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"Wenn nötig, machen wir Krieg!" Mark sieht sich als den größten Hedgefonds-Manager überhaupt.
"Wenn nötig, machen wir Krieg!" Mark sieht sich als den größten Hedgefonds-Manager überhaupt.(Foto: Los Banditos Films)

Wer nicht spielt, gewinnt nicht: "Supercapitalist" und "Wall Street Pussies"

Von Thomas Badtke

Lehman ist noch nicht vergessen, da drehen die Märkte schon wieder das große Rad. Die Niedrigzinsen drücken das Kapital in neue Anlagewege - wie etwa Hedgefonds. Dass Anleger damit den Bock zum Gärtner machen, beweist der "Supercapitalist".

Finanzinvestoren haben keinen guten Ruf. Nur der von Hedgefonds ist noch schlechter. Und das hat Gründe: Um ihre Wahnsinnsrenditen von 20 bis 30 Prozent pro Jahr zu erzielen, gehen sie buchstäblich über Leichen. Zumindest im Film "The Supercapitalist". In ihm lässt Regisseur Simon Yin kein Vorurteil gegen die geldgierige Branche und ihre machthungrigsten Vertreter aus - und zeigt so, dass nicht die großen Konzerne, die Wall Street oder gar die Politiker die Zügel des Handelns in der Hand halten, sondern die Hedgefonds und deren Manager die wahren "Cowboys im Finanz-Saloon" sind.

Mark spielt: mit Geld, mit Menschen, mit Macht.
Mark spielt: mit Geld, mit Menschen, mit Macht.(Foto: Los Banditos Films)

Ihre Worte sind ihre Munition, die Hedgefonds ihre Waffen. Immer geladen. Immer schussbereit. Auch bei Mark Patterson (Linus Roache, "Batman Begins", "Riddick"). Der Manager eines milliardenschweren international agierenden Hedgefonds hält sich dabei für den Allergrößten. Er spricht von den "Pussies der Wall Street" und davon: "Wenn nötig, machen wir Krieg!" Die Hedgefonds kreieren "Events" und mit denen werden "Aktienwerte" geschaffen. Roache ist ein großkotziges Arschloch, wie es im Buche steht.

Aber Roache ist auch der Ziehvater des jungen Conner Lee (Derek Ting; "Largo Winch"). Dessen Wurzeln liegen zwar in Hongkong, geboren und aufgewachsen ist er aber in den USA. Er ist ein Wunderkind, fliegt aber von einer der Ivy-League-Unis, weil er die Theorien seines Professors widerlegt. Sein Spezialgebiet sind Zahlen. Als er entgegen allen Vorhersagen und Prognosen als einziger eine Zinssenkung der Federal Reserve vorhersagt und deshalb einen Ausbau des Hedgefonds-Engagements bei dem Industrie-Tycoon Fei & Chang in Hongkong vorschlägt, eckt er an - und macht auf sich aufmerksam. Patterson schickt ihn nach Hongkong, wo Conner sich von nun an persönlich um die Fünf-Prozent-Beteiligung des Fonds an dem Milliardenkonzern Fei & Chang kümmern soll.

Willkommen in der neuen Welt!

Conner sucht seinen Platz in der Finanzwelt - und im Leben.
Conner sucht seinen Platz in der Finanzwelt - und im Leben.(Foto: Los Banditos Films)

Conner merkt schnell, dass viel Geld zu machen ist. Fei & Chang hat seine besten Zeiten hinter sich. Die Fabriken des Konzerns arbeiten nicht alle profitabel, aber vor allem das Import-Export-Geschäft bereitet Kopfzerbrechen. Die Firmenführung um den in die Jahre gekommenen Donald Chang (Richard Ng; "Die Echelon-Verschwörung"), dessen älteren Bruder Victor (Kenneth Tsang) und Donalds Sohn Richard (Eugene Kang; "Australia") steht aber fest zusammen: Familienbande made in Asia eben. Conner stößt mit seinem Plan, durch das Auswechseln der Manager, die Schließung einiger Fabriken und das Abstoßen des Import-Export-Geschäfts, den alten Tanken Fei & Chang wieder flottzumachen, auf Kritik und Ablehnung.

Conner muss zu anderen Mitteln greifen. Sein Kollege Quentin Wong (Darren E. Scott; "The Man With The Iron Fists") hilft ihm dabei. Er kennt in Hongkong alle und jeden. Mit Hilfe seiner Beziehungen, seiner Gnadenlosigkeit ("Wir kaufen das Beste. Wir fahren das Beste. Und bei den Frauen geben wir unser Bestes.") und einer "Giftpille" schmieden die beiden einen Plan. Nur das Conner plötzlich auch andere Dinge im Kopf hat: Er hat sich in die PR-Agentin Natalie Wang (Kathy Uyen) verliebt. Und der geht die ständige testosterongeschwängerte "Nur wer spielt, kann auch gewinnen"-Attitüde von Conner auf den Zeiger. Nach und nach findet sie Gehör bei ihm - und zeigt ihm eine völlig neue Welt. Er lernt das wahre Hongkong kennen, das richtige Leben und ihm wird klar, dass sein Handeln unmittelbare Folgen hat, dass andere Menschen ihre Existenzen verlieren, wenn Conner noch ein paar 100.000 Dollar mehr herausschlagen will.

"The Supercapitalist" ist bei Los Banditos Films auf DVD und Blu-ray erschienen.
"The Supercapitalist" ist bei Los Banditos Films auf DVD und Blu-ray erschienen.(Foto: Los Banditos Films)

Am Ende muss sich Conner entscheiden. Aber er merkt, dass nicht er die Entscheidungen in seinem Leben trifft und dass seine Versetzung nach Hongkong einem viel größeren Ziel gedient hat. Conner ist nur eine Marionette. Aber wer zieht die Fäden?

Zeitlos, brisant und sehenswert

"The Supercapitalist" ist ein Wirtschaftsfilm. Und von denen gibt es nicht sehr viele und noch weniger gute. Der bei Los Banditos Films auf DVD und Blu-ray erschienene Film gehört zweifelsohne zu den Letzteren - wenn man über einige Schwächen hinwegschaut. Die deutsche Synchronisation gehört leider dazu. Die Sätze wirken abgehackt, die Bedeutungen scheinen nicht immer zu passen. Im englischen Originalton ist der Hongkong-Streifen um Längen besser. Dass der Klappentext einen anderen, reißerischen Inhalt verspricht: geschenkt.

Punkten kann "The Supercapitalist" mit einer nachvollziehbaren und hochaktuellen Story. Dazu kommt ein Cast mit zum Teil klangvollen Namen, einige fantastische Skyline-Aufnahmen von Hongkong und ein Soundtrack, der gefällt. Regisseur Yin erhebt zwar den Zeigefinger, mit der moralischen Keule kommt er aber nicht. Die Message des Films ist dennoch unverkennbar: Langfristigen Erfolg kann nur derjenige haben, der nicht kurzfristig auf Geld aus ist.

Oder frei nach Leo Kirch: Es sind nicht die Zahlen, die eine Firma ausmachen. Es sind die Menschen. Wer das verinnerlicht hat, dem wird "The Supercapitalist" gefallen und er kann ihn in eine Reihe mit "Wall Street" und "Margin Call" ins Regal stellen.

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Quelle: n-tv.de

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