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Eric Claptons legendäres "Slowhand"-Album kommt jetzt mit Bonustracks und einer Gesamtaufnahme des 77-er-Konzerts.
Eric Claptons legendäres "Slowhand"-Album kommt jetzt mit Bonustracks und einer Gesamtaufnahme des 77-er-Konzerts.(Foto: picture alliance / dpa)

Heiß und fettig: Musikalischer Silvesterschmaus

Von Manfred Bleskin

Essen hat in Songs schwarzer Interpreten stets eine große Rolle gespielt. Oft kamen diese aus armen Familien. Ein Buch mit CD enthält köstliche afroamerikanische Rezepte und Musik. Auch der weiße Harry Nilsson entstammt einer armen Familie. Jung verstorben, hinterlässt er ein großartiges musikalisches Erbe.

Liebe geht durch den Magen, und Songs gehen in die Seele. Magen wie Seele sind, wie gemeinhin bekannt, zwei essentielle Bestandteile des menschlichen Wesens. „Soulfood - Food & Music, Fat & Yummy“ verbindet beides miteinander. Sven Christ, Münchnern auch bekannt als DJ Katmando, Koch und Hip-Hop-Fan, hat ein Buch mit Rezepten der afroamerikanischen Küche zusammengestellt. Auf 122 Seiten, jeweils in Englisch und Deutsch, findet der musikbegeisterte Hobbykoch Koch-, Brat-, Dünst-, Grill- und Schmoranleitungen, die es in sich haben.

Der Autor dieser Zeilen ist ein Küchenanalphabet, der schon mal das Wasser anbrennen lässt und zu Meisterschaft es nur beim Zubereiten von Fertiggerichten gebracht hat. Doch wie sagte ihm einst der große Fats Domino aus New Orleans: Am liebsten säße er auf der Veranda seines Hauses, äße ein Steak, „fat and spicy“ - wie man es auch auf einer der Abbildungen des Buches findet - und tränke dazu ein Bier, „ice-cold“.

"Soulfood - Food & Music"

Ein eiskaltes Bier ist denn wohl auch der beste flüssige Begleiter zu Gerichten wie „Chicken’n Beer“, das dem französischen „Coq au vin“, also Huhn oder Hähnchen in Weinsauce, ähnelt. Nur, dass statt des Weins eben der edle Gerstensaft verwendet wird. Oder woraus das Bier in den Südstaaten der USA auch immer gebraut wird. Alkoholitäten sind auch für die Zubreitung eines „Bourbon Hog Head with Cauliflower“, einer Schweinkopfsülze in Bourbon mit Blumenkohl, erforderlich.

Man kann dabei aber sicher auch ein Gläschen Bourbon Whiskey genießen, nehme ich an. Vor- und Nachspeisen hat’s zuhauf im Buch. Besonders munden dürfte „Blueberry Goat Cheesecake“, ein Blaubeerkäsekuchen, schon wegen der Gegensätzlichkeit der Hauptzutaten. Beim Bereiten der Köstlichkeiten lässt es sich gut zur Begleit-CD der Edition lauschen. Fats Domino ist leider nicht dabei. Dafür aber „the late great“ Bo Diddley mit dem Namen gebenden „Soulfood“ und Rufus Thomas, eben jenem, der einst das unvergängliche „Walkin The Dog“ sang und der hier mit „Greasy Spoon“ reüssiert.

Sämtliche Songs handeln vom Essen, das für die arme schwarze Bevölkerung in den Vereinigten Staaten gerade in den Jahren der Großen Depression, aber auch lange darüber hinaus, eine tägliche Sorge darstellte und trotzdem „yummy“ war. Wie das Buch und die CD.

Harry Nilsson - Pechvogel des Pop

Harry Nilsson gehört zu den Pechvögeln des Pop.
Harry Nilsson gehört zu den Pechvögeln des Pop.

Harry Nilsson gehört zu den Pechvögeln der Populärmusik. Anfänglich - seit Mitte der Sechziger - war der 1941 in Brooklyn Geborene als Songschreiber tätig und landete mit dem von den Monkees interpretierten „Cuddly Toy“ einen kleinen Erfolg, der ihm immerhin die für die damalige Zeit beachtliche Summe von 40.000 Dollar einbrachte. Nachdem ihm

R’n’R-Gröler Little Richard - so wird kolportiert - sagte, für einen Weißen würde er ganz gut singen, versuchte er es selbst. Aber erst 1971 gelang ihm sein einziger Nummer-1-Hit. „Without You“, eine Coverversion des Originals der britischen Band Badfinger, an die sich Jahre später auch Mariah Carey heranwagte. Ob die Beatlesfans von Oasis an Nilssons Version von Gordon Lightfoods „Mournin’ Glory Story“ gedacht haben, als sie ihr erstes Album „(What’s The Story?)  Morning Glory“ tauften? John Lennon und Paul McCartney hatten Nilsson immerhin einmal als ihren US-Lieblingssänger bezeichnet.

Genützt hat es dem in ärmlichen Verhältnissen Aufgewachsenen nicht viel. Als der Erfolg immer mehr nachließ, gab er sich dem Teufel Alkohol hin und verstarb 1994. Die vorliegende Edition vereinigt einiges von dem Besten seiner 15 veröffentlichten Langspielplatten. Melodiöser Softrock, mal auch etwas härter wie die Nummer „Vine Street“. Und wenn Sie sich gern an das gerade zu Ende gegangene Weihnachtsfest erinnern, tut Ihnen der Track „Remember (Christmas)“ sicherlich sehr wohl.

Claptons "Slowhand" wiederaufgelegt

Erst Eric Clapton machte Bob Marley berühmt.
Erst Eric Clapton machte Bob Marley berühmt.

Dass Eric Clapton weitaus erfolgreicher war und ist als Harry Nilsson, dürfte Gemeingut sein. Jetzt ist mit „Slowhand“ sein fünftes Studioalbum wiederaufgelegt worden. Die LP erreichte den zweiten Platz der US Billboard 200 Charts. Mit "Lay Down Sally", "Wonderful Tonight" und „Cocaine“ schaffte es Mr. Slowhand gleich dreimal in die Billboard Hot 100. Mit dem Bluesstandard „Alberta“, Gordon Lightfoods „Looking At The Rain“, der Eigenkomposition „Stars, Strays And Ashtrays“ und dem getragenen Stück „Greyhound Bus“ enthält die Ausgabe vier zusätzliche Studioaufnahmen, von denen die drei letzten bislang nicht veröffentlicht waren.

Das gilt auch - zum Großteil - für das berühmte Konzert im Londoner „Hammersmith Odeon“ vom 27.April 1977 auf CD 2. Davon waren bisher nur die Tracks „Tell The Truth“ und „Knocking On Heavens Door“ zugänglich. Sicher: Der Bluesstandard „Stormy Monday“ vom Bluesgiganten T-Bone Walker ist schon von vielen nachempfunden worden. Claptons Interpretation gehört zu den wohl eigenwilligsten und besten Coverversionen. Das Ganze ist fast dreizehn Minuten lang und lässt erkennen, warum der Mann einer der besten Rockgitarristen der Welt ist.

Mit dabei ist auch das auf mehr als 14 Minuten ausgedehnte „I Shot The  Sheriff“ von Bob Marley, das erst durch Claptons Einspielung zum Welthit wurde und dem Mann aus Jamaika zu Weltruhm verhalf. Gleiches gilt für „Cocaine“ von J.J. Cale. Bekanntlich wurde auch der stille Mann aus Tulsa/Oklahoma durch Master Eric ins Licht des Ruhmes geführt. Später nahmen beide mit „The Road To Escondido“ sogar gemeinsam ein Album auf. So, Silvester kann kommen. Mit fettem Essen und fetter Musik!

Quelle: n-tv.de

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