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Auge in Auge mit dem Tod: Die Flutwelle kommt und nichts kann sie aufhalten.
Auge in Auge mit dem Tod: Die Flutwelle kommt und nichts kann sie aufhalten.(Foto: Concorde Home Entertainment)

Wuchtig, mitreißend, emotional: "The Impossible": Wenn der Tsunami dich überrollt

Von Thomas Badtke

Ein schweres Erdbeben im Indischen Ozean sorgt am 26. Dezember 2004 für die größte Tsunami-Katastrophe aller Zeiten. In Südostasien sterben mehr als eine Viertelmillion Menschen, die meisten in Indonesien. Betroffen sind aber auch beliebte Urlaubsregionen in Thailand, sodass auch viele Touristen aus aller Welt zu den Opfern zählen. Der Jahrhundert-Tsunami überrascht auch Familie Bennett.

"The Impossible" ist bei Concorde Home Entertainment auf Blu-ray und DVD erschienen.
"The Impossible" ist bei Concorde Home Entertainment auf Blu-ray und DVD erschienen.

Es sind die Weihnachtsfeiertage 2004, als die Katastrophe über Südostasien hereinbricht. Sie kommt ohne Vorwarnung. Erst bebt die Erde, dann kommt die Flut. Schnell und unaufhaltsam frisst sie sich ihren Weg in das Landesinnere Indonesiens und anderer Länder. Auch das bei westlichen Touristen beliebte thailändische Urlaubsziel Khao Lak, eine Stunde nördlich von Phuket gelegen, wird überrollt und zerstört. Das menschliche Leid danach ist riesig, ebenso wie die Hilfsbereitschaft weltweit. Genug Stoff also, um daraus ein topbesetztes Katastrophendrama zu drehen. Herausgekommen ist "The Impossible".

Regisseur Juan Antonio Bayona ("Das Waisenhaus") hat bei dieser internationalen Großproduktion ganze Arbeit geleistet. Der Film basiert auf der wahren Geschichte einer Spanierin, die die Naturkatastrophe damals überlebte. Das sticht dem Zuschauer sofort ins Auge, wenn "The Impossible" beginnt. Die Ambivalenz des Titels zur Story muss einen dabei nicht stören. Dass der Film ein Happy End hat, kann man da zwar bereits ahnen, aber Bayona schafft es blendend, dieses zu hollywoodeske Klischee zunächst in den Hintergrund treten zu lassen. Vielmehr sendet er dem Zuschauer böse Vorahnungen, wenn das Flugzeug mit der fünfköpfigen Familie auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub über die Weihnachtsfeiertage von heftigen Turbulenzen gepackt wird.

Maria kann nur hilflos zuschauen, als die Flutwelle anrollt.
Maria kann nur hilflos zuschauen, als die Flutwelle anrollt.(Foto: Concorde Home Entertainment)

Was danach folgt, ist Geschenke auspacken und sich in der Sonne des wohlbehüteten Ferienressorts aalen. Plantschen im überdimensionierten Pool inklusive. Doch damit hat es sich auch schon mit der werbewirksam in Szene gesetzten Tourismusidylle. Plötzliche Stille. Durchbrochen nur von ein paar wild kreischenden Vögeln. Ein banger Blick in den blauen Himmel, dann zum Horizont. Ein Schrei. Und danach nur noch Wasser.

Familie über alles

Henry erkennt die nahende Katastrophe und will seine jüngsten Söhne um jeden Preis schützen.
Henry erkennt die nahende Katastrophe und will seine jüngsten Söhne um jeden Preis schützen.(Foto: Concorde Home Entertainment)

Henry Bennett (Ewan McGregor; "Perfect Sense", "Lachsfischen im Jemen") packt im Pool seine beiden jüngsten Söhne Thomas (Samuel Joslin) und Simon (Oaklee Pendergast), während seine Frau Maria (Naomi Watts; "Ring", "Mulholland Drive") noch versucht, den größten Sohn Lucas (Tom Holland) zu warnen, ehe sie alle von der Wucht der Monsterwelle verschluckt und weggeschwemmt werden. Spätestens da blickt der Zuschauer gebannt auf den Bildschirm.

Bayona hat bei der Inszenierung des Tsunamis in die Vollen gegriffen. Ein Großteil des rund 45-Millionen-Dollar-Budgets dürfte für die Wassermassen und deren Verwüstungen draufgegangen sein. Dabei setzen Bayona und sein Stab aber nicht auf Computertechnik, sondern auf Modelle und einen herkömmlichen Wassertank - sowie auf eine bedrohliche Geräuschkulisse. Es gurgelt. Es pocht. Es kratzt. Gänsehaut ist garantiert. Das Atmen fällt zusehends schwerer.

Die Angst um ihren Sohn Lucas steht Maria ins Gesicht geschrieben.
Die Angst um ihren Sohn Lucas steht Maria ins Gesicht geschrieben.(Foto: Concorde Home Entertainment)

Das geht Maria im Wasser nicht anders. Verletzt taucht sie aus den Fluten auf, erblickt ihren ältesten Sohn und irgendwie schaffen es die beiden, zueinander zu finden, sich über Wasser zu halten und danach in trügerische Sicherheit zu bringen. Henry ergeht es da etwas besser: Er findet die beiden jüngsten Söhne noch im Ferienressort wieder, Gruppenanschluss inklusive. Allerdings wissen weder Henry noch Maria vom Überleben und der Rettung des anderen. Eine Suche nacheinander beginnt, in der vor allem der älteste Sohn Lucas eine tragende Rolle spielen wird.

Aus dem Leben gegriffener Horror

So etwas schweißt zusammen: Maria und Lucas können nur gemeinsam überleben.
So etwas schweißt zusammen: Maria und Lucas können nur gemeinsam überleben.(Foto: Concorde Home Entertainment)

Mitreißend ist wohl die passendste Beschreibung für "The Impossible". Der Film weckt Emotionen, was vor allem am Schauspiel der Hauptdarsteller liegt. Naomi Watts wurde für ihre Rolle mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Und auch Ewan McGregor zeigt, dass in ihm ein richtig guter Schauspieler steckt. Als Neuentdeckung darf Tom Holland gelten, dessen innere Zerrissenheit sein Handeln so menschlich und nachvollziehbar macht: Als er mit seiner verletzten und schwer blutenden Mutter durch die Trümmerlandschaft watet, nicht wissend, ob noch eine weitere Flutwelle kommt, denkt er nur an sein eigenes Überleben und das seiner Mutter. Hilferufe eines kleinen Kindes überhört er, will seine Mutter dazu bewegen, sie ebenfalls zu ignorieren. Doch die macht ihm klar, dass es auch einer seiner kleinen Brüder sein könnte, der da um Hilfe ruft. Den Jungen, den sie dann finden, sieht Lucas später noch einmal wieder: Als dieser in einem völlig überfüllten und von Chaos beherrschten Krankenhaus von seinem vor Glück strahlenden Vater in die Arme geschlossen wird, erkennt Lucas, wie wichtig es ist, nie aufzugeben und dabei das Wohl anderer Menschen nicht zu vergessen.

Diese fast schon Randnotiz bleibt aber auch der einzige Blick Bayonas über den Tellerrand der Bennett'schen Suche nach Familienzusammenführung hinaus. Er fokussiert klar. Das Leid drumherum, die Tausenden Thailänder, die das Schicksal der Bennetts teilen, lässt er außen vor. Das ist ein Kritikpunkt, wohl wissend, dass "The Impossible" aber andersherum auch schnell ausarten hätte können. Auch die Musikuntermalung muss man nicht mögen.

Was am Ende aber bleibt, ist bildgewaltiges Gefühlskino mit voyeuristischen Ansätzen und einem wunderbaren Cast - basierend auf einer echten Natur- und menschlichen Katastrophe. Der eine oder andere Zuschauer dürfte so schnell keinen Urlaub in südostasiatischen Gefilden mehr machen wollen.

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Quelle: n-tv.de

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