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Bex und seine Jungs von der ICC.
Bex und seine Jungs von der ICC.(Foto: Ascot Elite)

Die 1980er waren hart: "The Firm": Mutter aller Hooliganfilme

von Thomas Badtke

Sue und Bex: Sie führen eine glückliche Ehe - wenn es da nur die Wochenenden nicht gäbe.
Sue und Bex: Sie führen eine glückliche Ehe - wenn es da nur die Wochenenden nicht gäbe.(Foto: Ascot Elite)

Die deutsche Polizei teilt Fußballfans seit Anfang der 1990er Jahre in drei Kategorien ein: Die normalen Fußballfans (A-Fans) besuchen als "konsumorientierte Fans" ein Spiel aus Interesse am Fußball. Zu ihnen zählt die Polizei auch die "Kuttenträger" - Fans in Vereinstrikots, mit Schals und anderen Fanartikeln - und die "Ultras". Anhänger, die dagegen "anlassbezogen zu Gewalt neigen", fallen in die Kategorie B (bedingt gewaltbereit). Von sich aus beginnen sie keine Schlägerei, sie beteiligten sich aber gern, wenn es bereits kracht oder wenn sie sich nach einem verlorenen Spiel provoziert fühlen. Für C-Fans (gewaltsuchend) ist der Fußball reine Nebensache. In Gruppen unterwegs, ist das Spiel für sie die Gelegenheit, "aus Spaß an der Gewalt Auseinandersetzungen zu suchen". "C-Fans kommen aus allen Schichten der Bevölkerung bis hin zum Akademiker." Sie suchen die "dritte Halbzeit" beim Fußballspiel am Wochenende, um sich auszutoben. Bex (Gary Oldman; "Das 5. Element", "Bube, Dame, König, Spion") fällt eindeutig in die Kategorie C.

Clive "Bex" Bissel ist unangefochtener Anführer der Inter City Crew (ICC), einer Gruppe Anhänger des englischen Fußballvereins West Ham United. Die ICC ist angelehnt an die damals real existierende Inter City Firm (ICF), die in den 1970er und 1980er Jahren auf der Insel für Schlagzeilen sorgt, besonders wenn es gegen den FC Millwall geht. Bex ist Immobilienmakler, verheiratet und junger Vater. Er trägt Anzug und Krawatte und führt ein völlig normales, fast schon spießbürgerliches Leben - bis das Wochenende kommt. Dann wird aus Dr. Jekyll Mr. Hyde und Bex schnappt er sich seine Jungs, um mal richtig auf den Putz zu hauen. Nach ein paar Bieren prügelt es sich leichter.

Es kann nur einen "Top Boy" geben

Yeti: Mit diesem Blondie sollte man sich lieber nicht anlegen.
Yeti: Mit diesem Blondie sollte man sich lieber nicht anlegen.(Foto: Ascot Elite)

Ärger hat die ICC vor allem mit den verfeindeten Buccaneers, die von Yeti (Phil Davis) angeführt werden. Dessen Markenzeichen sind blonde Haare und ein weißes Golf-I-Cabrio. Mit dem taucht er auch schon einmal mitten auf dem Fußballplatz auf und macht Jagd auf ICC-Mitglieder. Er provoziert Bex, wo er nur kann, verschandelt sein Auto, beleidigt ihn. Aber Bex versucht sich zusammenzureißen - seiner Frau Sue (Lesley Manville) zu Liebe und seines Traums wegen. Er will zur Europameisterschaft 1988 nach Deutschland. Aber nicht als normaler Fan, auch nicht als ICC-Chef, sondern als Boss aller englischen Hooligans. Als Gegner warten bereits 4000 holländische Fußballschläger.

"The Firm - Das Original" ist bei Ascot Elite erschienen.
"The Firm - Das Original" ist bei Ascot Elite erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Aber während Bex in seiner ICC als unangefochtener Chef gilt, der von den Frischlingen verehrt wird, muss er sich die Rolle des "Top Boys" für Deutschland erst noch erkämpfen. Bex‘ Liebe zur Gewalt stößt seiner Frau sauer auf. Als er nach einem Kampf mit der ICC zu Hause ein Messer herumliegen lässt und sich sein Sohn damit den Mund aufschneidet, ist der Bogen endgültig überspannt. Sue schmeißt Bex raus.

Bex geht nur ein paar Häuser weiter und landet in seinem alten Kinderzimmer. Klein, eng, aber im Schrank steht eine Kiste mit allerlei Schlagwerkzeug für die Wochenenden. Aus den anfänglichen Schlägereien mit bloßen Fäusten werden bald wüste Prügeleien mit Eisenstangen, Tot- und Baseballschlägern. Irgendwann kommen auch Messer zum Einsatz. Der Schuss, der dann bei einer Auseinandersetzung fällt, ist dennoch überraschend. Yeti hat auf Bex geschossen. Er ist tot und sein Leben damit so kurz wie er gewaltbereit.  

"That’s Amore"

"The Firm - Das Original" entstand bereits 1989. Das sieht man ihm zwar auch an - er kommt im 4:3-Format daher -, aber durch sein Alter gilt er auch als Vorreiter, als "Mutter aller Hooliganfilme". In den 1970er und 1980ern gehörten Hooligans und wüste Schlägereien, manchmal auch mit Todesopfern, zum englischen Fußball dazu. Der Hooliganismus war fest in der englischen Gesellschaft der Thatcher-Ära verwurzelt. Selbst Hollywood wurde auf das Thema aufmerksam und Elijah Wood in "Hooligans" zum gefürchteten Schläger. Mit "Cass - Legend of a Hooligan" und dem deutschen Film "66/67" gibt es aber weitaus sehenswertere Streifen.

"The Firm - Das Original", der den Prix Europa als bester TV-Film erhielt, ist zudem der letzte Film des englischen Regisseurs Alain Clarke, der den jungen Schauspieler Oldman prächtig in Szene gesetzt hat. So schmächtig und unauffällig Bex auch daherkommt: Im Dunkeln oder schlecht gelaunt will man ihm nicht über den Weg laufen.

Eine Besonderheit des Films ist die Tatsache, dass es keine Musik gibt - bis auf einen Song am Anfang des Films. Da ertönt die Stimme Dean Martins und säuselt sein bekanntes "That‘s Amore". Eine treffendere Bewertung kann es für das rund 70-minütige Gewaltspektakel "The Firm - Das Original" nicht geben. Wer Gary-Oldman-Fan ist oder Fußballfilme liebt und nichts gegen die verstaubte Optik der 1980er hat: "The Firm - Das Original".  

 

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Quelle: n-tv.de

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