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Irgendetwas stimmt doch hier nicht: Bobby (Jesse Bradford) versucht den geheimnisvollen Geräuschen in seiner Wohnung auf den Grund zu gehen.
Irgendetwas stimmt doch hier nicht: Bobby (Jesse Bradford) versucht den geheimnisvollen Geräuschen in seiner Wohnung auf den Grund zu gehen.(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Paranoia fressen Seele auf: "The Echo" - und plötzlich bist du tot

Von Thomas Badtke

Du kommst auf Bewährung aus dem Gefängnis und denkst, dein Leben kann nur besser werden. Du triffst deine alte Liebe und es funkt erneut. Doch du ziehst auch in die Wohnung deiner toten Mutter - und hörst Geräusche, die aus den Wänden kommen. Du findest Fingernägel, Blutspuren und Essensreste. Und nebenan verprügelt ein Cop seine Frau und seine kleine Tochter. Was machst du?

Bobby (Jesse Bradford) und Alyssa (Amelia Warner): Bekommt ihre Liebe eine zweite Chance?
Bobby (Jesse Bradford) und Alyssa (Amelia Warner): Bekommt ihre Liebe eine zweite Chance?(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Was machst du, wenn du gerade aus dem Gefängnis kommst? Du sitzt wegen fahrlässiger Tötung für mehrere Jahre ein und bist auf Bewährung frei. Du findest einen Job als Automechaniker und eine Bleibe in einem offenbar ruhigen Mietshaus. Dann triffst du deine alte Liebe wieder und merkst, dass ihr noch einmal von vorne anfangen könnt: Eine zweite Chance bietet sich dir, ein neues Leben wartet. Doch dann hörst du aus der Nachbarwohnung Schreie. Weibliche Schreie. Die einer Frau und die eines kleinen Mädchens. Und du hörst einen Mann, der auf die beiden einprügelt. Was machst du?

Das ist kein "Freund und Helfer". Das ist ein Mörder.
Das ist kein "Freund und Helfer". Das ist ein Mörder.(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Bobby (Jeff Bradford; "W", "Flags Of Our Fathers") macht erst einmal nichts. Er hat den Mann im Aufzug gesehen - er ist zwei Meter groß und ein Cop. Vielleicht war es ja nur ein Versehen? War es nicht. Er hört die Schläge des Mannes. Kann spüren, wie dessen Fäuste ihre Ziele finden. Bobby kann nicht mehr. Er ruft die Polizei an. Als zwei Beamte auftauchen und in die Nachbarwohnung schauen, ist diese leer. Verlassen. Seit Monaten war hier keine Menschenseele mehr. Bobby ist verwirrt.

Er fragt den Hausmeister nach der Familie. Doch der Mann weiß von nichts. Er hat auch keine Schreie gehört oder Beschwerden anderer Mieter. Bobby fragt auch den einzigen Mann, der mit ihm auf der Etage wohnt. Er muss doch etwas gehört haben. Der Mann hat. Und er hat Angst. Das kann Bobby an seinen Augen sehen. Aber eine Erklärung kann und will ihm der Mann nicht geben. Es bleibt nur noch eine Möglichkeit: Seit seinem Einzug im Haus wird er aus dem Nachbargebäude beobachtet. Immer wieder wackelt dort eine Gardine, verschwindet ein Kopf ruckartig hinter den Vorhängen.

Ein Echo aus der Vergangenheit

Glücklich ist, wer da einen tiefen Schlaf hat.
Glücklich ist, wer da einen tiefen Schlaf hat.(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Bobby sucht den Mieter der gegenüberliegenden Wohnung auf. Was er von ihm erfährt, lässt ihn schaudern. Plötzlich scheint alles einen Sinn zu ergeben: Die Albträume mit toten Menschen, die ihn des Nachts immer wieder heimsuchen. Die grauenvolle Geräusche, die aus den Wänden seiner Wohnung zu kommen scheinen - wie wenn ein Metallrohr langsam über Beton gezogen wird. Die abgerissenen Fingernägel im Klavier seiner Mutter. Die Blutflecken auf den Tasten. Dutzende leerer Essensdosen im Wandschrank versteckt. Die Tür des Schrankes von innen verriegelbar. Alles hängt miteinander zusammen: der Polizist, dessen Familie, der Tod seiner Mutter, die Geräusche in den Wänden, die Albträume, die Schreie. Als er beginnt zu begreifen, ist es für Bobby und seine Freundin Alyssa (Amelia Warner, "Aeon Flux") fast schon zu spät.

Was würdest du machen?
Was würdest du machen?(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Also: Was würden sie an Bobbys Stelle machen? Irgendjemandem von den Geräuschen erzählen? Von den Schreien? Den Polizisten herausfordern, mit dem sicheren Gefühl, als Ex-Knacki am kürzeren Hebel zu sitzen? Und was, wenn sie sich das alles nur einbilden? Wenn es die Geräusche gar nicht wirklich gibt? Wenn sie nur in ihrem Kopf existieren? Wenn sie das Ergebnis irgendeines schrecklichen Vorfalls in der Vergangenheit sind? Quasi dessen Echo?

Erfolgsteam mit Erfolgsrezept

Diese Fragen hat sich der philippinische Regisseur Yam Laranas gestellt. Sein Film "Sigaw" sorgt Mitte der 2000er Jahre für einiges Aufsehen in seiner Heimat. Die Hollywood-Produzenten Roy Lee und Doug Davison werden auf den Film aufmerksam. Der Stoff ist etwas für die US-Kinos. Die beiden kennen sich aus, denn bereits mit den US-amerikanischen Adaptionen der japanischen Horrorerfolge "Ring" und "The Grudge" feiern sie Erfolge und stellen so ihr Gespür für Remakes unter Beweis. Als Produzenten versuchen sie dabei, so nah am Original wie nur möglich zu bleiben. Das führt dann beispielsweise soweit, dass die Original-Regisseure auch das US-Remake drehen - wie bei "The Grudge" mit Takashi Shimizu geschehen.

Ein düsteres Familiendrama: Darum dreht sich "The Echo".
Ein düsteres Familiendrama: Darum dreht sich "The Echo".(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Und auch bei "The Echo" greifen Davison und Lee auf ihr Erfolgsrezept zurück. Sie engagieren Laranas als Regisseur und der lässt es krachen. Im übertragenen Sinne. Ein Krach-Bumm-Spektakel ist "The Echo" nicht. Hier kommen eher Fans des subtilen Horrors auf ihre Kosten: Eine riesige Mietskaserne irgendwo in einer heruntergekommenen Ecke der Stadt. Das Haus wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg erbaut, es hat dicke Wände, zum Teil hohl, weil darin, genauso wie in der Decke, die Schächte des Belüftungssystems verlaufen. Die Wohnung, genau wie das Haus, ist in Sepia-Tönen gehalten. Es wirkt irgendwie altbacken, scheint fast eine Seele zu haben. Dazu die perfekt gesetzten Tonelemente: Hier ein Kratzen von Metall auf Stein, dort ein Schaben wie von Fingernägeln auf einer Schiefertafel - langsam, ganz langsam baut sich die Gänsehaut auf.

"The Echo" ist auf DVD und Blu-ray erschienen. (DCP Productions / Pandastorm Pictures)
"The Echo" ist auf DVD und Blu-ray erschienen. (DCP Productions / Pandastorm Pictures)(Foto: DCP Productions / Pandastorm Pictures)

Die Atmosphäre des Films stimmt. Gleichzeitig bleibt die Lösung der Vorkommnisse in der Wohnung, in dem Haus, bis zum Ende verworren. Man ahnt zwar etwas, aber die Gewissheit kommt erst sehr spät. Das ist auch der einzige Kritikpunkt: Der Film ist mehr als 100 Minuten lang. Gut gestrafft, hätten es auch 85 getan. Dennoch kommt nie Langeweile auf, wofür auch das durchaus überzeugende Schauspiel des Hauptdarstellers Jesse Bradford sorgt. Körperhaltung, Mimik und Aussehen erinnern dabei an den jungen Colin Farrell. Und mit Amelia Warner stellt Regisseur Laranas ihm eine vielversprechende Hollywood-Jungdarstellerin zur Seite. Die Chemie zwischen dem Filmpaar stimmt.

Fans von Filmen wie Stephen Kings "Shining" mit Jack Nicholson, "Dark Water" oder dem besagten "The Grudge" kommen voll auf ihre Kosten. Besitzer von Dolby-Surround-Systemen ebenfalls, die Geräuschkulisse des Films ist perfekt dafür gemacht. Als Zuschauer sollten Sie aber vorher ihre Wohnungstür verschließen. Das wutentbrannte Klopfen daran muss nicht von ihrem richtigen Nachbarn stammen … und was machen Sie dann?

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Quelle: n-tv.de

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