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Was ist, wenn "Sie" kommen?: "The Day", nach der Apokalypse

Von Thomas Badtke

Die Erde, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Eine Gruppe Überlebender schleppt sich durch eine karge Ödnis. Alles um sie herum stirbt. Auf der Suche nach Überresten der untergegangenen Zivilisation stoßen sie auf ein Farmhaus und in dessen Keller auf Proviant. Doch die Freude darüber währt nur kurz, denn etwas ist ihnen auf den Fersen - und es hat Hunger.

Kaum etwas anderes spornt die Fantasie der Menschen so an wie das Ende der Welt, die Apokalypse. Gerade derzeit, denn in der Öffentlichkeit hat sich das Bild verfestigt, dass mit dem Ende des Maya-Kalenders auch das Ende der Welt gekommen ist. Endzeit-Visionen haben Hochkonjunktur und sind zudem ein von Filmemachern gern aufgegriffenes Thema. Ob nun "Armageddon", "The Day After Tomorrow", "2012" oder "I Am Legend": Blockbuster-Kino mit Hollywood-Stars, viel Krach, noch mehr Bumm und nur selten mit ruhigen Momenten des Besinnens.

Splendid Medien
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"The Day" ist da anders: Fünf Überlebende ziehen darin durch ein ödes, karges, unansehnliches Land. Es gießt in Strömen und nur wenige Meilen entfernt beginnt ein großes Waldstück. Die fünf sind am Ende: erschöpft, völlig durchnässt, ausgehungert. Henson (Cory Hardrict; "Gran Torino") ist krank. Doch weder seine früheren Highschool-Freunde Adam (Shawn Ashmore; "X-Men"-Reihe, "Frozen") und Rick (Dominic Monaghan; "Lost") noch Ricks Freundin Shannon (Shannyn Sossamon; "Ritter aus Leidenschaft") wollen ihn zurücklassen - auch wenn sie ohne Henson schneller vorankämen.

Tote werden in "The Day" aus gutem Grund nicht begraben, sie werden verbrannt.
Tote werden in "The Day" aus gutem Grund nicht begraben, sie werden verbrannt.

Sie waren einmal mehr als ein Dutzend. Das ist der klägliche Rest. Und nur Mary (Ashley Bell; "Der letzte Exorzismus") ist auf dem Weg zu ihnen gestoßen. Sie redet kaum und mit ihrer Verschlossenheit geht sie vor allem Shannon auf die Nerven, die nicht so recht weiß, was sie mit der zweiten Frau in der verschworenen Gemeinschaft anfangen soll.

Eine Dose Zukunft

Als die Gruppe auf ein verlassenes Farmhaus stößt, nutzen sie die Chance. Sie durchkämmen es und als sie auf den ersten Blick nichts Verdächtiges entdecken, bleiben sie dort. Nur für ein paar Stunden. Zum Ausruhen und Kraft tanken. Henson hat beides dringend nötig. Sein Husten und Röcheln ist kilometerweit zu hören. Zudem kann ihnen der Dauerregen im Haus nichts mehr anhaben.

Nur wer ständig auf der Hut ist, kann überleben.
Nur wer ständig auf der Hut ist, kann überleben.

Eine erste Bestandsaufnahme ergibt, dass die Gruppe zwar noch mehrere Waffen hat, aber nur 41 Schuss Munition. Noch schlimmer sieht es bei den essbaren Vorräten aus. Während die Frauen das Haus mit Fallen vor Eindringlingen aus dem nahe gelegenen Wald schützen, inspizieren Rick und Adam deshalb erneut ihre unfreiwillige Bleibe. Sie stoßen auf einen Keller - und können ihr Glück kaum fassen: Etliche Dutzend Konservendosen stehen dort herum, Fleisch, Tomaten, Pilze und laut Etiketten auch noch nicht verdorben.

Doch die Freude währt nur kurz: Als sie eine der Dosen öffnen, sind nur Steine darin - und eine Falle wird ausgelöst. Ein Speer durchbohrt Rick und ein ohrenbetäubendes Läuten ertönt. Nicht nur die beiden Frauen werden davon aufgeschreckt. Allen ist klar: Das Haus ist eine präparierte Falle und die Gruppe ist hineingetappt. Oder wurden sie gar gezielt hierhergeführt? Welche Rolle spielt Mary in diesem ganzen Szenario? Hatte sie den Keller nicht bereits bei ihrer Ankunft in Augenschein genommen?

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Erste Vorboten des Todes sind bereits auf dem Weg. Und sie haben Hunger.

Hoffentlich wird "The Day" nie kommen

"The Day" ist bei Splendid Medien erschienen.
"The Day" ist bei Splendid Medien erschienen.

Es ist unschwer zu erkennen, dass "The Day" keiner dieser Hochglanz-Millionenbudget-Produktionen ist, in dem die Action irgendwann die Oberhand gewinnt und alles andere in den Schatten stellt. "The Day" (erschienen bei Splendid) punktet am anderen Ende des Spektrums: Leise kommt er daher. Düster baut sich da etwas auf, wird langsam größer, bedrohlicher. Regisseur Douglas Aarniokoski, der sich bisher als Assistent von Regie-Ikone Robert Rodriguez ("From Dusk Till Dawn", "Sin City", "Desperado") einen Namen gemacht hat, zeichnet eine Zukunft (die vielleicht gar nicht mehr so fern ist), in der man auf keinen Fall leben will. Den Grund dafür gibt er Mary als Bürde mit auf den Weg.

Ashley Bells Schauspiel trägt den Film. Sie ist Heldin und Anti-Heldin zugleich. Und dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen sammelt sie die Sympathien der Zuschauer ein - wie bereits beim Fantasy Filmfest 2012. Der Rest des Schauspielensembles ist zwar durchaus bekannt und namhaft, wird aber von Bell in den Schatten gestellt. Der Zuschauer ahnt von Beginn an, dass sie ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt.

Es ist nicht das Einzige, denn Aarniokoski verrät auch nicht, wie diese Welt so geworden ist, was die Apokalypse ausgelöst hat. Sie war plötzlich da, wie auch immer - und nun etwa zehn Jahre danach, streift die kleine Gruppe Überlebender durch die Pampa. Das erinnert stark an "The Walking Dead" - ohne Zombies. Und an den ultraharten "Vampire Nation". Doch während bei diesen beiden Genre-Kultstreifen schnell klar ist, was die letzten Überlebenden der menschlichen Rasse bedroht, ist es bei "The Day" anders. Wovor die Gruppe flüchtet und wieso, erfährt der Zuschauer sehr lange nicht. Er tappt im Dunkeln, kann höchstens Vermutungen anstellen, Andeutungen folgen. Die Auflösung ist dann umso erschreckender für den Zuschauer.

Und die Gruppe? Sie erkennt, dass wegrennen nichts mehr bringt. Die Devise heißt nun "fight or die". Und jeder von ihnen wäre - wie schon die Protagonisten bei "The Divide" - wohl froh darüber gewesen, die Apokalypse nicht überlebt zu haben. "The Day" ist eine Endzeit-Vision der düstersten Sorte.

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Quelle: n-tv.de

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