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Ein ungleiches Paar: Ralph und Vanellope von Schweetz.
Ein ungleiches Paar: Ralph und Vanellope von Schweetz.(Foto: Walt Disney Pictures)

Randale auf dem Retro-Level: Ralph reichts!

Von Volker Probst

Die Idee klingt vielversprechend. Ein Animationsfilm, der die Computerspiele unserer Kindheit zu neuem Leben erweckt - durch einen Typen, der aus seinem ollen Spiel in die bunte Arcade-Welt von Pac-Man, Donkey Kong und Super Mario aufbricht. Doch kann "Ralph reichts" die Erwartungen erfüllen?

Mario motzt? Pac-Man poltert? Donkey Kong desertiert? Nein, Ralph reichts! Ralph, das ist eine Computerspielfigur, die seit 30 Jahren in ihrem Acht-Bit-Game sozusagen die Arschkarte hat. Denn Ralph, auch genannt Randale-Ralph (im US-Original Wreck-It-Ralph), hat nur eine Bestimmung: zu zerstören, was nicht niet- und nagelfest ist. Sein Gegenspieler ist Fix It Felix Jr., nach dem das Spiel natürlich auch benannt ist.

Es ist hart, ein Bösewicht zu sein.
Es ist hart, ein Bösewicht zu sein.(Foto: Walt Disney Pictures)

Der gute Felix macht alles wieder heile, was der böse Ralph ramponiert hat. Dafür wird er nicht nur von echten Humanoiden geliebt, die ihn mit dem Joystick des Daddelautomaten steuern, sondern auch von seinen verpixelten Freunden in der Spielewelt. Felix ist smart. Felix wohnt, wenn der Automat nicht benutzt wird, im schicken Penthouse. Und wenn Felix wieder einmal so richtig gut gewerkelt hat, dann bekommt er eine schicke Medaille. Und Ralph? Er ist grobschlächtig. Er wohnt auf der Müllkippe. Und er wird von allen verachtet. Dabei wäre er doch auch nur allzu gern einmal der Gute.

Was läge da nicht näher, als seine Siebensachen zu packen und sein Glück an einem anderen Ort zu suchen? Gesagt, getan. Durch das Kabel wandert Ralph zur "Game Central Station", die alle Spiele in der Daddelhalle miteinander verbindet. Nach einem turbulenten Ausflug in das Science-Fiction-Game "Hero's Duty" landet er schließlich in der zuckersüßen Welt des Rennspiels "Sugar Rush" - und bei der frechen Göre Vanellope von Schweetz. Weil sie einen Programmierfehler hat, lassen sie die anderen Fahrerinnen nicht am Rennen teilnehmen. Doch genau das ist ihr Traum. Also schmieden sie und Ralph eine Allianz. Kann er ihr zurück ins Geschäft helfen? Und ergattert nun auch er endlich mal eine Medaille?

"Bist du ein Penner?"

"Der Film ist einer der witzigsten, an denen ich je beteiligt war - und dabei so was von clever und wunderschön", sagt John Lasseter, der ausführende Produzent von "Ralph reichts". Auf sein Urteil sollte eigentlich Verlass sein. Schließlich hat er sich sowohl bei Disney als auch bei der Animationsschmiede Pixar schon zahlreiche Meriten verdient - nicht nur als oberster Kreativchef der beiden Unternehmen, sondern auch durch sein direktes Mitwirken an legendären Streifen wie "Findet Nemo", "Toy Story" oder "Monster AG". Ebenso sollte der Regisseur des Films für Qualität bürgen - Emmy-Preisträger Rich Moore verdingte sich in der Vergangenheit nicht zuletzt mit Arbeit an Folgen von "Futurama" und den "Simpsons". Und er packt sogar noch eine Schippe drauf: "Bei uns erwartet die Zuschauer natürlich Comedy und Action, die besten Animationen, die man derzeit sehen kann, und ein Spektakel, das sogar mich noch aus den Socken haut."

So sieht es aus, wenn sich die "Anonymen Bösewichte" treffen.
So sieht es aus, wenn sich die "Anonymen Bösewichte" treffen.(Foto: Walt Disney Pictures)

Klappern gehört zum Handwerk. Erst recht, wenn es darum geht, einen neuen, aberwitzig teuren Kinofilm zu bewerben. Doch wer wollte zwei solchen Schwergewichten schon widersprechen? Nun ja, wir. Zumindest ein bisschen. Stimmt schon, der Streifen beinhaltet wirklich witzige Passagen. Zum Beispiel die, in der Ralph unter anderem mit einem Geist aus Pac-Man, Bowser aus Super Mario oder dem "Street Fighter" Zangief in einer Selbsthilfegruppe für Bösewichte zusammensitzt. Oder die, in der er zum ersten Mal seiner neuen Freundin Vanellope an einer Zuckerstange hängend begegnet und sie ihn fragt: "Bist du ein Penner?" Leider jedoch überdreht der Humor an manchen Stellen. Die deutsche Synchronisation trägt dazu ein Stück weit bei. Christian Ulmen (Ralph) klingt ein wenig zu sehr wie Christian Ulmen. Und Anna Fischer (Vanellope von Schweetz) - von Natur aus nicht gerade eine Leisetreterin - übertreibt es hier und da schlicht mit der Rotzigkeit.

Acht-Bit in 3D

Für Kinder ist das sicher okay. Aber genau darin liegt die Crux. Wie viele Animationsfilme versucht "Ralph reichts" den Spagat, ein Film für Groß und Klein zu sein. Dementsprechend brauchen Kinder die diversen Anspielungen auf die gute alte Arcade-Zeit auch nicht zu verstehen, um an dem Film ihren Spaß zu haben. Die etwas älteren Semester indes werden sich freuen, alte Videospiel-Charaktere wie zum Beispiel auch Q-Bert oder Sonic the Hedgehog vorbeistreunen zu sehen. Aber eben auch nicht viel mehr als vorbeistreunen. "Sugar Ray" - von dem Spiel haben Sie noch nie gehört? Können Sie auch gar nicht. Denn das wurde ebenso neu für den Film erfunden wie das Game "Fix It Felix Jr.", auch wenn dessen Design ein wenig an Donkey Kong angelehnt ist.

Nein, ein Feuerwerk der Erinnerungen wird trotz der an vielen Stellen eingestreuten Reminiszenzen nicht abgefackelt. Möglicherweise wäre das der wogenden Handlung auch im Wege gestanden. Eine "Riesenüberraschung" werde für alle sein, wie "großherzig" der Film sei, meint John Lasseter. Damit hat er recht. Liebevoll gezeichnet sind die Charaktere in bester Disney-Tradition allemal - mit dem Pixar-Schelm im Nacken. Nur in das reale Arcade-Zeitalter hätte das Acht-Bit-Setting des Films im schick-modernen 3D ruhig noch etwas tiefer eintauchen können. Manchmal ist mehr dann eben auch mehr.

Bilderserie
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Quelle: n-tv.de

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