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Annie im Haus ihrer Kindheit, an einem Ort, an den sie eigentlich nie wieder zurückkehren wollte.
Annie im Haus ihrer Kindheit, an einem Ort, an den sie eigentlich nie wieder zurückkehren wollte.(Foto: Ascot Elite)

Der unheimlichste Film des Jahres: "The Pact": Nicht nur Geister töten

Von Thomas Badtke

Das Haus ihrer verstorbenen Mutter ist ein hässlicher Ort für Annie, voll mit schlechten Erinnerungen. Annie will eigentlich nie wieder dorthin zurückkehren. Als ihre Schwester und ihre Cousine dort aber spurlos verschwinden, macht sich Annie auf die Suche nach Antworten - ein tödlicher Fehler.

So gruselte man sich früher: "Szenenbild aus "Schloss des Schreckens".
So gruselte man sich früher: "Szenenbild aus "Schloss des Schreckens".

Haunted House gehört zu den klassischen Horror-Genres wie Vampir- oder Zombie-Filme. Von Klassikern wie "House On Haunted Hill" mit Vincent Price, "Schloss des Schreckens" oder "Poltergeist", über Indie-Streifen wie "Insidious", bis hin zu Videofilm-Adaptionen à la "Silent Hill" sowie Hollywood-Blockbustern wie "The Others" mit Nicole Kidman reicht das Spektrum, das in jüngster Zeit auch wegen der überaus erfolgreichen "Paranormal Activity"-Reihe wieder deutlich an Zugkraft gewonnen hat.

Die Idee hinter Haunted House ist simpel: Früher brauchte man nur ein altes Gemäuer mit dunklen Gängen und einem unheimlichen Keller, dazu ein paar knirschende Türen und einen Geist, den man möglichst spät oder besser auch nie zu Gesicht bekam. Das alte Gemäuer gehört heute der Vergangenheit an. Jetzt spukt es bei Oma Kasulke zu Hause. In der Drei-Zimmer-Wohnung. Geblieben sind aber die knarzenden Türen, die dunklen unheilvollen Zimmerecken und möglichst auch der Keller. Mixt man das alles gut durch, kann man sich auch die Found-Footage-typische Wackelkamera-Optik sparen. Regisseur Nicholas McCarthy versucht das.

Haunted House und ein bisschen mehr

"The Pact" ist bei Ascot Elite als DVD und Blu-ray erschienen.
"The Pact" ist bei Ascot Elite als DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Ascot Elite)

Ein Kurzfilm McCarthys erregt beim bekannten Sundance Filmfestival im vergangenen Jahr dann Aufsehen. Filmfirmen werden auf den noch unbekannten Regisseur aufmerksam. Er bekommt den Auftrag, aus dem knapp zehnminütigen Streifen einen kompletten Spielfilm zu basteln. Auch wenn er bis dahin kein Drehbuch in petto hat, nimmt McCarthy an. Das Ergebnis heißt "The Pact" und ist auf DVD und Blu-ray (Ascot Elite) erschienen - beworben als "unheimlichster Film des Jahres", mit "Schocks, die man nicht kommen sieht".

Annie (Caity Lotz; "Death Valley", TV) weiß, was das heißt: Sie erhält eines Tages einen Anruf ihrer Schwester Nicole (Agnes Bruckner; "The Woods", "The Glass House"). Ihre Mutter ist tot und sie soll zur Beerdigung kommen. Annie denkt nicht daran, zu sehr hat sie in ihrer Kindheit unter den sadistischen Auswüchsen ihrer Mutter gelitten. Sie will dieses Haus nie wieder betreten. Als dann aber plötzlich ihre Schwester spurlos verschwindet, knickt Annie ein und kehrt nach Hause zurück, mit sehr gemischten Gefühlen im Gepäck, denn dass ihre Schwester wie vom Erdboden verschluckt ist, ist für Annie nicht neu: Nicole war drogenabhängig und ist erst seit der Geburt ihrer kleinen Tochter clean. Sagt sie zumindest.

Manche Türen sollten besser verschlossen bleiben. Neugier kann tödlich sein.
Manche Türen sollten besser verschlossen bleiben. Neugier kann tödlich sein.(Foto: Ascot Elite)

Als Annie ihr Elternhaus betritt, kommen sofort alte Erinnerungen hoch. Zudem fühlt sie sich beobachtet. Irgendetwas ist mit ihr in dem Haus. Sie hört knarrende Türen, Bilder fallen von den Wänden, eine Schmuckschatulle liegt urplötzlich auf dem Boden, ein Bild ihrer Mutter fällt heraus. Annie fühlt sich zusehends unwohler. Etwas in dem Haus lässt sie nicht los. Wie von Geisterhand wird sie durchs Zimmer gezogen, fliegt gegen Wände, öffnet sie den alten dunklen Wandschrank, in den sie als Kind immer von ihrer Mutter eingesperrt wurde.

Als Amies Cousine Liz (Kathleen Rose Perkins) sie mit Nicoles Tochter besucht, fühlt sich Amie etwas sicherer. Das ändert sich am nächsten Morgen schlagartig, denn Liz ist weg. Nicht mehr da. Etwas hat sie in der Nacht geholt. Amie ist sich mittlerweile sicher, dass eine Präsenz, ein Geist, das Haus bewohnt. Bei der Polizei hält man sie für verrückt.

Die Polizei bringt nur kurz Licht ins Dunkel.
Die Polizei bringt nur kurz Licht ins Dunkel.(Foto: Ascot Elite)

Amie findet eine hinter einer Gipskartonwand verborgene Tür im Haus, dahinter einen Raum mit vielen Löchern in den Wänden - Löcher, die ihr nie zuvor aufgefallen sind. Gucklöcher, die auch in ihr Kinderzimmer führen. Nun wendet sich Amie an ein Medium - Stevie (Haley Hudson; "Freaky Friday", "Marley & ich") soll herausfinden, was in dem Haus vor sich geht oder was hier früher Schreckliches passiert ist. Stevie stirbt fast bei dem Versuch, mit der geisterhaften Präsenz im Haus Kontakt aufzunehmen. Aber zumindest weiß Amie jetzt, dass es diesen Geist gibt und dass er ihr eigentlich nur etwas mitteilen, sie warnen will - und der sie auf eine Spur in die Vergangenheit führt, eine Spur, die bis in die Gegenwart reicht und nicht von einem Geist stammt …

Manche Türen sollten nie geöffnet werden

Das Medium Stevie überlebt den Kontakt mit der "Präsenz" nur knapp.
Das Medium Stevie überlebt den Kontakt mit der "Präsenz" nur knapp.(Foto: Ascot Elite)

Als "gruselig, packend, unvorhersagbar und rätselhaft" wird "The Pact" beschrieben. Und er ist es auch. Was anfangs nach einem klassischen Haunted-House-Film aussieht, entpuppt sich nach zahlreichen Wendungen dann als Crimethriller, Massenmörder inklusive. Bis es aber dazu kommt, gibt es jede Menge klassisches Haunted-House-Feeling und die damit verbundenen Gruselelemente. Durch perfekt gesetzte Soundsequenzen hat der Zuschauer wirklich das Gefühl, dass das Haus im Film von Grund auf böse ist. Man will sich dort nicht aufhalten, geschweige denn, eine Nacht verbringen - selbst wenn alle Lichter brennen und die Tür zum Schlafzimmer fest verschlossen ist.

Die Geräusche im Haus, die Kameraschwenks in die Dunkelheit hinein, das Zoomen ins Schwarze: Es verfehlt seine Wirkung beim Zuschauer nicht. Wer bei "The Pact" keine Gänsehaut bekommt oder plötzlich zusammenzuckt, sollte schleunigst einen Arzt aufsuchen. Dass es sich bei McCarthys erstem Spielfilm nicht um einen reinen Haunted-House-Film handelt, mag Genre-Fans vielleicht enttäuschen, dennoch dürfte ihnen gefallen, dass der Regisseur sich mehrmals bei den Klassikern bedient.

Auch der Cast ist sehr ansehnlich. Zwar ist Caity Lotz ein noch unbekanntes Gesicht auf der Kinoleinwand, das sollte sich nach "The Pact" aber ändern. Sie kann als toughe Tochter durchaus überzeugen und weiß zu gefallen. Auch bei Haley Hudson, die das Medium mimt, freut sich der Zuschauer auf mehr. Dass Casper van Dien, Mr. "Starship Troopers", auch eine kleine Rolle abbekommen hat: geschenkt. Er ist es nicht, der nach "The Pact" beim Zuschauer hängenbleibt.

Stattdessen ist es das Gefühl, beobachtet zu werden, aber nicht zu wissen, von wem und woher. Kein schönes Gefühl, oder? Vor allem in der Dunkelheit nicht. Schuld daran könnte auch das offen gestaltete Ende des Films sein, der sich zwar nicht als reiner Haunted-House-Horrorfilm entpuppt, aber der wieder einmal beweist: Manche Türen sollten nie geöffnet werden.

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Quelle: n-tv.de

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