Unterhaltung

Ostermusik 2013: Old Socks, nice Tunes

Von Manfred Bleskin

Alte Socke titelt Eric Clapton seine neue CD. Auch von seinem Namensvetter Burdon und ELP-Veteran Greg Lake gibt es zum Osterfest Feinstes vom Feinen. Alterswerke? Keineswegs. Man wünschte sich von manch Jungen so viel Humor, gepaart mit Sanges- und Spielfreude.

Beginnen wir mit der ersten der alten Socke und dem Namensgeber: Eric Clapton, der auf seinem 21. Studioalbum ein paar Genossen aus der guten, alten Zeit zum Zuge kommen lässt. So unter anderem Paul McCartney mit Stimme und Standbass in dem Stück "All Of Me" und Steve Winwood auf der Hammondorgel in "Still Got The Blues" aus der Feder des großen Gary Moore selig. Oder Taj Mahal, den Bluesmann, der gleich im Opener "Further On Down The Road" mit Banjo und Mundharmonika zu hören ist. Klar, dass J.J. Cale dabei ist. Der stille Mann aus Oklahoma singt und spielt Gitarre in der Aufnahme des auch von ihm verfassten Songs "Angel". Das unsterbliche "Goodnight Irene" des ebenso unvergänglichen Leadbelly interpretiert Clapton in gewohnt eigenwilliger Weise. Er versteht es halt, aus Vorlagen stets etwas Neues zu machen. Das gelingt ihm beim Countrytrack "Born To Lose", das einst Hank Snow und Hank Williams groß gemacht hat, nicht ganz. Aber "Good ole Country" von Mister Slowhand ist doch auch mal etwas ganz Anderes.

Eric Burdon: "'Til The River Runs Dry"

Altsocke Nummer zwei ist Eric Burdon, einst Sänger der legendären Animals aus dem nordenglischen Newcastle und später bei der US-Soulband War, dessen kehlige Stimme – fast – immer noch so dröhnt wie in den "Roaring Sixties". Die Scheibe ist stellenweise ein wenig moralisierend-nachdenklich angelegt. Im Song ""27 Forever" erinnert er daran, dass Rockstars wie Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, Brian Jones, Robert Johnson, Kurt Cobain und Amy Winehouse allesamt im Alter von 27 Jahren aus dem Leben gingen.

Burdon weiß, wovon er spricht: Er selbst hatte eine Phase, in der er zum Teufel Alkohol betete und sich von Marihuana ernährte. Und in "Water", einer rockigen Nummer, mahnt er zum vernünftigen Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource. "The Devil And Jeus" ist eine andere Form davon zu berichten, dass man sich wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde fühlen kann. Sein "Bo Diddley Special" ist eine Hommage an den Mann, der Burdon und seine Animals in den frühen 60ern einmal zusammen mit dem berühmten Maracas-Spieler Jerome Green traf, und der zu seinen großen Inspirationen zählte. Übrigens hat Master Eric schon einmal so etwas gemacht: 1964 veröffentlichten er mit seinen Animals auf ihrer ersten LP einen Song mit dem Titel "The Story of Bo Diddley", deren Rhythmus wie beim vorliegenden "Special" durch den synkopischen "Bo Diddley Beat" (Schlag Schlag Schlag Pause Schlag Schlag) geprägt ist.

Greg Lake: "Songs Of A Lifetime"

Altsocke Nummer drei: Greg Lake, Bassist und Stimme der Supergroup Emerson, Lake & Palmer. Der Mittsechziger singt und erzählt sein Leben in einer Band, die ganz sicher zu den hervorragendsten Vertreterinnen des Progressive Rock gehört. Wer wissen will, wie sich Greg fühlte als ihn sein Manager in ein Elvis-Konzert schleppte, wie der wohl bekannteste ELP-Track "Lucky Man" entstand, für den ist die Scheibe à la "Storyteller" von Kinks-Mastermind Ray Davies genau das Richtige.

Zugegeben: Master Greg ist nicht ganz so eloquent wie der wohl englischste aller englischen Songschreiber. Aber schmunzeln kann man allemal, wenn Lake verrät, dass er die Ballade vom glücklichen Mann mit zwölf Jahren geschrieben hat, und dass Keyboarder Keith Emerson ihn  einfach Sch ... fand und sich in den nächsten Pub verzog. Als Greg und Trommler Carl Palmer das Stück dann allein eingespielt hatten, Keith es hörte und meinte, er müsse doch auch dabei sein, entstand – en passant - eines der ersten und wundervollsten Moog-Synthesizer-Solos der Rockgeschichte. Fazit: Alte Socken, tolle Musik.

Quelle: n-tv.de

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