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Hallo, ich bin der Max.
Hallo, ich bin der Max.

"Ey, wie geil ist das eigentlich"?: Mister Magic-Voice Mutzke

Der Mann hat SSDSGPS gewonnen und wer immer noch nicht weiß, was das ist - auch egal, denn Max Mutzke wäre auch ohne SSDSGPS da gelandet, wo er jetzt ist, glauben viele. Er nicht, gesteht er, dafür sagt er im Interview mit n-tv.de, woran er glaubt.

Max Mutzke hat ein Jazzalbum aufgenommen. Aha - schließlich stand der Schwarzwälder schon mit 22 Jahren auf der Bühne und hat mit seinem Hit "Can’t Wait Until Tonight“ Soul mit Jazz- und Pop-Facetten nicht nur gesungen, sondern alle umgehauen. An seine Stimme erinnert sich jeder, der sie damals hörte, bis heute. Und das hat viele Gründe, wie wir im Interview mit dem super-sympathischen Sänger schnell feststellen.

n-tv.de: Unglaublich, dass dein Sieg  bei "SSDSGPS " (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star), also dass diese Casting-Show-Geschichte bei Stefan Raab schon wieder gute acht Jahre her ist.

Max Mutzke: Ja, das finde ich auch unvorstellbar (lacht). Und im Dezember sind es tatsächlich neun Jahre.

Glaubst du denn, dass dein Leben, so wie es jetzt ist, auch ähnlich aussehen würde, hättest du diesen Wettbewerb nicht gewonnen?

Die einen sagen so, die anderen so (lacht). Also, Stefan glaubt, dass ich auch ohne die Show meinen Weg gegangen wäre, was ja irgendwie stimmen mag, aber nicht so erfolgreich eben. Ich glaube das ganz und gar nicht. Denn ich hätte ohne solch eine Sendung - und dann auch noch im Vorfeld zum Grand Prix - nie und nimmer diese Aufmerksamkeit bekommen. Ich kannte diesen Schlagerwettbewerb vorher nicht mal. Ich hab' zwar mein ganzes Leben lang Musik gemacht, sehr viel Jazz, sehr viel Soul. Ich hab' ja ganz früh angefangen, Schlagzeug zu spielen und habe auch zwei Jahre, bevor ich mein Abi gemacht habe, mit der Hauptschule aufgehört und in der Zwischenzeit eine Jazz-Rock-Schule besucht. Mit Schwerpunkt Schlagzeug. Was ich sagen will: Ich hab' dem Grand Prix ne Menge zu verdanken, auch wenn ich mich damit gar nicht identifizieren konnte. Denn diese Aufmerksamkeit habe ich nur dadurch bekommen, da mach' ich mir nichts vor, auch wenn andere total wohlwollend was anderes behaupten (lacht).

Ich vergesse meine Wurzeln nie!
Ich vergesse meine Wurzeln nie!

Das muss man sich auch mal reinziehen, das ist die weltgrößte musikalische Veranstaltung, die es gibt, da stürzen sich die Medien von überall her drauf! Bis zu diesem Mal, wo ich da aufgetreten bin, war es bei uns zulande ja etwas ruhiger bestellt um den Grand Prix. Durch Stefans Sendung dann kam dieser ungeheure Hype, wir wollten ja endlich runter von den hinteren Rängen.

Das hat alles Stefan gemacht. Die Show, der tolle Song ("Can’t Wait Until Tonight"), die Art von Promotion, die Aufmerksamkeit war unfassbar. Da fing meiner Meinung nach auch schon der Boom an, dass man als Deutscher mal ein bisschen stolz sein kann auf sein Land, quasi der Vorläufer des Fußball-Sommermärchens (lacht). Alle haben Fähnchen geschwenkt.  Das damals hat mir jedenfalls viele Türen geöffnet, da bin ich mir sicher.

Allerdings wäre ich jetzt garantiert wieder draußen aus dem ganzen Business, wenn ich nicht permanent nachgelegt hätte. Ich habe mich immer weiter neu definiert, den Geist offen gelassen, mich weiter entwickelt, mit den Leuten Kooperationen gemacht, ich habe mit Jazzkantine und Klaus Doldinger zusammengearbeitet, Till Brönner, Nils Landgren …

Max, du kennst sie alle!!

(lacht) Ja! Ich staune auch manchmal! Ich bin sooo stolz darauf und bedanke mich dafür – bei wem eigentlich? - jeden Abend, bevor ich ins Bett gehe. Ich kenne diese Namen teilweise aus meiner Kindheit, und dann denke ich schon, ey, wie geil ist das eigentlich? Andere kannte ich natürlich noch nicht als Kind, mit denen ich jetzt zusammengearbeitet habe, Cassandra Steen oder Thomas D zum Beispiel.  Ein großartiges Erlebnis war, als ich mal bei einer Sendung war, bei der auch Michael Bublé war ...

... ja, "Singing my Song" ist ja auch auf deinem neuen Album.

Genau, ursprünglich von Ray Charles, genau. Also, was ich eigentlich sagen wollte, war, dass ich durch diese Fernsehpräsenz ganz sicher so viele Leute kennengelernt habe, wie es sonst vielleicht nie der Fall gewesen wäre. Nehmen wir Götz Alsmann, genialer Musiker, den mag ich schon lange, obwohl ich jetzt nicht behaupten würde, dass ich den schon als Kind verstanden habe, dafür macht er viel zu intelligente Sachen. Aber da habe ich gemerkt, dass meine Eltern und mein ganzes Umfeld schon immer so einen Respekt vor dem hatten, das konnte ich als Kind natürlich spüren, nicht wissen, aber spüren.

Ich bedanke mich - bei wem eigentlich?
Ich bedanke mich - bei wem eigentlich?

Jetzt ist es eine unglaubliche Ehre, mit wem ich alles zusammenarbeiten darf, das ist doch undenkbar, wenn man aus so einer Show raus kommt und dann geht das so ab.

Das heißt, du stehst der Casting-Show-Flut, die es im Moment ja durchaus gibt, trotzdem eher skeptisch gegenüber, obwohl es bei dir so funktioniert hat?

Ja, irgendwie schon, ich meine, viele haben auch das falsche Management, bei mir ist einfach alles gutgegangen (lacht). Ich versteh' auch total, wenn junge Leute sowas heute mal mitmachen wollen, das ist ein Riesenspaß! Man sollte sich nur im Klaren darüber sein: Was ist der Worst Case? Und der Worst Case ist, dass du gewinnst! Wenn du da gewinnst, bist du dein Leben lang dieser Casting-Show-Gewinner, du kommst nicht weg davon. Ich hatte einfach ne ganz tolle Show, dann kam der Grand Prix, der davon abgelenkt hat, und erst acht Monate später haben wir das Album rausgebracht, das trotzdem auf Platz eins ging. Und trotzdem hatte ich noch ein paar Jahre damit zu kämpfen, mit diesem Casting-Stempel. Ich denke schon, dass ich auf eine gewisse Art und Weise auch ganz unten wieder angefangen habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich jedem zeigen muss, dass ich nicht nur so ne Trenderscheinung bin und wirklich Musik machen kann!

Vielleicht könnte man sagen, dass das eine Verkettung vieler glücklicher Umstände war?

Ja, bestimmt. Dazu kommt ganz sicher auch, dass der Stefan und ich tatsächlich sehr gut miteinander konnten – und immer noch können. Ich habe die ersten beiden Alben intensiv mit ihm zusammen erarbeitet, und nach dem zweiten musste das dann aber mal beendet werden, ich musste mich schließlich auch von ihm emanzipieren (lacht). Ich will nur sagen: Das war eine bestimmte Zeit, ich vergesse nie meine Wurzeln, aber es ist immer gut, sich weiter zu bewegen.

Und dann hast du auch noch dein Abi gemacht! Bewundernswert!

(lacht) Danke, ist das jetzt ein Kompliment oder doch eher "mein Gott, ist der grauenhaft vernünftig" gemeint?

Das meine ich natürlich als Kompliment! War das nicht anstrengend?

Ja, aber ich habe viel Hilfe bekommen, mein Management hat auch gesagt, mach' erstmal dein Abi, ich hatte also keinen Druck, auch wenn ich schon wusste, dass ich jetzt natürlich Musik machen will. Außerdem wollte ich einfach nicht der Schlagzeuger mit dem Hauptschulabschluss bleiben, das ist doch eine ganz schön krasse Kombination (lacht). Ich wollte mich auch nicht von einer Show aus meinem Bildungsbestreben abbringen lassen.

Trotzdem mal wieder zurück zur Musik – was war ausschlaggebend für dein Album? Ein paar Cover sind drauf, eigene Stücke auch, wie ist das alles zustande gekommen?

Also, nehmen wir "Me and Mrs. Jones", das ist einfach einer meiner Lieblingssongs in den letzten zwei Jahren, der musste natürlich da rauf. Den haben sich die Hörer mal bei einer Promotion-Geschichte im Rahmen einer Radiosendung gewünscht, ich glaube in Köln war das. Den Song hatten wir zwar gar nicht auf dem Zettel, aber da mussten wir dann durch, haben ein bisschen geprobt, und seitdem gehört der zu meinen Lieblingsliedern. Der ist zwar irre schwer zu singen, aber ich liebe ihn.

Und da kommen noch so viele andere Nummern, die mich schon als Kind beeinflusst haben: Auch wenn es so mainstreamige Schnulzen sind wie "You are so beautiful", das ist mir egal … Joe Cocker ist so ein lustiger und lockerer Typ, ich liebe einfach, wie er es singt. Ein anderes Beispiel ist "What’s Going On" von Marvin Gaye. Diesen Song hat er 10 Jahre vor meinem Geburtstag geschrieben, und darin geht es um die Rassentrennung, die Hautfarben und die Intoleranz. Das ist heute noch ein Thema. Religion und Politik sind große Themen, und Stress wegen der Hautfarbe, der Religion oder der Liebe gibt es immer. Ich bin ja mit einer ostafrikanischen Frau zusammen, und auch wenn wir nie konkrete Probleme damit hatten, so hab ich trotzdem das Bewusstsein, dass man diese Themen immer ansprechen sollte. 

Du bist ein großer Heimatfreak – du fühlst dich dem Schwarzwald sehr verbunden. Da habt ihr nie Probleme wegen der Hautfarbe deiner Frau oder auch deiner Kinder?

Passt doch super in den Schwarzwald (lacht). Nee, hier sind auch alle Kulturen vertreten, natürlich nicht so wie in einer Großstadt, aber wir gehen damit ganz natürlich um. Es gibt aber manchmal lustige Situation, zum Beispiel die alte Wirtin von einem Gasthaus, wo wir gerne hingehen, hat mal gesagt, als ich da mit meiner Frau aufgetaucht bin: "Ach, das ist sie jetzt also, ihre, äh, ach ja, das ist ja schön, dass sie die mal mitbringen. Spricht sie denn deutsch?" Und meine Frau sagte dann: "Jaja, sie können mit mir reden, ich spreche deutsch." Und die Wirtin sagt dann: "Das ist ja toll, ihre Frau spricht deutsch!" Das meint die nicht böse, das weiß ich, das ist eher so eine komische Situation, die hat halt so ihren Film, wie Schwarze so sind, und den kriegt sie nur schwer aus. Rassismus ist, wenn man es denn so nennen möchte, dann eher eine Art Unwissen, und manchmal ist das eben geradezu komisch. Aber trotzdem, sie sind immer noch da, diese Vorurteile.

Nochmal zurück zu den Songs ….

Das Album ist im Handel.
Das Album ist im Handel.

Mein Manager, der Alexander, der ist ein unfassbares wandelndes Lexikon der Musikgeschichte, und der hat mir Songs nahegebracht, die ich noch gar nicht so kannte. Der hat Sachen erlebt, da träumt man von, und der ist mir eine große Hilfe, weil er eine unglaubliche Weitsicht hat und überhaupt kein Jazzer ist. Der hat mir die Songs geschickt von Humpe, Madsen, Klee, und die haben mich ins Herz getroffen, das weiß der schon bei der Vorauswahl. Er hat ein sehr gutes Händchen für die Auswahl.

Hat voll funktioniert! Es heißt, dass du die Stücke anderer Künstler problemlos zu "deinen" Songs gemacht hast.

Oh, schön, danke. Gerade bei Seligs "Ohne dich" und "Creep" von Radiohead haben mich viele gewarnt, wie man sich da denn nur rantrauen könnte - warum muss er sich denn so aus dem Fenster lehnen - aber ich hab' auch gehört, dass es dann doch ein paar Leuten gefallen hat (lacht).

Besonders auffällig ist dein Song mit Thomas D.

Ja, "Du bist zu sexy", das war großartig beim Aufnehmen. Wir haben echt überlegt, wie wir da rangehen können. Wir wollten bei dem Song nicht wirken wie zwei lechzende Hunde, die einer Frau hinterherhecheln - deswegen ist da diese Männer-Liebe-Variante entstanden. Und die ist begründet in einer Meldung aus einer Zeitung, in der ein Arzt behauptete, dass Homosexualität eine Krankheit ist, die geheilt werden kann. Ich fand das so verstörend, dass gut gebildete Menschen, die durchaus aufgeklärt sein müssten, das als Wahn sehen, den man ausmerzen muss. Wenn man sich das mal im Praktischen vorstellt, wie verunsichernd das für junge Leute ist, wenn sie homosexuelle Neigungen entdecken und dann hören, dass sie dagegen eine Pille nehmen sollen, das ist doch der Wahnsinn. Wir wollten unbedingt mit für eine Akzeptanz gegenüber Homosexuellen sorgen. Wir haben uns allerdings beim Schreiben jeder eine unfassbar sexy Frau vorgestellt (lacht). 

Apropos sexy Frau: Darum geht es auch in "Marie", darum, dass man manchmal lieber die Finger von jemand anderem lassen sollte. Was hat deine Frau zu diesem Text gesagt?

Ach, diese Situationen kennt wirklich jeder, oder? Wenn man jemanden kennenlernt, obwohl man in einer festen Beziehung ist, und dann aber für nichts garantieren kann? Dann sollte man sich auf dem Absatz umdrehen und nicht zurückgucken. Das ist doch ein Scheißgefühl. Man weiß doch, was man zu verlieren hat. Oft ist die Vernunft nicht da.

Sind deine Kinder musikalisch? Müssen die Klavier, Blockflöte oder Gitarre lernen?

Nein nein nein - also, wenn ich von meinen Eltern etwas gelernt habe, dann, liberal zu sein. Wir sind sechs Geschwister, und klar, der Menzel ist jetzt als Trompeter auf meinem Album mit drauf, aber die anderen machen alle völlig andere Dinge, und unsere Eltern haben uns immer gelassen. Es reicht, ein Herz für Musik zu haben.

Dann hast du ja coole Eltern ...

Ja, total, ich hoffe, ich werde auch so sein, wenn es hart auf hart kommt (lacht).

Noch ein Wort zu "Durch Einander" ...

Das ist ja kein "Durcheinander", sondern ist im Sinne von "Miteinander". Das Album konnte ich nur machen, weil ich "durch" andere so weit gekommen bin, ich hab das ja auch selbst produziert, finanziert, und das kann man nur, wenn man auch Hilfe bekommt, die Betonung auf "Durch Einander" ist also anders.

Wann sehen wir dich?

Im November und Dezember geh' ich auf Tour, da freu' ich mich drauf.

 

Mit Max Mutzke sprach Sabine Oelmann

Max Mutzke, Durch Einander, VÖ: 14.09.2012, Sony Music Classics & Jazz

26.11.12 Fürth/ Commödie
27.11.12 Köln/ Stadtgarten
28.11.12 Hannover/ Pavillion
29.11.12 Berlin/ Babylon
01.12.12 Herford/ Schiller
02.12.12 Hamburg/ Gruenspan
04.12.12 Freiburg/ Jazzhaus
05.12.12 Mainz/ Frankfurter Hof
06.12.12 Karlsruhe/ Tollhaus
07.12.12 Ulm/ Roxy
08.12.12 Stuttgart/ das Cann
09.12.12 München/ Theaterfabrik
10.12.12 Wien/ Porgy + Bess
12.12.12 Zürich/ Papiersaal

Quelle: n-tv.de

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