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Ziemlich beste Freunde: Frosty und Jay.
Ziemlich beste Freunde: Frosty und Jay.

Ja, das ist ein Surfer-Film: "Mavericks" - nicht tief, aber schön

Von Sabine Oelmann

Wer einmal auf einem Surfbrett gestanden hat, und wer nur einen Funken Sehnsucht nach dem Meer hat, der versteht jene, für die Surfboards die Bretter sind, die die Welt bedeuten. Für sie ist "Mavericks" gemacht. Denn manchmal reicht die Ostsee nicht.

Es ist eine wahre Geschichte, und eine traurige zugleich. Dennoch ist es schön, dem 15-jährigen Jay Moriarity (Jonny Westen) dabei zuzugucken, wie er seiner Leidenschaft folgt, wie er versucht, sämtliche Widrigkeiten des Lebens aus dem Weg zu räumen, und sich dabei so treu bleibt, wie es nicht einmal Erwachsenen gelingt. Das ist vorhersehbar, aber schön. Und Gerard Butler ist auch toll.

Um diese Mutter muss man sich kümmern: Elisabeth Shue als Mom von Jay.
Um diese Mutter muss man sich kümmern: Elisabeth Shue als Mom von Jay.(Foto: dapd)

Ja, das ist ein Surfer-Film, und die wahre Hauptrolle spielt das Meer, besser gesagt: die Wellen. Die Bilder sind fantastisch. Der Geschichte vorzuwerfen, sie sei konstruiert oder hohl, geht nicht, denn sie ist ja wahr: Es ist die Geschichte von Jay, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein richtig guter Surfer zu werden, und er ist bereits auf dem besten Weg. Durch einen Zufall findet er heraus, dass die berühmt-berüchtigten Mavericks-Riesenwellen keine Legende sind, sondern nicht weit vor der Küste seiner Heimatstadt entstehen. Fasziniert von der unbändigen Kraft dieser Wellen, die zu den größten und gefährlichsten der Welt gehören, will Jay nur noch eins: die Riesen reiten! Doch der Teenager braucht jemanden an seiner Seite, Gleichaltrige kommen nicht in Frage: Sie sind entweder zu sehr mit sich, mit Drogen oder mit Mädchen beschäftigt.

Es ist nicht einfach für Jay: Der vaterlose Kerl hat eigentlich keine Zeit, denn Schule und Nebenjob lassen ihm wenig Freiraum. Dazu kommt noch seine Mutter (Elisabeth Shue), die mehr oder weniger in den Tag hinein lebt, mehr oder weniger alkoholabhängig ist und für die er auf jeden Fall mehr sorgt als anders herum. Doch er ist unglaublich organisiert und fasst einen Plan, denn sein Nachbar ist niemand Geringerer als die lokale Surflegende Rick "Frosty" Hesson (Gerard Butler) - warum der Typ ausgerechnet Frosty heißen muss, bleibt allerdings ein Mysterium ...

Der jedenfalls ist ein Getriebener, der seine Frau anlügt, um in Ruhe surfen gehen zu können. Sie ist nicht blöd und weiß das, hätte jedoch gern, dass er ein wenig mehr Verantwortung übernimmt, denn Frosty ist auch Vater und kann nur wenig mit seiner kleinen Tochter anfangen. Als sie bemerkt, dass der Junge von nebenan in ihrem Mann ein Vorbild sieht, bestärkt sie diesen, Frosty ruhig zu fordern. Jay bittet Frosty, ihm beizubringen, Mavericks zu surfen. Frosty versucht zunächst, den Jungen abzuwimmeln, denn Mavericks sind nur etwas für seinen alteingesessenen, eingeschworenen Surfer-Kreis.

Ganz ohne Liebe kommt auch ein Surfer-Film nicht aus: der Surfer-Boy und sein Mädchen.
Ganz ohne Liebe kommt auch ein Surfer-Film nicht aus: der Surfer-Boy und sein Mädchen.(Foto: dapd)

Doch Jay lässt nicht locker, für das Training bleibt ihm nur ein Zeitfenster von zwölf Wochen. Der Ältere ist beeindruckt von der Hartnäckigkeit und dem Ehrgeiz des Surfers. Und so lässt er sich auf den Jungen ein; eine harte Zeit des Trainings beginnt. Die beiden Surfer lernen, trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede, viel voneinander - es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Ganz ohne Frauen funktioniert jedoch auch ein Surferfilm nicht, und deswegen spielen neben Jays Mutter auch Frostys Frau (Abigail Spencer) und Jays langjährige Freundin (Kim Rambin), deren Hund er als Kind rettete, wichtige Rollen.

Wenn aus hart herzlich wird

Die Regisseure des Surfer-Dramas, die Oscar-Preisträger Curtis Hanson ("L.A. Confidential", "8 Mile") und Michael Apted ("James Bond 007: Die Welt ist nicht genug", "Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte") kommen jeweils an ihre Vorgängerwerke nicht ganz heran, aber das ist vielleicht auch nicht die Absicht gewesen: Weder ist "Mavericks" ein reines Drama, noch ist es ein Film über Superhelden oder eine reine Mutter-Sohn-Geschichte, es ist von allem etwas, und dabei geht an der einen oder anderen Stelle die Tiefe etwas flöten. Aber es ist eine berührende Story, die in großartigen Bildern erzählt wird. Das Meer sieht toll aus, die Hauptdarsteller auch, und Gerard Butler, der eigentlich kein Surfer ist, macht sich gar nicht schlecht als Buddy aus der "Hart, aber herzlich"-Schule.

Warten auf die Welle: Frosty und Jay.
Warten auf die Welle: Frosty und Jay.(Foto: dpa)

Das mag man alles schon mal irgendwo gehört oder gesehen haben und es ist auch schwer, gegen Kathryn Bigelows alten Klassiker "Gefährliche Brandung" mit Patrick Swayze und Keanu Reeves anzukämpfen, aber nach 22 Jahren durfte sich doch mal wieder jemand an einen Film trauen, in dem es eben nicht nur um Tiefgründiges geht. Sicher, wenn man Meer sehen will, kann man auch an die Ostsee fahren, wenn man nicht so viel Zeit hat, könnte man sich alte Jaques-Cousteau-Dokus anschauen, man könnte selbst in den nächsten Sommerferien nach Kalifornien fliegen und den Helden nacheifern. Der Normalsterbliche wird aber nie begreifen, was in einem Surfer-Gehirn wirklich vor sich geht. Einige werden an dieser Stelle einwenden: "In einem Surfer-Gehirn geht doch nie viel vor", aber auch das ist platt.

Gerard Butler jedenfalls kommt authentisch rüber, das liegt ihm im Blut. Er hat mal in einem Interview gesagt: "Wenn ich mich für eine Rolle vorbereite, gehe ich manchmal in diese Zeit zurück. In jedem Charakter, den ich spiele, entdecke ich etwas von mir." Und für diese Rolle hat er viel riskiert: Bei den Dreharbeiten hat es den ungeübten Surfer von einer Fünf-Meter-Welle gerissen, er musste von einem Jet-Ski-Fahrer gerettet und ins Krankenhaus gebracht werden.

Also, einfach mal zurücklehnen und die Bilder genießen - anstrengende Filme gibt es sonst ja momentan genug.

"Mavericks" startet am 17. Januar in den deutschen Kinos.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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