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Fünf gegen einen - ist das nicht ein bisschen unfair?
Fünf gegen einen - ist das nicht ein bisschen unfair?(Foto: dpa)

Action vom Feinsten : Tom Cruise ist Jack Reacher

Von Sabine Oelmann

Abgebrüht, brutal, schnell, harte Schlägereien und wüste Verfolgungsjagden anziehend – das kann nur Tom Cruise sein. In altbewährter "Mission Impossible"-Manier haut er als Jack Reacher alles aus dem Weg, was da nicht hingehört. Nicht wirklich neu, aber gut gemacht.

Der neue Tom-Cruise-Film hat leider viel Bezug zur Realität: Für einen Wahnsinnigen ist es anscheinend ein Leichtes, sich in den Vereinigten Staaten von Amerika auf ein Hausdach zu begeben und wie blöde um sich ballern beziehungsweise gezielt Menschen abzuschießen wie Rosen auf einem Jahrmarkt. Was leider nicht stimmt, ist, dass Helden in Form eines "Jack Reacher" auftauchen und das Verbrechen dann aufklären und die Schuldigen ihrer Strafe zuführen. Das ist Film, doch wenn der so gut gemacht ist wie in diesem Fall, dann macht Action-Kino tatsächlich Spaß – und man wünscht sich, dass zumindest vor jeder Schule ein Jack Reacher stehen würde.

Äktschn vom Feinsten - das bietet Jack Reacher.
Äktschn vom Feinsten - das bietet Jack Reacher.(Foto: dpa)

In den USA musste Tom Cruise sich dem "Hobbit" beugen, einem kleinen Typen mit sehr behaarten Füßen. Das würde er sich im Kino sicher nicht gefallen lassen. In Deutschland läuft der Hobbit ja schon eine Weile, und so hat Cruise hier zulande die ganze Bühne fast für sich alleine. Erstaunlich übrigens, wie er es immer wieder schafft, so einen Unterschied zu machen zwischen sich als Privatperson und sich selbst als Schauspieler. Man fragt sich schon gar nicht mehr, warum Katie Holmes den seit Jahren  erfolgreichen Superstar verlassen hat, unsere Antwort ist klar: Iih, der ist Scientologe. Und die arme Suri, sein Kind mit Katie, darf nun endlich eine redliche Katholikin sein, nachdem sie aus Papas Fängen befreit wurde. War bis vor einiger Zeit das Wort "Katholik" nicht auch so eine Art Schimpfwort? Zumindest mit merkwürdigen Sitten und Gebräuchen besetzt (Stichworte "Zölibat" und "Beichte")? Das alles ist egal, wenn es getoppt werden kann durch eine Sekte. Und das ist ja auch richtig so, kein Mensch kann verstehen, wie man seinem Kind so viele Zwänge antun kann wie Tom Cruise es seiner Suri antun wollte, indem er sie auf eine Scientologen-Schule schicken wollte. Aber darüber soll es hier an dieser Stelle ja gar nicht gehen, gute Güte!

Es geht um einen Film ("Ist doch nur ein Film" muss man sich an manchen, besonders aufregenden Stellen dann auch mal zuflüstern).  Und in dem geht es um Folgendes:  Ein Scharfschütze sucht auf den Stufen eines Bürogebäudes nach Opfern, er beobachtet sie durch sein Zielfernrohr. Kurz darauf sterben fünf Menschen – vermeintlich willkürlich ausgesucht. Der Täter, der für seinen Aufenthalt im Parkhaus tatsächlich Geld in den Automaten geworfen hat, kann entkommen, die Polizei findet den Verdächtigen jedoch schnell: James Barr, ehemaliger Heckenschütze beim Militär. Als dieser festgenommen wird und ein Geständnis ablegen soll, nimmt er Stift und Blatt  und schreibt darauf nur drei Worte: "Get Jack Reacher!"

Der unnahbare Einzelgänger und das Mädchen

Der Held auf dem Weg zu seinem Mädchen ...
Der Held auf dem Weg zu seinem Mädchen ...(Foto: dpa)

Aber bevor Jack Reacher sich finden lässt, findet er lieber selbst – und zwar sich ein: auf dem Polizeirevier. Dort stellt er sich zur Verfügung, um an dem anscheinend doch so klaren Verbrechen weitere Aufklärungsarbeit zu leisten. Reacher ist ein ehemaliger Militärpolizist, der nicht nur für sein ermittlerisches, sondern auch unruhestiftendes Talent bekannt ist. Er ist bereits seit einiger Zeit untergetaucht. Nun ist er da – und er versetzt nicht nur die Ermittler in Nervosität, sondern auch Pflichtverteidigerin Helen Rodin. Reacher fasziniert sie, in seiner ganzen Körperlichkeit, aber auch, weil er ein so guter und scharfer Beobachter ist. Sie steht ihm dann natürlich zur Seite, als der Rest des Ermittlerteams die Methoden des Außenseiters anzweifelt – und so ein kleines Techtelmechtel hat noch keinem Actionfilm geschadet. Auch Kriegsveteran Cash (herrlich kauzig: Robert Duvall) steht auf Reachers Seite.

Helen Rodin (Rosamund Pike) jedoch begibt sich auf dünnes Eis, als sie anfängt, Reacher ein bisschen zu charmant zu finden. Welche Rolle spielt ihr Vater in dem Ganzen? Und ist der Verurteilte auch wirklich der Schuldige? Was hat der leitende Ermittler zu verbergen? Zweifel kommen auf. Und auch, wenn der Film an einigen Stellen gerne mehr in die Tiefe hätte gehen können, zum Beispiel bei der Darstellung der Opfer, ist es ein guter Film: Aus der Romanvorlage "One Shot" von New York Times Bestsllerautor Lee Child hat der US-amerikanische Regisseur Christopher McQuarrie mit "Jack Reacher" einen Thriller geschaffen, der zwar weniger durch seine überschaubare Handlung, dafür aber durch Schnelligkeit sowie klare Zeichnung seiner Figuren besticht. Cruise und McQuarrie kennen sich bereits gut: In "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" schrieb McQuarrie das Drehbuch mit. Cruise ist übrigens nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch als ausführender Produzent. McQuarrie erklärt: "Jack Reacher ist ein selbstbewusstes, zentriertes Individuum und ein überzeugter Einzelgänger. Toms Persönlichkeit ähnelt am meisten der von Jack Reacher und dadurch gelingt es ihm, die einzigartigen Facetten des Titelhelden zu verkörpern. In den aufreibendsten Situationen gelingt es Reacher, ähnlich wie Cruise selbst, stets Ruhe zu bewahren, er ist nie gestresst und entwaffnet seinen Gegenüber auch gewaltlos mit unvergleichbarem Charme und trockenem Humor." Wow, das klingt ja fast verknallt. Und auch Cruise findet die richtigen Worte, denn ohne das Go von Reachers Schöpfer Lee Child, dessen legendäre Romane ohne Problem eine Fortsetzung des Werkes bilden könnten, wäre eine Zusammenarbeit mit dem Hollywoodstar nie zustande gekommen: "Sein Einverständnis war für mich entscheidend. Wenn er nicht zugestimmt hätte, hätte ich Reacher nicht gespielt", erklärt Cruise.

Über Werner Herzog urteilen Sie bitte selbst.
Über Werner Herzog urteilen Sie bitte selbst.(Foto: dpa)

Ach ja, noch ein Schmankerl: "Unser" Werner Herzog, seines Zeichens Regisseur ("Fitzcarraldo", "Bad Lieutenant") spielt auch eine Rolle. Doch darüber urteilen Sie bitte selbst. Sicher ist das kein Film, der für die Oscars in Erwägung gezogen werden wird, aber er bietet gute, solide Unterhaltung mit einem an manchen Stellen vielleicht etwas zu patriotischen Tom Cruise – aber besser so als anders herum. Sein letzter Auftritt in "Rock Of Ages" war den Kritikern ja auch nicht genehm.  Der Mann polarisiert - und er wird die Kasse wieder klingeln lassen. Die Szene "er gegen fünf großmäulige Schlägertypen" ist außerdem einfach nur herrlich!

"Jack Reacher" startet am 3. Januar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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