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Russell Crowe, wie man ihn bisher noch nicht kannte - als Neonazi in "Romper Stomper".
Russell Crowe, wie man ihn bisher noch nicht kannte - als Neonazi in "Romper Stomper".(Foto: Capelight)

Russell Crowe als Vorzeige-Nazi: "Romper Stomper": Jeder gegen jeden

Von Thomas Badtke

Ende der 1980er erschüttern mehrere Neonazi-Übergriffe Australien. Ein einheimischer Film-Regisseur greift das Thema auf. Mit einem international noch völlig unbekannten Jungschauspieler entsteht ein mehrfach ausgezeichneter, aber auch heftig kritisierter und danach zum Teil indizierter Film. Er ist der Startpunkt von Russell Crowes Karriere.

So sehen australische Skins aus: Handos Gang.
So sehen australische Skins aus: Handos Gang.(Foto: Capelight)

Wann haben Sie Russell Crowe zum ersten Mal wahrgenommen? In Ridley Scotts Meisterwerk "Gladiator"? Für die Rolle des Maximus erhielt Crowe damals den Oscar. Das war 2000. Vielleicht kennen Sie ihn aber auch schon seit "L.A. Confidential"? Das war dann immerhin 1997. "A Beautiful Mind" und "Insider" sind weitere bekannte Crowe-Filme um die Jahrtausendwende, mit denen er sich sowohl in die Köpfe der Kritiker als auch in die Herzen eines breiten Publikums gespielt hat. In Australien ist er damals schon längst ein Star.

Bereits Ende der 1980er taucht er dort in der berühmten TV-Serie "Nachbarn" auf, die auch Kylie Minogue zum Durchbruch verholfen hat. Musicalerfahrung kann er auch schon vorweisen, ebenso wie Auszeichnungen der australischen Filmindustrie. Als Sänger hat er sich ebenfalls erste Meriten verdient. Eine beachtliche Karriere also, aus der ein Film aber herausragt: "Romper Stomper".

"Romper Stomper" ist bei Capelight erschienen.
"Romper Stomper" ist bei Capelight erschienen.(Foto: Capelight)

"Romper Stomper" bedeutet übersetzt so viel wie "Ausländer stampfen" und ist Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er ein sehr beliebter Zeitvertreib unter australischen Neonazi-Skinheads. Ein gesellschaftliches Problem, das Regisseur Geoffrey Wright filmisch aufgreift und damit für Schlagzeilen sorgt. Wer die Anfangssequenz des Films sieht, der in Deutschland für 16 Jahre auf dem Index landet und deshalb in der Neonazi-Szene - nicht nur hierzulande - einen gewissen Kultcharakter genießen soll, weiß sofort warum.

Australischer Ausländerhass

Mehrere heruntergekommene Skins prügeln und treten darin in einer versifften und vergessenen Ecke Melbournes auf ein junges vietnamesisches Pärchen ein. So richtig ab geht der rechte Mob erst, als ihr Opfer am Boden liegt und sich bereits vor Schmerzen krümmt. Die Ersten werden den Film jetzt bereits ausschalten und sagen: "Was soll dieser Mist?" Der Filmbeginn ist eine gewollte Provokation Wrights. Wieso die Bildsprache also abschwächen und die damalige Realität beschönigen?

Spaß versteht Hando nicht.
Spaß versteht Hando nicht.(Foto: Capelight)

Mittendrin im tretenden Skin-Mob: Russell Crowe. Jung, glatzköpfig, tätowiert, angsteinflößend. Dieser Crowe hat so gar nichts gemein mit dem zotteligen Journalisten aus "State Of Play" oder dem schnieken Londoner Banker aus "Ein gutes Jahr". Crowe ist Hando, der Anführer der Skin-Bande. Ein harter noch dazu. Sie sind nicht viele, aber eine verschworene Gemeinschaft. Sie hängen zusammen ab, haben ihre Stammkneipe und wenn ihnen ein "Fidschi" über den Weg läuft, sollte er besser schnell rennen können.

Die Phrasen, die die Gruppe drischt, passen sinngemäß auch in das damalige Rostock-Lichtenhagen: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeit weg", "Australien den Australiern", "Fidschis dahin zurück, wo ihr hergekommen seid". Dazu passend: Wrights dumpfe Schwarz-Weiß-Optik. Farben bedeuten ein glückliches Leben - und das haben Hando, sein bester Kumpel Davey (Daniel Pollock) und der Rest der Gang nicht, denn immer mehr Vietnamesen tauchen in "ihrem Viertel" auf.

Davey und Hando: Freunde bis zum bitteren Ende
Davey und Hando: Freunde bis zum bitteren Ende(Foto: Capelight)

Die Lage eskaliert, als der Wirt ihrer Stammkneipe diese an einen Vietnamesen verkauft, der daraus ein Restaurant für seine Söhne machen will. Die Skins bekommen das mit und machen Jagd auf die noch jugendlichen Söhne. Aber diesmal wird zurückgeschlagen. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht des rechten Angriffs - und ehe sich Hando und seine Glatzen versehen, stehen sie einer Übermacht gegenüber. Einer Übermacht zudem, die die Schnauze von den prügelnden Skins gestrichen voll hat. Gefangene werden nicht gemacht.

Gewalt als einzige Lösung

Hier dürften wieder einige Zuschauer angewidert abschalten: Steine fliegen, Messer werden gezückt, Baseballschläger und Eisenstangen werden geschwungen, Blut fließt nicht, es spritzt. Ein Skin nach dem anderen geht zu Boden, wird auf der Flucht gestellt, die nackte Panik im Gesicht. Hando, Davey, die neu dazugestoßene Gabe (Jaqueline MacKenzie) und noch ein, zwei weitere Skins entkommen. Ihre stillgelegte Fabrikhalle, in der sie hausten, geht in Flammen auf. Eine neue Zuflucht ist schnell gefunden, die alten Besitzer werden kurzerhand gewalttätig "zwangsenteignet".

Handos Skins werden aufgerieben. Er selbst bricht mit seinem besten Freund Davey.
Handos Skins werden aufgerieben. Er selbst bricht mit seinem besten Freund Davey.(Foto: Capelight)

Zeit zum Durchatmen? Von wegen. Wright heizt die Intensität weiter an, treibt die prekäre Lage nochmals ein Stückchen weiter auf die Spitze: Handos Führung ist nach dem blutigen Kampf mit dem Vietnamesen-Mob nicht mehr unumstritten. Die Gruppe zerfällt zusehends, auch weil Hando Schusswaffen besorgen will, um sich an den "Fidschis" zu rächen. Zudem bekommt auch die Freundschaft zwischen ihm und Davey Risse, denn Davey hat sich in Gabe verliebt, auf die eigentlich Hando Ansprüche erhebt. Als Hando sie daraufhin mit hohem Bogen aus der Gruppe wirft, rächt sich die eigentlich aus reichem Haus stammende Gabe: Sie verpfeift "ihre" Jungs bei den Bullen. Die rücken an und schießen, bevor sie Fragen stellen. Der jüngste Skin stirbt. Nun sind nur noch Hando, Davey und Gabe übrig, und mit der hat Hando noch eine Rechnung offen …

"Romper Stomper" ist so gewalttätig wie sein Titel. Er ist dank Russell Crowe aber auch ein Klassiker und ein Film, der auch 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung für Gesprächsstoff sorgt. Die ungeschönte kompromisslose Brutalität, die Regisseur Wright ohne mit der Wimper zu zucken aufbietet, ist für jeden Zuschauer wie ein ungebremster Schlag mit einem Dampfhammer direkt in die Magengrube.

Nun könnte man sagen, dass man den Film getrost beiseitelegen und sich schöneren und gewaltloseren Streifen widmen könnte - wenn das Thema nicht noch immer brandaktuell wäre. "Romper Stomper" sollte daher eher als immerwährende Mahnung verstanden werden. Und wenn Sie Russell Crowe demnächst in "Les Misérables" sehen, denken Sie kurz an die filmischen Anfänge des Hollywood-Superstars zurück - die Gegensätze könnten nicht größer sein. 

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Quelle: n-tv.de

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