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Ein bodenständiges Leben hätte sich Channing Tatum durchaus vorstellen können. Er ist dann aber doch Hollywoodstar geworden.
Ein bodenständiges Leben hätte sich Channing Tatum durchaus vorstellen können. Er ist dann aber doch Hollywoodstar geworden.(Foto: StudioCanal)
Mittwoch, 13. September 2017

Channing Tatum: Fast normal: "Vielleicht fliegen Engel um mich rum"

Ein paar einfache Jungs landen den großen Coup. Vom Leben abgehängt planen sie den ganz großen Überfall. So in etwa geht die Geschichte von Steven Soderberghs jüngstem Streich "Logan Lucky". Der Film ist buntes Heldenkino mit Hauptfiguren aus einer Ecke der US-amerikanischen Bevölkerung, die dieser Tage hierzulande vor allem als Trump-Wählerschaft Beachtung erfährt. Eine der Hauptrollen spielt Channing Tatum - diesmal nicht mit Stripper-Sixpack à la "Magic Mike", dafür mit ganz viel Herz. Im Gespräch mit n-tv.de zeigt sich, wie sehr ihm die Leute in West Virginia, wo der Streifen spielt, am Herzen liegen. Der 37-Jährige erzählt, wieso er auch wie seine Figur im Film hätte enden können, und er verrät seine Glückszahl.

n-tv.de: Sie haben im College Football gespielt - ganz wie Jimmy Logan, Ihre Figur im Film. Sie beide sind in ländlichen Gegenden aufgewachsen. Gibt es noch mehr solcher Gemeinsamkeiten? Fühlen Sie sich ihm verbunden?

Channing Tatum: Ich habe sogar an einem College in West Virginia gespielt! Wenn ich danach (Tatum hat das College abgebrochen; Anm. d. Red.) dort geblieben oder an einen Ort wie Harlan County in Kentucky gegangen wäre, hätte ich leicht wie Jimmy enden können. Ich habe früher mal als Zimmermann gearbeitet. Ich könnte mir gut vorstellen, ein gewöhnliches, bodenständiges Leben zu leben - in der Hoffnung, genügend Geld zu verdienen, um meine Familie zu ernähren. Aber glücklicherweise bin ich irgendwann in die Stadt gezogen. Nach Tampa, um genau zu sein, da hat man mehr Möglichkeiten.

Was bedeutet es, in einer Gegend wie West Virginia zu leben?

Viel weiter in die Berge als nach West Virginia geht es nicht. Dort ist man isoliert. Es gibt keine großen Städte, nur kleine Städtchen - und die gibt es überhaupt nur deswegen, weil dort früher einmal Kohle abgebaut wurde. Aufgrund der Industrie kamen Menschen aus der ganzen Welt dorthin, um zu arbeiten. Das ging so für Generationen. Dann haben die Unternehmen aus heiterem Himmel dichtgemacht und sind abgezogen. Zurück blieben all diese Familien, die ihre Heimat lieben. Doch die bietet ihnen keine Chancen mehr.

Bevor es mit der großen Promo-Tour für "Logan Lucky" losging, haben Sie einen Roadtrip durch diesen Teil der USA gemacht. Mit welchem Eindruck sind Sie heimgekehrt?

Wir haben unterwegs zum Beispiel eine Polizeistation besucht. Mir war nicht bewusst, wie kompliziert die Situation der Polizisten dort ist. Es gibt Probleme mit Drogen, mit Opiaten und Meth. Für gewöhnlich kennen die Polizisten die Leute, die sie verhaften. Sie kennen ihre Kinder. Kleinstädte sind wie große Familien: Es gibt eine Menge Drama.

Denken Sie, den Menschen vor Ort wird "Logan Lucky" gefallen?

Die Brüder Jimmy und Clyde sind in "Logan Lucky" zunächst nicht gerade mit Glück gesegnet - sie nehmen das dann aber selbst in die Hand.
Die Brüder Jimmy und Clyde sind in "Logan Lucky" zunächst nicht gerade mit Glück gesegnet - sie nehmen das dann aber selbst in die Hand.(Foto: StudioCanal)

In "Logan Lucky" zeigen wir einen Teil der USA, der gerade eine wirklich harte Zeit durchmacht. Der Film ist nicht plump. Wir erzählen nicht einfach immer und immer wieder, wie elend es diesen Menschen geht. So verhalten sie sich im Übrigen auch überhaupt nicht. Es sind stolze Menschen. Sie wollen einfach ein bisschen Hoffnung für ihre Gemeinschaft. Die Regierung hat ihnen geraten, umzuziehen an Orte, an denen es Arbeit gibt, oder selbst Jobs zu schaffen, die nicht an die Kohleindustrie gebunden sind. Das zu hören, ist hart. Aber die Leute werden das schaffen. Sie haben das Herz am rechten Fleck und sie wollen arbeiten! Sie sind nicht auf Almosen aus. "Logan Lucky" wird ihnen gefallen. Der Film ist ehrlich und trotzdem macht er Spaß.

Über die Logan-Brüder sagt man, ein Fluch würde ihnen andauernd das Glück verhageln. Sie scheinen davon hingegen eine solide Portion abbekommen zu haben …

Das klingt jetzt so kitschig, aber: (spricht mit Südstaatenakzent) Meine Mama hat mir immer gesagt … Von ihr habe ich gelernt, dass Glück eine Mischung aus Vorbereitung und Chance ist. Ich habe wirklich viel Glück mit meiner Karriere gehabt. Nur um das mal ins Verhältnis zu setzen: Ich habe gerade einen Strip-Club in Las Vegas aufgemacht. Hätte man mir mit 18 Jahren gesagt, dass ich einmal einen Strip-Club besitzen würde, hätte ich das für wesentlich wahrscheinlicher gehalten, als irgendwann mal Hollywoodschauspieler zu sein.

Hatten Sie auf Ihrem Weg außer dem Rat Ihrer Mutter noch ein anderes Ass im Ärmel?

Ich habe eine Glückszahl, die 33. Das war die Rückennummer meines Vaters beim Football - und meine dann auch. Manchmal taucht die 33 in bestimmten Momenten in meinem Leben irgendwo auf. Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber es bedeutet etwas! Vielleicht fliegen Engel um mich rum oder so.

Mit Channing Tatum sprach Anna Meinecke.

"Logan Lucky" startet am 14. September in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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