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Mit Politik hatten diese Frauen vom Land nichts am Hut. Der Film "Die göttliche Ordnung" erzählt, wie dann plötzlich doch alles anders kam.
Mit Politik hatten diese Frauen vom Land nichts am Hut. Der Film "Die göttliche Ordnung" erzählt, wie dann plötzlich doch alles anders kam.(Foto: Alamode Film)
Freitag, 04. August 2017

"Die göttliche Ordnung" im Kino: Stell dir vor, die Frauen streiken

Von Anna Meinecke

Manchmal hilft Distanz, die Dinge klarer zu sehen. 1971 wurde in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt, doch Gleichberechtigung brachte das nicht. Der Film "Die Göttliche Ordnung" erzählt humorvoll ein bisschen Feminismusgeschichte.

"Ich mach dir einfach noch ein Kind, dann ist dir nicht mehr langweilig", sagt Hans. Seine Frau Nora hat soeben den Wunsch geäußert, sich einen Job zu suchen, der nichts mit schmutziger Wäsche oder Verwandtenpflege zu tun hat. Hans ist nicht überzeugt. Und weil Hans nicht überzeugt ist, stellt er schnell klar, dass Nora ohne seine Erlaubnis in Sachen Berufstätigkeit ohnehin nichts zu melden hat.

Was aus heutiger Perspektive beinahe ein komisches Moment hat, war noch vor weniger als einem halben Jahrhundert bittere Realität: Frauen durften nicht mitentscheiden. Nicht zu Hause und schon gar nicht, wenn es um Politik ging. Es ist das Jahr 1971, als Nora und Hans sich in die Haare kriegen. Das Jahr, in dem die Schweiz als eins der letzten europäischen Länder das Frauenwahlrecht einführt.

Das Private wird politisch

Nora ist nicht das, was man früher einmal Emanze schimpfte. Nora ist eigentlich zufrieden. In einem kleinen Schweizer Dorf lebt sie mit Mann, Söhnen und Schwiegervater. Sie kocht, wäscht, putzt, kümmert sich und hätte sich daran wohl auch erst einmal nicht gestört, wäre da nicht die Sache mit der Arbeitsstelle außer Haus gewesen. Nora wird politisch, als sie im Privaten an Grenzen stößt.

Für ihren zweiten Spielfilm "Die göttliche Ordnung" hat Petra Volpe eine Hauptfigur gewählt, die den Protest im Kleinen übt und dann Großes bewirkt. "Gerade auf dem Land brauchen wir mutige Frauen, die laut ihre Meinung sagen", lernt Nora. Und dann wird sie genau so eine. Sie spricht sich vor der lachenden Dorfgemeinde fürs Frauenstimmrecht aus und organisiert schließlich einen Streik, der die Männer im Ort vermissen lässt, was sie zu lange als selbstverständlich genossen haben.

"Die göttliche Ordnung" kommt ohne große politische Reden aus und funktioniert gerade deshalb so gut als Lehrstück über ein Stück Geschichte, das heute noch viel mehr Bedeutung hat, als man das gerne hätte. Volpe inszeniert humorvoll statt streng. Sie verknüpft politischen Diskurs mit Lebensrealität. Sie zeigt strauchelnde Frauen, strauchelnde Männer, ja, selbst strauchelnde Kinder. Und sie zeigt, wie zäh sich der Weg vom Wissen um Gerechtigkeit zu deren Umsetzung gestaltet. Und plötzlich sieht der Film zwar aus wie gestern, doch seine Themen fühlen sich an wie heute.

"Die göttliche Ordnung" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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