fornuftig.

In Dänemark kennt sie bereits so gut wie jedes Kind.
In Dänemark kennt sie bereits so gut wie jedes Kind.(Foto: Universal Music)

Genau.

Lukas: Ja, ich habe angefangen, Jura zu studieren. Aber dann kam der Plattenvertrag dazwischen.

Magnus: Ich habe hier schon in Berlin gelebt und habe Musik studiert. Und als wir dann aber mit der Band durchgestartet sind, bin ich zurückgezogen.

Mark: Ich habe auch Musik studiert, und als ich fertig war, habe ich was Neues angefangen, "Financial Management" ...

... das könnt ihr in der Zukunft doch ganz gut gebrauchen, wenn es so weitergeht.

Mark: Ja! Stimmt, dann haben wir einen Juristen und einen Finanzberater schon mal in der Band.

Kasper: Und ich habe auch Musik studiert.

Lukas: Und unser Mister Lovesticks hier schließt alles mit den besten Noten ab!

alle: Cheers!!!

Lukas, deine Texte sind ja ganz schön intim: Ist das nicht manchmal problematisch, so offen zu sein?

Lukas: Ich finde es anstrengend, etwas darstellen zu wollen oder zu müssen, das man gar nicht ist. Deswegen werden Schauspieler doch auch so gut bezahlt. Ich glaube, dass ich einen Song besser singen kann, wenn ich hundertprozentig dahinterstehe. Und ich will auch, dass die Leute mich verstehen. Im Moment könnte ich gar nichts andere machen als ein Lied zu singen, das tatsächlich ganz aus meinem Innersten kommt. Das wäre ein großes Problem für mich, denn was wir machen, ist ja kein Theaterstück oder ein Film, sondern das ist ein Live-Konzert, und da sind wir wir! Wir sind auf der Bühne eigentlich mehr wir selbst als abseits der Bühne. Ich vergleiche das immer so: Wir sind Goldfische. Und auf der Bühne sind wir Goldfische in unserem Goldfischglas, und wenn wir nicht auf der Bühne sind, liegen wir auf dem Trockenen und hecheln nach Luft.

Kasper: Ja, das ist unsere Safe-Zone, die Bühne.

Seid ihr eigentlich alle in Christiania aufgewachsen?

Lukas: Nur ich.

Und was meinst du, ist der größte Unterschied in der Art, wie ihr aufgewachsen seid?

Lukas: Ich habe immer noch viele Freunde aus der Kindergarten-Zeit, aber das war's dann auch schon. Die anderen tollen Jungs hier kommen auch aus großartigen Familien. Normalerweise würde ich sagen, dass der Hauptunterschied ist, dass es in Christiania liebevoller und entspannter zugeht als im Rest von Kopenhagen. Das trifft aber in diesem Fall nicht zu. Bei den anderen ging es auch immer darum, dass Liebe wichtiger ist als Arbeit, und Arbeit ist wichtiger als essen, schlafen, trinken (lacht). Zuerst kommt die Familie, dann die Arbeit und dann kommt der Spaß.

Mann, ihr hört euch wahnsinnig erwachsen an!!! Ich bin überrascht.

Magnus: Ja, was hast du denn erwartet?

Ich habe eigentlich gar nichts erwartet.

Lukas: Das ist das Beste. Hoffe das Beste, erwarte nichts.

Apropos Erwartungshaltung: Wie ist es denn, wenn man mit solchen Größen wie Jamiroquai oder John Legend verglichen wird?

Magnus: Wir versuchen eigentlich immer nur, uns auf uns zu konzentrieren. Wir wollen ja nicht nervös werden.

Würde euch das denn nervös machen?

Magnus: Keine Ahnung. Ich versuche, ich selbst zu sein, mein Ding zu machen, mich nicht zu verstellen. Wir fokussieren uns auf uns und gehen einen Schritt nach dem anderen.

Werdet ihr eigentlich schon auf der Straße erkannt?

Lukas: In Dänemark schon, außerhalb von Dänemark dann immer von anderen Dänen (alle lachen). Vor allem jetzt auf dem Reeperbahnfestival ist uns das passiert. Sollte allerdings einer von uns mal sowas wie Starallüren entwickeln, kriegt er von mir sofort eine geknallt. (alle lachen) Es ist so ätzend, wenn sogenannte Stars sich für was Besseres halten. Wieso sollte man besser als der Busfahrer sein zum Beispiel? Wir haben Glück mit unserem Job, weil die Leute am Ende klatschen. Aber wenn die Fan-Kultur überhandnimmt, kann es auch vieles kaputt machen.

Warum denkst du das?

Weil man dann eben zu einem Wahnsinnigen wird. Heute will ja jedes Kind ein Superstar werden. Aber das war nicht unser Ansatz, unser Ansatz war, Musik zu machen. Und jetzt ist es tatsächlich unser Job. Magnus hat mit acht Jahren angefangen, Bass zu spielen, jetzt ist er 23, Kasper hat Klavier gelernt, bevor er laufen konnte (Kasper lacht), jetzt ist er 29, ich singe, seit ich acht bin, jetzt bin ich 24, und Mark schwingt die Stöcke, seit er zwei ist.

Dann habt ihr Glück - ihr habt eure Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Ja, aber das war auch Arbeit bis hierher, wir haben total viel gearbeitet. Das vergessen die meisten. Sie denken, hey, jetzt werde ich mal Star.

Habt ihr einen Manager?

Lukas: Ja, aber wir machen trotzdem, was wir wollen (alle lachen).

Und versteht ihr euch immer? Ihr verbringt ja viel Zeit miteinander.

Lukas: Wenn wir uns streiten, dann regeln wir das sofort, das ist die beste Methode. Wir sind die besten Freunde, weil wir in fast allem harmonieren. Das wollen wir uns nicht kaputtmachen. Mit den Freunden, die ich schon mein ganzes Leben lang kenne, bin ich allerdings manchmal nicht so zimperlich. Aber die kennen mich ja auch besser.

Was sagen eure Freunde eigentlich zu eurem Erfolg?

(kurze Ratlosigkeit in der Runde) Mark: Ich glaube, da ist alles wie immer.

Lukas: Ja, wir reden mit denen nicht nur über Musik. Wir wollen wissen, wie es denen geht. Wenn wir zu Hause sind, dann sind wir zu Hause.

Wie ist es denn, so viel unterwegs zu sein?

Magnus, Kasper, Mark, Lukas: Super, großartig, toll.

Magnus: Zu Hause haben wir meist mehr Stress.

Lukas: In Kopenhagen sehen wir uns gar nicht so viel. Wenn wir auf Tour sind, dann sind wir endlich wieder zusammen.

Und was sagen eure Freundinnen?

(zögerliches Geräusper) Magnus: Ich mag es so, wie es ist, man sieht sich, und dann wieder eine Weile nicht. Es hat bisher jedenfalls geklappt?

Bist du denn der Einzige mit einer Freundin?

Magnus: Nein, Mark hat auch eine.

Mark: Noch ziemlich frisch.

Lukas: Du meinst, sie ist noch sehr jung?

(Gelächter)

Kasper: Lukas und ich sind solo.

(wieder Gelächter)

Deine Texte, Lukas, sind ja sehr persönlich? Sind das alles deine Geschichten?

Lukas:. Ja, zum, größten Teil. Aber auch die Gefühle von anderen, die mir nahe sind, kommen darin vor. Nur bei einem Song muss ich sagen, dass ich das nicht erlebt habe: "Apologize". Ich habe niemanden umgebracht!!! (lacht) Das ist unser O.J.-Simpson-Song: Kill the bitch and get away with it!

Lukas singt: "It wasn't me!" von Shaggy, alle anderen machen mit.

Wow, man sagt bloß ein Wort und ihr singt los.

Lukas: Ja, guter Punkt. Das liegt daran, dass wir alle ein Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom haben.

Magnus: Lukas hat diesen Magical Flow mit Worten, es sprudelt einfach so aus ihm raus.

Lukas: Ich merke mir zu viel. Und wenn ich etwas anfange, muss ich es auch fertig machen. "Five in the Morning" habe ich in 20 Minuten geschrieben. Aber auch wenn es zehn Stunden dauert - ich muss es zu Ende bringen.

Mit Lukas Graham sprach Sabine Oelmann

Mehr Videos von Lukas Graham gibt es hier auf tape.tv.

Tour:

26.10.2012 Hannover, Faust
28.10.2012 Berlin, Cassiopeia
29.10.2012 München, Atomic Café
31.10.2012 Zürich, Eldorado
01.11.2012 Innsbruck, Treibhaus
02.11.2012 Wien, B72
03.11.2012 Leipzig, Horns Erben

Quelle: n-tv.de

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