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"The Cabin In The Woods" lehrt das Fürchten neu.
"The Cabin In The Woods" lehrt das Fürchten neu.(Foto: Universum Film)

Horror einer neuen Generation: "The Cabin In The Woods"

Von Thomas Badtke

Fünf Jugendliche wollen in einer abgelegenen Hütte Urlaub machen. Blondine, Sportskanone, Nerd, glückliches Pärchen: Alle sind auf Party eingestellt. Die Warnung vor dem Haus am See eines kauzigen Einheimischen überhören sie. Aber dann entdecken sie, dass sie überwacht werden - und plötzlich verschwindet einer nach dem anderen.

Wie schreibt man über einen Film, bei dem jedes Wort über die Handlung schon fast eines zu viel ist? Die US-Produktionsfirma Lionsgate wird sich schon etwas dabei gedacht haben, den "The Cabin In The Woods" vor Kinostart in den USA kaum zu bewerben. Ein Trailer würde einfach alles zerstören. An den Kinokassen war der Streifen dann auch nicht der erhoffte Blockbuster. Die knapp 30 Millionen Dollar Budget spielte er zwar wieder ein, aber für eine ordentliche Rendite reichte es nicht. Der Start in Deutschland fiel dann schon etwas zeigefreudiger aus: Als Besucher des Fantasy Filmfestes 2012 kam man am Trailer des Films nicht vorbei, aber es blieb - alles in allem - doch noch einiges der Story im Dunkeln.

Fünf Freunde, die einfach nur Spaß haben wollen. Wer wird am Ende überleben?
Fünf Freunde, die einfach nur Spaß haben wollen. Wer wird am Ende überleben?(Foto: Universum Film)

Fünf Jugendliche machen sich auf den Weg in die Wälder. Eine Hütte, direkt an einem See gelegen, verspricht Ruhe und Kurzweil gleichermaßen. Die Zusammensetzung der Gruppe lässt bereits aufhorchen: Da wäre der Schlaue, die Schüchterne, die Sportskanone, seine blonde Freundin und natürlich der Afroamerikaner. Das kennen Sie? Stimmt. Und als erster stirbt ... Genau. Packt man dann noch den kauzigen Einheimischen an der letzten Tankstelle vor dem Abzweig zur einsamen Hütte dazu, der die üblichen Warnungen ausstößt und sich damit den Jugendlichen ins Gedächtnis einbrennt, weiß man sofort: Hey, ein Horror-Slasher der guten, alten Schule wartet.

Man lehnt sich als Genre-Fan zurück und freut sich auf die Dinge, die da kommen werden. Aber etwas ist anders bei "The Cabin In The Woods". Die Jugendlichen sind nicht ganz so crazy, wie man sie auf den ersten Blick einschätzen würde. Das Haus selbst überrascht mit einigen Spezialeffekten wie doppelten Spiegeln oder unzähligen versteckten Kameras. Gut, denkt man als Zuschauer, die schrulligen Einheimischen mit ihrem obligatorischen dunklen Geheimnis gehen auch mit der Zeit: Den Technikwahn kann auch der sonderbarste US-Hinterwäldler nicht aufhalten. Aber weit gefehlt.

Jules (Anna Hutchison) und Dana (Kristen Conolly): Was hat der Tankwart da gerade gesagt?
Jules (Anna Hutchison) und Dana (Kristen Conolly): Was hat der Tankwart da gerade gesagt?(Foto: Universum Film)

An dieser Stelle muss der Hinweis reichen, dass die Einheimischen nichts mit dem nun beginnenden Ableben der Jugendlichen zu tun haben. Das Horrorhaus auch nicht wirklich. Die Lösung liegt viel tiefer und ist viel weitreichender und verzwickter, als wir alle denken. Es geht um viel mehr als das Leben eines einzelnen Unglücklichen, der zur falschen Zeit am ganz falschen Ort ist. Es geht um das simple Überleben der gesamten Menschheit - und das offene Ende von "The Cabin In The Woods" ist das eigentlich Erschreckende.

Vorsicht, Spoileralarm!

Das muss reichen, um Sie auf den Geschmack des Films zu bringen. Wer mehr wissen will, sollte sich die DVD oder noch besser die Blu-ray kaufen - aber nicht weiterlesen!

"The Cabin In The Woods" ist bei Universum Film auf DVD und Blu-ray erschienen.
"The Cabin In The Woods" ist bei Universum Film auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Universum Film)

Ich habe Sie gewarnt. Na gut … FSK 16, ach ja: Lassen Sie sich nicht von der FSK-16-Einstufung abschrecken. Die reicht völlig aus. FSK 18 wäre nicht glaubhaft gewesen, obwohl die eine oder andere Szene Slasher-Herzen höher schlagen lässt. Aber der Film ist viel subtiler, manche Kritiker schreiben sogar von "intelligentem Horror". Das klingt nach einem Widerspruch in sich, aber für "The Cabin In The Woods" trifft es definitiv zu.

Gerade als man denkt, man wüsste, wie der Film tickt, schlägt er einen Haken wie ein Kaninchen, das auf dem offenen Feld seinem tödlichen Verfolger zu entkommen versucht. Kurz darauf das gleiche noch einmal. Und noch einmal. Und da, schon wieder. Das ist es, was den Kritikern an dem Film so gut gefällt. Er fängt wie ein typischer Slasher an und driftet dann gewaltig ab. Das kommt nicht bei allen Horror-Fans an, war aber irgendwie zu erahnen, wenn man den Filmstab etwas genauer betrachtet.

Ein Wolfskopf an der Wand: Was steckt da wohl dahinter?
Ein Wolfskopf an der Wand: Was steckt da wohl dahinter?(Foto: Universum Film)

Regisseur Drew Goddard hat sich mit "Lost" und "Cloverfield" einen Namen gemacht. Drehbuchautor Joss Whedon dürften die meisten von den Fantasy-Serien "Buffy - Die Vampirjägerin" und "Angel - Jäger der Finsternis" kennen. Und auch mit dem Drehbuch zum Kassenschlager "The Avengers" zeigt Whedon, dass er mainstream-tauglich arbeitet. Goddard und Whedon kennen sich bereits seit "Buffy" - und unter uns, die Serie ist zwar nett gemacht, was vor allem an der Hauptdarstellerin Sarah Michelle Gellar liegt, aber doch eher etwas für Jugendliche und Fans der weichgespülten "Twilight"-Reihe. Ein schicker straighter Horror-Slasher wird mit diesem Duo schwierig.

Aber das wollten die beiden auch nicht. Sie wollten den Horrorfilm neu erfinden, ähnlich wie Wes Craven Mitte der 1990er Jahre mit "Scream - Schrei!". Auch dieser Film, der Auftakt zur mittlerweile erfolgreichsten Horrorfilmserie aller Zeiten, stieß so manchem Genre-Fan sauer auf. Aber er brachte frisches Blut - im wahrsten Sinn des Wortes - in ein damals schon totgesagtes Genre. Horror war plötzlich Mainstream und fast schon gesellschaftsfähig und in. Seitdem ist der Horrorfilm wieder zum Schmuddelkind der Filmbranche geworden. Verkommen, sagen die einen. Back to the roots, sagen freudig die anderen.

"The Cabin In The Woods" gelingt diese Neuausrichtung des Horror-Genres. Der Film wird definitiv seine Fans finden, aber auch knallharte Gegner. Er polarisiert. Ich für meinen Teil kann nur hoffen, dass er der Beginn einer erfolgreichen Filmreihe wird, allein schon deswegen, um zu sehen, wie die Produktionsfirma den nächsten Teil bewirbt.

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Quelle: n-tv.de

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