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Die wollen nicht nur spielen!
Die wollen nicht nur spielen!(Foto: WVG/eOne)

Vom Zombie-Fieber infiziert: "The Walking Dead" sind zurück

Von Thomas Badtke

"The Walking Dead" ist die erfolgreichste US-Kabelfernsehserie aller Zeiten. Während in den USA die dritte Staffel Rekorde bricht, erscheint in Deutschland die zweite auf DVD - ungekürzt, mit 100 Minuten Bonusmaterial. Beim Kampf der wenigen Überlebenden mitten in der Zombie-Apokalypse sind die Beißer aber nicht das größte Problem.

Erkennen Sie einige aus der ersten Staffel wieder? Shane, Glenn, Rick, Lori, Carl, Dale ...
Erkennen Sie einige aus der ersten Staffel wieder? Shane, Glenn, Rick, Lori, Carl, Dale ...(Foto: WVG/eOne)

Ein Cliffhanger ist ein offenes Ende, das in die Handlung hineinziehen und so zum Weiterschauen anregen soll. Als einfachstes Beispiel gilt die Szene, als der Held am Ende einer Episode mit einem Arm an einer Klippe hängt und der Zuschauer nicht weiß, ob er sich retten kann oder in den Tod stürzt. Die nächste Folge greift diese Situation wieder auf. Besonders gern und überzeugend wird es bei Staffelfinals verwendet, um die Spannung bis zum Start der nächsten Reihe aufrechtzuerhalten. Wahre Könner dieser Materie sind die Macher der US-Fernsehserie "The Walking Dead", der mittlerweile erfolgreichsten Kabelfernsehserie der USA.

Bereits die erste Staffel mit ihren sechs Folgen war so erfolgreich, dass eine zweite kommen musste - mit deutlich mehr Teilen zudem. Und während die dritte Staffel in den USA gerade angelaufen ist (noch erfolgreicher als die beiden Vorgänger, mit zum Teil nochmals um 50 Prozent gestiegenen Zuschauerzahlen), erscheint die zweite in Deutschland auf DVD und als Serienblock im Fernsehen. Und wie das bei einer erfolgreichen Serie üblich ist, wächst die Fanschar von Episode zu Episode,  von Staffel zu Staffel. Also: Erinnern Sie sich an Rick, Shane, Carl, Lori? An Dale, Glenn, Daryl und T-Dog? An Carol, Andrea und Sophia? Dunkel nur? Aber Sie erinnern sich garantiert an diese gewaltige Explosion, den Feuerball am Ende der ersten Staffel, als das Seuchenkontrollzentrum in die Luft fliegt! Sie erinnern sich an rennende Menschen, die sich an den Händen halten, wild um sich schießen und sich so einen Weg durch umherirrende Zombies zu ihren Autos bahnen.

Die 2. Staffel "The Walking Dead" ist bei WVG/eOne erschienen.
Die 2. Staffel "The Walking Dead" ist bei WVG/eOne erschienen.(Foto: WVG/eOne)

Zombies? Da klingelt's, oder? Die schlurfenden, schabenden Geräusche, die sie machen, wenn sie sich langsam auf einen zubewegen. Die leeren, milchigen Augen, die Sie fixieren und in Ihre Seele zu blicken scheinen. Die grunzenden, wütenden Laute, wenn sie etwas Menschliches wittern, etwas, das ihren nie enden wollenden Hunger stillen könnte. Im Hintergrund spielt leise Bob Dylan auf seiner Gitarre "Tomorrow Is A Long Time". Abblende und Abspann der ersten Staffel.

Das nennt man Cliffhanger. Und was für einer. Die Zombies fungieren dabei als Köder, die menschlichen Charaktere geben dem Cliffhanger wie der gesamten Serie aber erst die Tiefe, um auch beim breiten Publikum punkten zu können und sich wie ein Virus im Gedächtnis der Zuschauer festzusetzen. Aufblende zur zweiten Staffel:

Bekämpfe die Toten!

Immer auf der Hut bleiben und ein Auge auf die nähere Umgebung: Das ist überlebenswichtig.
Immer auf der Hut bleiben und ein Auge auf die nähere Umgebung: Das ist überlebenswichtig.(Foto: WVG/eOne)

Die Gruppe um den Kleinstadtpolizisten Rick (Andrew Lincoln) ist nach der Explosion des Seuchenkontrollzentrums, in dem sie sich Hilfe und Antworten zur Zombie-Seuche erhofft hat, die das Land heimsucht und entvölkert, nun auf dem Weg zum mehr als 120 Meilen entfernt gelegenen Armeestützpunkt Fort Benning. Die Sonne scheint, als die Gruppe mit ihren Wagen auf dem Highway liegenbleibt. Hunderte Fahrzeuge machen ein Vorwärtskommen nahezu unmöglich. Zudem streikt Dales (Jeffrey Demun) Wohnmobil. Ein neuer Kühlerschlauch muss her. Dale und Glenn (Steven Yeun) machen sich an die Reparatur, während der Rest die umliegenden Autos nach Essen, Wasser, Medikamenten, Waffen oder sonst irgendetwas Nützlichem durchsucht.

Lori hält Carol den Mund zu - der falsche Laut zur falschen Zeit, und man ist schneller tot als gedacht.
Lori hält Carol den Mund zu - der falsche Laut zur falschen Zeit, und man ist schneller tot als gedacht.(Foto: WVG/eOne)

Plötzlich tauchen Zombies auf. Wie aus dem Nichts strömen sie einem Fischschwarm gleich durch den Konvoi der Autowracks. Die Gruppe reagiert schnell, alle verstecken sich so gut es geht: in den Autos, auf den Autos oder am besten: darunter. Als die schlurfenden Massen an ihnen vorüberziehen, schaut der kleine Carl (Chandler Riggs) fasziniert zu; der kleinen Sophia (Madison Lintz) ist wie ihrer Mutter Carol (Melissa McBride) dagegen die Angst ins Gesicht geschrieben. Andrea (Laurie Holden) wird in Dales Wohnmobil angegriffen, ohne Pistole muss ein Schraubendreher sie retten und bereitet dem Zombie tödliche Kopfschmerzen. Sophia hat weniger Glück. Als ein Streuner sie entdeckt, flieht sie in den Wald am Highway. Rick rennt hinter ihr her, holt sie ein und versteckt sie in einer kleinen Höhle an einem nahegelegenen Fluss. Er versucht allein den Streuner wegzulocken, um Sophia zu retten. Es gelingt. Allerdings wartet Sophia nicht wie verabredet auf die Rückkehr von Rick, mit ihrer Stoffpuppe in der Hand macht sie sich auf in den Wald, zurück zum Highway. Dort kommt sie allerdings nie an.

Alle in der Gruppe wollen Sophia finden. Aber die Gruppe teilt sich auf und das wird zum Problem
Alle in der Gruppe wollen Sophia finden. Aber die Gruppe teilt sich auf und das wird zum Problem(Foto: WVG/eOne)

Alle sind sich einig: Sie können erst weiterziehen, wenn Sophia gefunden wurde. Das ist wichtig für die Moral jedes Einzelnen, selbst für Shane (Jon Bernthal), der sonst nur aus purem Eigensinn die Sicherheit von Carl und Ricks Ehefrau Lori (Sarah Wayne Callies) im Kopf hat. Auch Carl hilft bei der Suche. Als er mit Rick und Shane den Wald nach Lebenszeichen des Mädchens absucht, wird Carl angeschossen. Ein Jäger, Otis (Pruitt Taylor Vince), hat es auf einen Hirsch abgesehen, die Kugel durchschlägt das Tier und trifft den Jungen. Otis versucht seinen Fehler wiedergutzumachen und bringt die drei zu einer nahegelegenen Farm. Dort wohnt Hershel (Scott Wilson) mit seiner Familie. Als Veterinär verfügt er über das benötigte ärztliches Wissen, um den Jungen zu retten. Während er und Rick um Carls Leben kämpfen, informiert Hershels Tochter Maggie (Lauren Cohan) den Rest von Ricks Gruppe, der bald darauf auf der Farm eintrifft und sich auf dem Gelände häuslich niederlässt.

Fürchte die Lebenden!

Es menschelt immer wieder: Gespräche von Vater zu Sohn.
Es menschelt immer wieder: Gespräche von Vater zu Sohn.(Foto: WVG/eOne)

Bis dahin fragt sich der geneigte Zuschauer: Wo sind die Zombies? Denn außer zu Beginn tauchen sie bis dahin nur vereinzelt auf, als Streuner, die ziellos umherirren, dabei auch schon einmal in einen Brunnen fallen, wo sie dann als lebende Wasserleiche der Dinge harren, die da noch kommen mögen. In den Mittelpunkt rücken stattdessen die einzelnen Gruppenmitglieder und ihre Problemchen und Probleme: Carol wird wegen des möglichen Verlusts ihrer Tochter immer hysterischer; Andrea mehr und mehr zum Waffennarr und Shane-Fan. Lori ist schwanger und sich nicht sicher, ob sie das Kind in eine solche Welt bringen will, ein Kind zudem, von dem sie nicht hundertprozentig weiß, wer der Vater ist. Glenn, Sohn koreanischer Einwanderer und ehemaliger Pizzabote, verliebt sich in Maggie, hat seinen ersten Sex und kämpft danach mit den Launen seiner neuen Freundin und mehreren ihm anvertrauten Geheimnissen. Rick versucht unablässig, die Sicherheit der Gruppe zu gewährleisten, weiß aber auch um seinen Nebenbuhler Shane und hat Selbstzweifel, ob er der richtige Anführer der Gruppe ist. Hershel wiederum will die Neuankömmlinge so schnell wie möglich loswerden, denn er hat ein grausames Geheimnis.

Zombie oder Daryl? An der Armbrust kann man es erkennen.
Zombie oder Daryl? An der Armbrust kann man es erkennen.(Foto: WVG/eOne)

Und peng: Die Zombies sind zurück. Eine Menge sogar. Hershel hält sie in seiner Scheune gefangen. Er glaubt, dass es noch Menschen sind, die nur irgendwie geheilt werden müssten. Unter den Gefangenen sind auch seine Frau und einige weitere Verwandte und Bekannte. Als Shane von den Beißern erfährt, rastet er aus. Er hat, um sein eigenes Leben und das von Carl zu retten, Otis bei der gemeinsamen Besorgung von Medikamenten erschossen und sich danach die Haare geschoren - sein Äußeres seinem neuen Inneren somit angepasst. Den Kopf leicht gesenkt, die linke Augenbraue nach oben gezogen, markiert er immer mehr den starken Mann. Und so kommt es, wie es kommen musste: Die tickende Zeitbombe Shane räumt in der Scheune auf. Ein paar aus der Gruppe machen mit, während Hershel untätig mit ansehen muss, wie ein Teil seiner "Liebsten" hingerichtet wird. Als die Scheune leer scheint, stolpert unbeholfen und mit dem Kopf hin und her wackelnd ein kleines Mädchen durchs offene Scheunentor: Sophia. Die Beißer haben sie erwischt. Rick schießt ihr in den Kopf.

Es gibt keine Hoffnung!

Jetzt hat die zweite Staffel von "The Walking Dead" einen doch erwischt. Man sitzt vor dem Fernseher und schaut gebannt auf das Geschehen darin, die Augen weit aufgerissen, die Hände schweißnass. Wieso die kleine Sophia? Die hat doch keinem etwas getan! Was passiert jetzt? Was wird aus Carl, aus Rick, aus Shane und Hershel? Letzterer ist trockener Alkoholiker und seitdem gottesfürchtig - George W. Bush lässt grüßen. Hershel bricht nach dem Gemetzel ohne ein Wort zu sagen auf und verschwindet in die nächste Stadt, in eine Bar. Was soll das Ganze hier auch noch? Was hat das alles für einen Sinn? In der Zwischenzeit versucht sich seine jüngste Tochter Beth (Emily Kinney) das Leben zu nehmen. Zwischen Andrea und Lori gibt es handfesten Streit, ebenso zwischen Maggie und Andrea. Die Nerven der Frauen liegen blank, weil Andrea - mittlerweile mit Waffe ausgestattet und als Scharfschützin unterwegs - mehr sein will als nur das helfende Heimchen am Herd. Sie will mit Shane am liebsten weg von der Gruppe. Shane hat diese Idee aber bereits wieder ad acta gelegt, er will sich stattdessen Ricks entledigen und schmiedet einen Plan. Und Rick selbst?

Die Zombies können sich sehen lassen.
Die Zombies können sich sehen lassen.(Foto: WVG/eOne)

Rick schnappt sich Glenn und sie suchen Hershel. Die beiden finden ihn und werden selbst von der Vorhut einer anderen Gruppe gefunden. Es kommt zum Schusswechsel, aus dem Rick, Glenn und Hershel als Sieger hervorgehen, als Sieger mit einer Trophäe: Randall, ein Jugendlicher, verletzt zurückgelassen. Sie nehmen ihn mit auf die Farm, pflegen ihn gesund, um ihn dann wieder auszusetzen. Das will Rick anfangs so. Shane will Randall lieber umbringen, weil er die andere und viel größere Gruppe zur Farm führen könnte. Das wäre dann das Ende für alle. Soweit kommt es aber nicht.

Nicht die andere Gruppe findet die Farm, sondern eine weitere Horde Beißer. Mitten in der Nacht wird das Gelände überrannt. Es kommt zum finalen Showdown - mit allem, was dazugehört, inklusive eines Cliffhangers.

Langsamer Beginn, Ende mit Paukenschlag

Während in der ersten Staffel mit den sechs Folgen der Handlungsrahmen eng gesteckt war und deshalb nie Langeweile aufkam, hat die zweite Staffel beim Spannungsaufbau und -transport so einige Schwächen. Kurzum: Es dauert, bis Staffel zwei auf Schwung kommt. Zu viel zwischenmenschliches Kleinklein rückt in den Vordergrund. Es wird viel geredet, oft und gern auch über Gott und dessen Rolle an dem ganzen Schlamassel. Dann zwischen Mann und Mann oder Vater und Sohn. Dabei verkommt "The Walking Dead" fast zu einer stinknormalen US-Vorabend-Daily-Soap.

Shane auf der Flucht vor Streunern - am Staffelende ist er tot. Richtig tot.
Shane auf der Flucht vor Streunern - am Staffelende ist er tot. Richtig tot.(Foto: WVG/eOne)

Der Zuschauer beginnt sich zu wünschen, dass einige Charaktere der Gruppe doch möglichst schnell verschwinden sollten, wie Carol beispielsweise. Oder er fragt sich, weshalb T-Dog noch mitspielt, der nur ab und auftaucht, um dann mit Selbstironie ob seiner afrikanischen Herkunft, zumindest immerhin für einige Lacher zu sorgen. Warum denn nicht mehr davon? Überhaupt: Der Humor kommt um einiges zu kurz. Und das, wo der Überlebenskampf doch schon hart genug ist.

Das, was bei der ersten Staffel so wunderschön und neu war: die ausgezeichneten Bilder einer zerstörten Welt, die Nahaufnahmen des Chaos‘, fehlen fast völlig. Die Bar, wo sich Hershel betrinkt, ist so aufgeräumt, als ob sie nie geschlossen war, als ob es die Zombies nie gegeben hat. Shanes neuer Hyundai sieht aus, als ob er direkt aus dem nächstgelegenen Autohaus stammt. Aber genau an dem Punkt, wo der Zuschauer denkt: Was haben die Macher nur aus dieser fantastischen Comicserie von Robert Kirkman gemacht (der die zweite Staffel allerdings mitproduziert hat), kriegen sie gerade noch die Kurve: Die beiden letzten Episoden reißen alles raus!

Plötzlich erinnert sich der Zuschauer an Kleinigkeiten: in einer Kirche sitzende Zombies, andächtig wie bei einem Gottesdienst; an den Wahnsinnsmoment, als Carl den Hirsch mitten im Wald sieht, ringsherum völlige Stille, kein Vogelgezwitscher, kein störender Windhauch, nur der in Carls Richtung blickende Hirsch und ein kleiner Junge, der, von der Magie der Natur angezogen, sich langsam dem Tier nähert. Was für ein Moment! Bumm. Carl sackt zusammen. Der Zuschauer erwacht wie aus einer Trance. Diese Momente gibt es, sie fallen einem nicht direkt ins Auge, aber man erinnert sich später daran, sie bleiben hängen. Ebenso wie die eingestreuten Rückblenden, als beispielsweise Armeehubschrauber einen Highway mit Napalm beschießen und diese in der Nacht gefilmten Bilder dem Zuschauer das wirkliche Ausmaß von der sich ausbreitenden Katastrophe offenbaren.

Man erinnert sich an die Tipps aus der ersten Staffel: immer in Bewegung bleiben; die Hauptstraßen meiden; die Gruppe zusammenhalten. Tipps, die in der zweiten Staffel (gewollt?) vernachlässigt werden, mit der Konsequenz, dass die Gruppe letzten Endes ein völlig neues Gesicht bekommt. Dann doch also. Nicht Carol stirbt, aber Shane. Erst durch Ricks Hand, dann durch Carls. Und da wäre er wieder, der perfekte Cliffhanger: Wieso stirbt Shane zweimal? Er war doch nicht infiziert, oder? Oh doch, er wurde zwar nicht gebissen. Aber Shane war dennoch infiziert.

"Wir sind alle infiziert", offenbart Rick der Gruppe zum Schluss. In allen ruht der Virus, er bricht aus, wenn man stirbt. Und noch etwas sagt Rick: "Damit eins klar ist, wenn ihr bleibt, ist das hier keine Demokratie mehr!" Willkommen beim perfekten offenen Ende der zweiten Staffel. Sind Sie angefixt?

 

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Quelle: n-tv.de

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