Unterhaltung
Die Toten Hosen: 30 Jahre Punkrock made in Düsseldorf
Die Toten Hosen: 30 Jahre Punkrock made in Düsseldorf(Foto: Matias Corral)

"Schade, scheiße, wie kann das passieren?": Tote Hosen punken nicht mehr

von Thomas Badtke

30 Jahre Die Toten Hosen. 30 Jahre Rock. 30 Jahre Spaß, Drogen und Gefühle. Alles vereint auf einem Album: "Ballast der Republik". Den Düsseldorfern ist damit ein ganz großer Wurf gelungen, ein Meilenstein, ein Werk für die Ewigkeit - mit einem kleinen, unüberhörbaren Manko, das eigentlich keines ist.

Campino, cool wie immer und mit dem Herzen bei der Fortuna.
Campino, cool wie immer und mit dem Herzen bei der Fortuna.(Foto: Slavica)

"Ich wart' seit Wochen, auf diesen Tag. Und tanz' vor Freude über den Asphalt. Als wär‘s ein Rhythmus, als gäb‘s ein Lied, das mich immer weiter durch die Straßen zieht …" Um genau zu sein, es sind 16. 16 neue Songs der Kult-Punkrockband Die Toten Hosen. Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum "In aller Stille" schenken die Düsseldorfer ihren Fans wieder einmal eine richtige Platte, nach Live- und Greatest-Hits-Album. Und die CD, die den geschichtsträchtigen Namen "Ballast der Republik" trägt, kann sich hören lassen. Mehr als das sogar.

Es ist das rundeste Album der Band in ihrer mittlerweile 30-jährigen Geschichte. Aber: Es ist auch alles andere als eine Punk-Scheibe. Aus der "Opel-Gang" Anfang der 1980er sind zum Teil Familienväter und Ehemänner geworden. Bandleader Campino geht auf die 50 zu. Da stehen "Korn, Bier, Schnaps und Wein" von einst nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste. Was sich für die Fans erst einmal negativ anhören könnte, ist es aber nicht, denn "Ballast der Republik" ist auch das persönlichste Album der Toten Hosen.

Gefühle, mal ruhig geflüstert …

Die Toten Hosen "Ballast der Republik" (JKP/Warner)
Die Toten Hosen "Ballast der Republik" (JKP/Warner)(Foto: JKP/Warner)

Da singt Campino von seinem ersten Acid-Trip, auf dem er 1980 war, als Bon Scott "im Alkohol ertrinkt" ("Traurig einen Sommer lang"). In "Das ist der Moment" gibt er Einblicke in sein Leben als Familienvater, in "Draußen vor der Tür" arbeitet Campino das einstmals schwierige Verhältnis zu seinem Vater auf ("Ich wollte nie so sein wie du und wie du denkst. Heute merke ich immer wieder, wie ähnlich ich dir bin … wir haben uns verziehen, der Wind hat sich gelegt. Das ist alles so lange her …"), setzt ihm mit dem langsamsten und nachdenklichsten Lied der CD ein persönliches Denkmal, das ans Herz geht.

Langsame Songs konnten die Hosen schon immer. Rocken ebenso. Aber das Spektrum dieser beiden Richtungen hat sich eindeutig verbreitert. Statt straighten Punk liefert "Ballast der Republik" eine Mischung von allem ab, was die fünf berühmtesten Düsseldorfer in 30 Jahren je musikalisch versucht haben. "Drei Worte" beginnt ruhig, nur um dann im Gehörgang zu explodieren. Der Opener "Drei Kreuze" ist die perfekte Ouvertüre zum Titelsong "Ballast der Republik".

… Gefühle, mal herausgeschrien

V.l.n.r.: Campino, Breiti, Vom Ritchie, Andi, Kuddel
V.l.n.r.: Campino, Breiti, Vom Ritchie, Andi, Kuddel(Foto: Matias Corral)

Danach folgt die erste veröffentlichte Single "Tage wie diese", seit Wochen bereits in den Top Ten und eines der Lieder, das noch in Jahren aus Tausenden Kehlen erklingen wird - weil es wie die früheren "Steh auf, wenn du am Boden bist", "Hier kommt Alex", "Kein Alkohol (ist auch keine Lösung)" oder "Bayern" Stadionrockhymnen-Charakter besitzt. "Schade, wie kann das passieren?" steht dem ebenfalls in nichts nach. Das sind zwei Songs, die man sofort mitsingen will, den Text laut herausschreien will. Das Ganze mit einer Gänsehaut auf Armen und Nacken und mit dem Gefühl im Herzen, Teil von etwas Großem und Wunderbaren zu sein.

Da ist es am Ende auch egal, dass wirkliche Punksongs fehlen. Lieder wie "Liebesspieler", "Opel-Gang" oder "Wir sind bereit" aus den Anfangsjahren der Band. Punk mit 20? Geil! Punk mit 30? Okay. Aber Punk mit 50? Das kann dann eigentlich "nur" Rock sein. Politische Statements sind dabei erlaubt und gewollt - "Ballast der Republik" natürlich und vor allem der Flüchtlingssong "Europa" machen das deutlich -, im Vordergrund stehen sie aber nicht.

Punk is not dead

Old-School-Punkfans der Düsseldorfer können sich dann doch noch freuen: Zum 30-jährigen Jubiläum spendieren die Hosen passenderweise eine Jubiläums-CD, die "Ballast der Republik" beigelegt ist. Auf "Die Geister, die wir riefen" sind 15 Songs im Punkkleid. Auch hier ist das Spektrum breit gefächert und reicht von "Die Moorsoldaten" über "Einen großen Nazi hat sie!", "Lasset uns singen" bis hin zu "Rock me Amadeus" und den Ärzte-Song "Schrei nach Liebe".

Was aber am Ende wirklich hängen bleibt, ist nicht die Punk-Compilation. Was hängen bleibt, ist das "Ballast der Republik"-Album, sind die Rockhymnen. Jeder Fußballfan, egal, ob er etwas für Fortuna übrig hat oder nicht, wird "Schade, wie kann das passieren?" und "Tage wie diese" lieben: "An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit. An Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit. In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht, erleben wir das Beste. Kein Ende ist in Sicht!"

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Quelle: n-tv.de

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