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George Lucas (r.) mit seiner Schöpfung Darth Vader.
George Lucas (r.) mit seiner Schöpfung Darth Vader.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Star Wars" wird 35 Jahre alt: Nerd, ich bin dein Vater!

von Markus Lippold

Raumschiffe, Roboter und ein Orden telepathisch kommunizierender Ritter. Klingt speziell? Die Rede ist von "Star Wars", das vor 35 Jahren in die Kinos kam. Der Film ist Beginn der ungeahnten Karriere der Nerds. "Krieg der Sterne" macht die Außenseiter zu Mainstream und ebnet damit all den Fantasy-Fans und Big-Bang-Theoretikern dieser Welt den Weg.

Han Solo, Leia und Luke (Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill) im ersten "Star Wars"-Film.
Han Solo, Leia und Luke (Harrison Ford, Carrie Fisher und Mark Hamill) im ersten "Star Wars"-Film.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Frage nach den Subunternehmern auf dem zweiten Todesstern ist knifflig. Sind all die Ingenieure und Bauarbeiter unschuldige zivile Opfer, die sterben, als die noch im Bau befindliche Riesenwaffe am Ende von "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" von den Rebellen zerstört wird? Oder ist ihr Tod gerechtfertigt, weil sie sich bewusst in den Dienst der imperialen Macht gestellt haben? Oder waren es gar Zwangsarbeiter, deren Tod zwar schmerzlich, aber nötig war, um das endgültige Ende des Imperiums zu besiegeln?

In dem Film "Clerks" von 1994 werden diese Fragen ernst und heftig diskutiert. In einschlägigen Internetforen findet man sie heute noch. "Star Wars" ist offenbar mehr als ein Stück unterhaltsame Kinogeschichte. Die Erzählung vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse ist längst ein gesellschaftliches Phänomen geworden, das die Popkultur tief geprägt hat, aber eben auch ernsthafte moralische Fragen aufwerfen kann. Und als Namenspate für das von Ronald Reagan initiierte US-Rüstungsprogramm "Strategic Defense Initiative" dient.

Der Sommerblockbuster wird geboren

Heimliche Stars: Auch die beiden Roboter C-3PO (r.) und R2-D2 trugen zum Erfolg des Films bei.
Heimliche Stars: Auch die beiden Roboter C-3PO (r.) und R2-D2 trugen zum Erfolg des Films bei.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Vor 35 Jahren, am 25. Mai 1977, kam "Krieg der Sterne - eine neue Hoffnung", der erste Film der inzwischen sechsteiligen Reihe, in die US-Kinos. In der Bundesrepublik musste man bis zum 2. Februar 1978 warten. Der Film von Regisseur und Autor George Lucas war eine Art Urknall, denn so etwas wie "Star Wars" hatte es bisher nicht gegeben. Und das lag nicht nur daran, dass der Film zusammen mit Spielbergs "Der Weiße Hai" von 1975 den sommerlichen Blockbuster etablierte, der seitdem nicht mehr aus dem Kinojahr wegzudenken ist. "Star Wars" erneuerte auch das Genre des Science-Fiction-Films, das danach einen wahren Boom erlebte (und etwa auch zu den Kinoadaptionen von "Star Trek" oder "Zurück in die Zukunft" führte) und schob die Entwicklung der bis dahin stiefmütterlich behandelten Spezialeffekte an.

Die Raumschiffe, Roboter und Laserschwerter wurden zum Riesenerfolg. Ein Massenpublikum interessierte sich plötzlich für Dinge, die bisher nur Genre-Fans ein Begriff waren. Es war die Stunde der Außenseiter schlechthin: der Nerds und Geeks. Vor "Star Wars" galt der Nerd als Sonderling zwischen Superhelden-Comicsammlung, Elektro-Baukasten, Bibliothek und Rollenspielen wie "Dungeons und Dragons". Er interessierte sich für Technik und Physik, Science-Fiction, Fantasy und Parallelwelten. Doch plötzlich fand er sich inmitten eines Massenphänomens wieder und hatte mitunter den Anschein von Coolness.

Das "Star Wars"-Universum setzt sich im Kinderzimmer fort.
Das "Star Wars"-Universum setzt sich im Kinderzimmer fort.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Dazu trug auch bei, dass "Star Wars" nicht nur zeigte, wie viel Geld sich an den Kinokassen verdienen ließ, sondern auch in Sachen Merchandising neue Maßstäbe setzte: vom T-Shirt über die Action-Spielfigur bis zum Darth-Vader-Helm zog das Filmuniversum in die Kinderzimmer ein - oder, ungeöffnet in der Originalverpackung, in die Vitrinen der Erwachsenen. Spielzeug wurde zum Sammler- und Kultobjekt, mit dem Nebeneffekt, dass man nicht nur an Karneval auf etliche verkleidete Darth Vaders und imperiale Soldaten treffen kann.

Computer, Videospiele und Internet

"Star Wars" machte Geeks und Nerds zwar noch nicht zu den neuen Helden, aber bis dahin dauerte es auch nicht mehr lange. Der "Krieg der Sterne" war ja nach einem Film auch noch nicht beendet, vielmehr machte der Erfolg des ersten Teils die Filmtrilogie in Hollywood hoffähig: "Das Imperium schlägt zurück" und "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" folgten 1980 und 1983. Sie gingen mit dem einsetzenden Boom von Heimcomputern und Videospielen einher. Nerds wurden vielleicht noch als Sonderlinge angesehen, doch sie waren auf der Höhe der Zeit und anderen weit voraus. Digitale Revolution und Internet verstärkten in den 90er Jahren diesen Vorsprung noch.

Kleine Anmerkung am Rande: Auch das Böse muss mal.
Kleine Anmerkung am Rande: Auch das Böse muss mal.(Foto: picture alliance / dpa)

Und "Star Wars"? Mastermind George Lucas schickte sich nach 16 Jahren an, seine Saga weiter zu erzählen, oder besser gesagt: die Vorgeschichte der Originaltrilogie zu verfilmen. Zwischen 1999 und 2005 entstanden drei weitere Filme (von den technischen Neueditionen bis hin zu 3D und der Trickserie "The Clone Wars" ganz zu schweigen). Die Spannung, die im Vorfeld der Premiere von "Die dunkle Bedrohung" 1999 geschürt (und im Nachhinein angesichts des Ergebnisses teilweise enttäuscht) wurde, entsprach dem Status, den die Originaltrilogie inzwischen hatte. Sie war zum kulturellen Code geworden, ihre Symbole zum Allgemeingut.

Sätze wie "Luke, ich bin dein Vater" und "Möge die Macht mit dir sein", die Phrase von der "dunklen Seite der Macht" oder die verquere Sprache von Jedi-Meister Yoda ("Viel zu lernen du noch hast.") wurden inzwischen unzählige Male zitiert. Gleiches gilt für Lichtschwerter, die Frisur von Prinzessin Leia oder die blecherne Stimme Darth Vaders, der zur Inkarnation des Bösen avanciert ist. Auch unzählige Parodien in Film und Fernsehen existieren, von ganzen Spielfilmen wie "Spaceballs" über Persiflagen als Trickfilm wie bei "Family Guy" bis zu kleinen Anspielungen wie das ins Bild fliegende Raumschiff aus dem -Video "Intergalactic".

Jedi-Kult und Urknall-Theorie

Es verwundert also nicht, dass vor den Premieren der neuen "Star Wars"-Trilogie Fans tagelang vor den Kinos übernachteten, um sich den Streifen dann als ihre Lieblingsfiguren verkleidet anzuschauen. Es überrascht nicht, dass fast 400.000 Briten bei der Volkszählung 2001 den Jedi-Kult als Religion angaben, was ihn zur viertgrößten "Glaubensgemeinschaft" des Landes machte, noch vor Buddhismus und Judentum. "Star Wars" ist Konsens geworden, sei es aus Alberei oder popkulturellem Interesse.

Den Nerds und Geeks kann es recht sein. Sie sind heute angesichts ihres technischen Wissens geachtet, als Hacker gleichermaßen gefürchtet und sie schicken sich auch an, in Form der Piratenpartei die Parlamente zu erobern (was weder heißen soll, dass die Piratenpartei nur aus Nerds besteht, noch, dass sich alle Nerds mit der Piratenpartei identifizieren). Diesen Stand hätten sie vielleicht auch ohne "Star Wars" erreicht, nur sicher nicht so schnell - und definitiv ohne Lichtschwert.

Zugespitzt gesagt: Ohne "Krieg der Sterne" hätten die Verfilmungen von "Herr der Ringe" und "Harry Potter" nicht diesen Erfolg gehabt. Ohne den "Krieg der Sterne" würde man die Stirn runzeln, wenn einem Zauberer und spitzohrige Elben auf der Straße begegnen. Ohne "Star Wars" würde eine Fernsehserie wie "The Big Bang Theory" nicht existieren, in der die Hauptfiguren in Comic-Bettwäsche schlafen und Witze über Dos-Befehle und Pi machen. Ob sie auch über die Subunternehmer auf dem zweiten Todesstern diskutieren? Man müsste sie mal fragen.

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Quelle: n-tv.de

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