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So sehen Helden aus: John Krasinski als Jack in einer Szene aus "13 Hours".
So sehen Helden aus: John Krasinski als Jack in einer Szene aus "13 Hours".(Foto: Christian Black/Paramount Pictures/dpa)

140 Minuten Heldenverehrung: Michael Bays "13 Hours"

Von Volker Probst

Es ist der 11. September 2012 - exakt elf Jahre nach 9/11. Auch an diesem Tag kommt es zu einem Angriff auf US-Einrichtungen, diesmal allerdings im libyschen Bengasi. Radau-Profi Michael Bay arbeitet das Gemetzel im Film auf. Das Ergebnis ist fragwürdig.

Michael Bay ist sozusagen der Spezialist für Ausklappen und Zerlegen. In seinen "Transformers"-Streifen klappt er seit mittlerweile knapp zehn Jahren regelmäßig die Autobots aus, um mit ihnen dann die Leinwand nach Strich und Faden zu zerlegen. Bei Kritikern fallen seine Brachialinszenierungen mit ebensolcher Regelmäßigkeit durch, doch beim Publikum kommt das an. Alle vier bisherigen "Transformers"-Streifen waren absolute Blockbuster.

Aber Bay kann zumindest auf das Ausklappen auch verzichten. Zerlegen tut er in anderen Streifen wie etwa "Armageddon", "Die Insel" oder "Pearl Harbor" gleichwohl immer noch gerne. In letzterem Film von 2001 nahm er sich überdies bereits einmal einem historischen Ereignis an - dem verheerenden Angriff der Japaner auf den US-Stützpunkt auf Hawaii im Zweiten Weltkrieg. Mit zweifelhaftem Ergebnis, wenngleich der Streifen für seinen Tonschnitt gar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Zwar kann Bay niemand die Fähigkeit absprechen, für ordentliches Spektakel in seinen Filmen zu sorgen, doch "Pearl Harbor" strotzte nur so vor Geschichtsklitterungen, US-Patriotismus-Keulen und Helden-Pathos, dass es wehtat.

Mittendrin im Gemetzel

Mit "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" wagt sich der Regisseur nun abermals an einen historischen Stoff. Es geht um ein Ereignis, das viele wahrscheinlich längst vergessen haben, auch wenn es sich erst vor knapp dreieinhalb Jahren zugetragen hat. Am 11. September 2012, dem Jahrestag der Anschläge in New York und Washington, griff eine radikalislamische Miliz das US-Konsulat in Bengasi im vom Bürgerkrieg erschütterten Libyen an. Auch ein Lagezentrum der CIA in unmittelbarer Nähe wurde von den schwer bewaffneten Kämpfern attackiert. Insgesamt kamen bei den Gefechten vier US-Amerikaner ums Leben, darunter der Botschafter. Wie viele Libyer bei dem Schlagabtausch starben, ist ungewiss.

Auch im Kugelhagel bleiben die CIA-Männer stets locker.
Auch im Kugelhagel bleiben die CIA-Männer stets locker.(Foto: Dion Beebe/Paramount/dpa)

Bay inszeniert die 13 Stunden, in denen sich die Ereignisse abspielen, in gewohnter Manier. Es kracht, brennt, knallt und explodiert so perfekt, als wäre man mittendrin im Gemetzel. Dabei sind die Gewichte auf beiden Fronten äußerst unterschiedlich verteilt. Denn wenngleich am Ende zwei von ihnen auch sterben werden, handelt es sich auf US-Seite doch nur um sechs Ex-Soldaten in CIA-Diensten, denen ein schier unerschöpflich anmutendes Reservoir an Angreifern gegenüber zu stehen scheint.

Immer ein flotter Spruch

Man kann es bei dieser Konstellation schon erahnen: "13 Hours" artet zu einer 140 Minuten langen Heldenverehrung aus. Der Streifen spart zwar nicht an Kritik an der US-Politik und stellt deren Interventionsstrategien in Frage. Die für die möglicherweise falsche Sache im Einsatz befindlichen Männer jedoch sind unantastbar: Jack (John Krasinski), Rone (James Badge Dale), Tanto (Pablo Schreiber), Boon (David Denman), Oz (Max Martini) und Tig (Dominic Fumusa) sind echte Kerle, die - einer für alle, alle für einen - füreinander einstehen, die selbst im Kugelhagel noch einen flotten Spruch auf den Lippen haben, die eigentlich am liebsten nur bei ihren Familien zu Hause wären und einfach total dufte Typen sind. Und natürlich ist es schlimm, dass mehrere von ihnen nicht oder nur schwer verwundet überleben, während sich die zahlreichen lybischen Opfer mit einer kurzen Gedenkszene zufrieden zeigen dürfen.

Das Thema mag ein komplett anderes sein, doch das Ergebnis ist bei "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" praktisch das komplett gleiche wie bei "Pearl Harbour". Wer auf großen Radau mit Videospiel-Ästhetik steht, wird sich womöglich gut "unterhalten" (bei einem Ereignis wie diesem mit realem Hintergrund schon ein komisches Wort) fühlen. Wer jedoch den Kopf einschaltet, von einem Kriegsfilm mehr als nur Geballer und im Umgang mit einer historischen Tragödie mehr Sensibilität erwartet, wird das Kino mit Schmerzen verlassen.

"13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" startete am 3. März 2016 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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