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Tour Transalp 2012: In sieben Tagen über die Alpen
Tour Transalp 2012: In sieben Tagen über die Alpen(Foto: Tour Transalp 2012)

800 Kilometer, 19.000 Höhenmeter, 7 Etappen: Tour Transalp: "Höhenluft macht geil"

Von Thomas Badtke

Timmelsjoch, Würzjoch, Grödnerjoch, Sellajoch, Passo Fedaia: Worte, die jedem Radsportfan und Hobby-Radler auf der Zunge zergehen. In sieben Tagen gilt es, das größte Gebirgsmassiv Europas zu überqueren: im Team, und so schnell wie möglich. Willkommen beim spektakulärsten Etappenrennen für Jedermänner.

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Rund 800 Kilometer, etwa 19.000 Höhenmeter und 7 Etappen: Was sich anhört wie eine Woche bei der Tour de France, wie eine sportliche Herausforderung, die nur Radprofis bewältigen können, ist das vielleicht härteste Etappenrennen der Welt für Jedermänner - die Tour Transalp. In diesem Jahr feiert sie ihr zehnjähriges Jubiläum und ist schon längst zum Klassiker für Hobby-Radsportler geworden. Sie wird in einem Atemzug mit dem Ötztaler genannt, der seine Teilnehmer an einem Tag über 250 Kilometer, 5500 Höhenmeter und 4 Alpenpässe schickt.

Das besondere an der Transalp: Es ist ein Teamrennen. Kein Fahrer radelt allein. Nur gemeinsam sind die Hobby-Pedaleure stark. Der Starke muss auf den schwächeren Fahrer Rücksicht nehmen. Am besten klettert und rast das Team, das am ausgeglichensten ist. Aber mal ehrlich: Der Sieg ist nicht das Ziel, zumindest nicht für das Gros des Fahrerfeldes.

Für die breite Masse der 1400 Fahrer ist Ankommen das Ziel. Sieben Tage im Sattel sitzen und sich über Alpenpässe quälen, bei fast nur Sonnenschein - da kann man auch schon mal den Blick für das Wesentliche aus den Augen verlieren: die atemberaubenden Landschaften und Panoramen, die sich den Fahrern die Pässe hinauf und hinab abseits der für das Rennen komplett gesperrten Strecke bieten. Aktiverholungsurlaub im Sattel.

"Höhenluft macht geil"

Am Start in Mittenwald ein Gewirr aus Köpfen, Armen, Beinen und Rädern
Am Start in Mittenwald ein Gewirr aus Köpfen, Armen, Beinen und Rädern(Foto: Tour Transalp)

Die 10. Schwalbe Tour Transalp powered by Sigma, so der komplette Name des Rennens, beginnt im oberbayerischen Mittenwald. Punkt 8.30 Uhr. 115,16 Kilometer und 2467 Höhenmeter später liegt der Leutasch und der Kühtai hinter dem Fahrerfeld. "Die Transalp hat zum ersten Mal ihre Zähne gezeigt", sagt Rennleiter und Organisator Uli Stanciu zufrieden im Zielort Sölden. Das aber bei blendendem Wetter.

Von Sölden geht es nach Brixen, von Regen in Sonnenschein. Dazwischen warten 123,87 Kilometer und fast 3000 Höhenmeter und bereits das Dach der Tour: das 2509 Meter hohe Timmelsjoch. Der ebenfalls zu überquerende Jaufenpass fällt da fast schon nicht mehr ins Gewicht. Der Regen übrigens auch nicht, schließlich gilt: Wer einmal richtig nass geworden ist, der lernt den Sonnenschein erst wirklich schätzen. Ein Fazit aus dem Peloton: "Höhenluft macht geil!"

"Tour Transalp 2012" ist bei Delius Klasing erschienen.
"Tour Transalp 2012" ist bei Delius Klasing erschienen.(Foto: Delius Klasing)

Die 3. Etappe führt vom Brixener Domplatz nach St. Vigil in die Dolomiten. Mit 85,1 Kilometern ist es die kürzeste Etappe, aber die zu bezwingenden 2939 Höhenmeter inklusive Würzjoch und Furkelpass machen sie auch zur härtesten der Jubiläumstour. "Sausteil" und "sauschwer" sind neben ausgestoßenen Flüchen zur körperlichen Verfassung und zum Streckenprofil die wohl am häufigsten gefallenen Worte auf dieser Etappe.

Als Belohnung wartet der 4. Abschnitt von St. Vigil nach Falcade, die laut Rennleiter Stanciu "schönste Etappe" der Jubiläums-Transalp. 107,56 Kilometer und 3561 Höhenmeter stehen auf dem Programm, gespickt mit Grödnerjoch, Plattkofel, Sellajoch und dem Passo Fedaia. Das Gute daran: Die Hälfte der Transalp ist vorüber.

Dolce Vita und Finisher-Trikots

Alpen-Idylle pur: So macht Radfahren Spaß!
Alpen-Idylle pur: So macht Radfahren Spaß!(Foto: Tour Transalp)

Von Falcade fährt der Transalp-Tross dann auf der 5. Etappe nach Crespano del Grappa. 128,7 Kilometer, 3057 Höhenmeter sowie Passo dei Valles, Passo Rolle und der Monte Grappa machen aus diesem Teilstück die Königsetappe. Für viele Fahrer ist sie gleichzeitig der "faszinierendste Abschnitt", denn der 1674 Meter hohe Monte Grappa steht erstmals auf dem Transalp-Streckenplan. Auch das Wort "Monster" macht die Runde. Manche sprechen bereits ehrerbietig von einem "Transalp-Mythos". Flüche aus Mündern, umrahmt von glücklichen Gesichtern …

"Geil, geil, geil"

Die Transalp 2012 neigt sich dem Ende zu, da verlangt die vorletzte Etappe den Fahrern noch einmal alles ab. Von Crespano del Grappa geht es nach Trento: 146,38 Kilometer und 2740 Höhenmeter. So mancher Oberschenkel macht da dicht, wenn es auf der "prestigeträchtigsten Etappe" (Stanciu) beispielsweise über den Passo della Fricca geht. Im Ziel ist alles dann nur noch "geil, geil, geil".

Gewusel im Ziel in Arco
Gewusel im Ziel in Arco(Foto: Tour Transalp)

Denn nun wartet der Abschluss, die letzte Etappe. Wie bei der Tour ein Schaufahren? Nicht ganz. Es geht auch um den Sieg. Zwar nur für wenige, aber dennoch. 101,92 Kilometer von Trento nach Arco. Noch einmal alles herausholen aus den müden Leibern. Das letzte Körnchen Kraft mobilisieren. 2125 Höhenmeter wollen bewältigt werden. Dann rückt die Zielgerade in Arco am Gardasee in den müden, aber glücklichen Blick. Erholung, Dolce Vita, Finisher-Trikots - und das allgemeine Fazit: Schön war’s und anstrengend, aber halt schön anstrengend, nächstes Jahr wieder!

Eine DVD zum Start

Die "Tour Transalp" fand dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Der Streckenplan für 2013 steht bereits fest. Und jeder Radsportler weiß: Der Grundstein für eine herausragende Form wird im Winter und Frühjahr gelegt, dann also, wenn die Verlockungen von Weihnachtsplätzchen, Gänsebraten und Rotwein am größten sind. Jan Ullrich weiß ein Lied davon zu singen. Wer sich aber entschließt, die Transalp zu fahren, dem sei die DVD wärmstens ans Herz gelegt.

Sie ist Motivationshilfe pur: Strahlende Radleraugen, glückliche Gesichter, Sonnenschein satt, dazu jede Menge Alpenpanoramen - einfach Bilder, die Lust auf mehr machen. Viel mehr. Ganz nebenbei wird dem Zuschauer auch noch der eine oder andere wichtige Fakt zum Start- oder Zielort nähergebracht. Wissen, mit dem man beim nächsten Radlertreff punkten kann.

Die DVD "Tour Transalp 2012" ist aber nicht nur etwas für Radsportfans. Auch Alpinisten und Liebhaber von Europas größtem Gebirgsmassiv kommen voll auf ihre Kosten. Ein besonders erwähnenswerter Gimmick: Die Abfahrten werden teilweise über mehrere Minuten aus der Fahrerperspektive gezeigt, unterlegt mit jeder Menge Indie-Rock. Der Zuschauer fühlt sich dabei fast wie in einem Videospiel. Anschauen, zuhören, selber radeln!

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Quelle: n-tv.de

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