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Mittwoch, 13. September 2017

"High Society" in der Platte: Von der Klappcouch ins Boxspringbett

Von Sabine Oelmann

"Fifty Shades of Grey" meets "Fuck ju Göhte" meets "Die Flodders" meets Iris Berben, Katja Riemann, Emilia Schüle und Jannis Niewöhner. Mit n-tv.de plaudern die Stars über wahren Reichtum, Möchtegern-VIPs und Haarteile.

Nee, man darf das alles nicht so ernst nehmen: Iris Berben als Society-Lady Trixi von Schlacht in ihren unglaublich schönen Kaftanen und ihrem unglaublich leeren Hirn; Katja Riemann als Carmen Schlonz in ihrem unglaublich prolligen, aber warmherzigen Ambiente mit dem Herz einer Löwenmutter; Emilia Schüle mit dem süßesten Bambi-Blick seit Bambi und der zupackendsten Wandlung in der jüngsten Filmhistorie. Und dann sind da noch die Sahneschnitten Jannis Niewöhner als "Bulle" mit Herz und Sixpack und Jannik Schümann als Albrecht. Was soll man sagen - ein waschechter Albrecht eben. Außerdem erwähnenswert ist Caro Cult, die die Aura Schlonz beziehungsweise dann die Aura von Schlacht spielt. Die ist so herrlich nachvollziehbar: aus dem beengten Plattenbau in die Villa, runter von der Klappcouch, rein ins Boxspringbett. Weg von dem süßen, aber eben doch eher klammen Polizisten, hin zu den schönen und reichen Morgenmantelträgern. Zu den Überprivilegierten, aber Degenerierten.

Emilia Schüle, Katja Riemann, Caro Cult und Iris Berben bei der "High Society"-Premiere am 5. September in Berlin.
Emilia Schüle, Katja Riemann, Caro Cult und Iris Berben bei der "High Society"-Premiere am 5. September in Berlin.(Foto: imago/APress)

Denn die Klischees werden natürlich großgeschrieben in Anika Deckers überspitzer Persiflage auf das Leben zweier junger Frauen, die im Krankenhaus als Babys vertauscht wurden. Anabel von Schlacht (Emilia Schüle) ist die wohlstandsverwahrloste Partytochter einer schwerreichen Industriellenfamilie, angeführt von Trixi von Schlacht (Iris Berben). Trixi lebt das Leben frei nach der Devise: "Was lacostet die Welt?" und versucht ihrem oberflächlich dahinplätschernden Leben etwas Sinn zu verschaffen, in dem sie "Charity macht". Die darf allerdings nicht zu weit gehen: Kindern und Tieren helfen ist okay, Alte und Kranke anfassen wäre ein No-Go.

Dabei ist sie von dieser gewissen Grundunbekümmertheit, die sehr Reiche manchmal so an sich haben - man kann es ihnen gar nicht übel nehmen, wenn sie nicht wissen, was eine Packung Butter kostet ("Wenn es Trüffelbutter ist, kann sie auch schon mal 10 Euro mehr kosten"). Außerdem ist Trixie ehrgeizig: Sie will als "Spendenengel" auf das Titelblatt ihres Tennisclub-Magazins kommen. Ja, so bescheiden und fast rührend können die Wünsche der Superreichen eben auch sein.

"Hier ist doch Platz für alle"

"Der Nerz ist doch ein Nutztier, oder?"
"Der Nerz ist doch ein Nutztier, oder?"(Foto: Warner Bros. )

Dieses Leben sollte ja nun eigentlich immer so weitergehen, doch ein handfester Skandal erschüttert die Mauern der von Schlacht'schen Villa:  Anabels Geburtsklinik enthüllt die Vertauschung diverser Babys und auch Anabels wahre Herkunft. Ihre leibliche Mutter ist nämlich Carmen Schlonz (Katja Riemann), und die lebt mit ihren beiden anderen Kindern und einem illegalen Untermieter in einer Plattenbau-WG. Sowohl die gepflegte Langeweile der von Schlachts als auch das Ooohhmmm-durchflutete Leben der Patchworkfamilie Schlonz finden ein jähes Ende und sorgen für gehörige Turbulenzen. Und so machen die jungen Frauen sich auf, ihr neues Leben zu erkunden: Als Anabel in ihrem "wahren" Zuhause eintrifft, bekommt sie sich direkt mit dem attraktiven Polizisten Yann (Jannis Niewöhner) in die Haare. Und auch ihr weiterer Weg ist gepflastert mit skurrilen Begegnungen, familiären Konflikten und Liebesverwirrungen, führt sie jedoch zu den wirklich wichtigen Fragen des Lebens sowie der Suche nach ihrer wahren Identität, dem ersten richtigen Job und der Frage, was Familie eigentlich bedeutet.

Auf der anderen Seite genießt Aura nun das Leben eines "Rich Girls" in vollen Zügen. Das einzig Merkwürdige: Sie wird von den reichen Tussis sofort akzeptiert - American Express sei Dank. Auch Trixi vergisst das 25 Jahre lange genährte Kind Anabel auf der Stelle, um sich ihrem wahren Fleisch und Blut mit Begeisterung zuzuwenden; vor allem, als sie entdeckt, dass sie doch mehr Ähnlichleiten mit ihr hat als mit der bisherigen Tochter ("Was zählt nun mehr, Gene oder Erziehung?").

"Was kostet denn ein Pfund Butter?"
"Was kostet denn ein Pfund Butter?"(Foto: Warner Bros. )

Es menschelt ganz viel in "High Society" - klar, denn auch die sogenannte High Society besteht aus reellen Menschen. Nicht alle wurden mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, wie Iris Berben im Interview mit n-tv.de weiß: "Die High Society, so, wie es sie früher mal gegeben hat, gibt es nicht mehr. Und auch da gab es schließlich Unterschiede. Die in München war ganz anders als die in Berlin. Und wenn ich heute an High Society denke, dann denke ich gerne an eine intellektuelle High Society", so die 67-jährige Schauspielerin, die ihr komisches Talent voll zur Geltung bringen darf und von ihren jungen Kollegen und Kolleginnen dafür geradezu vergöttert wird. Für Jannik Schümann und Jannis Niewöhner ist es ein großes Privileg, mit ihr zu spielen - neben ihr zu spielen - für Emilia Schüle ergibt sich auch Praktisches: "Ich kann mir ganz viel Stil von ihr abgucken."

A touch too much

Mutter und Sohn in - noch - trauter Zweisamkeit.
Mutter und Sohn in - noch - trauter Zweisamkeit.(Foto: Warner Bros. )

In Anika Deckers "High Society" geht es natürlich nicht nur um Geld, es geht auch um Sex. Und natürlich hat der gut aussehende, reiche, smarte und weltgewandte Venture-Capitalist Ben Schwarz leicht abseitige Sex-Gelüste. Wobei Latexaccessoires (die, wenn man den gängigen Frauen- und Lifestylemagazinen Glauben schenken darf, zur Grundausstattung eines jedes Paares gehören) ja schön und gut sind, aber wenn es dann doch über mehr als leichtes Anketten und Auspeitschen geht, wird es auch den aufgeschlossensten Betthasen zu viel. Und natürlich ist der Charity-Event-Planer schwul, sind die Dummchen alle blond (die reichen und die armen übrigens) und sind die Unterschicht-Typen alle doch irgendwie cool. Oder wenigstens witzig.

Im wahren Leben ist jedoch vor allem der "touch too much" beim Essen nicht gefragt. Wenn sich Jannis Niewöhner und Jannik Schümann entscheiden müssten, dann ziehen sie die Currywurst dem Kaviar vor. Genauso stehen sie eher auf Frauen, mit denen man Pferde stehlen kann, als dass sie für eine Designer-Handtasche mit Pferdeemblem selbst stehlen gehen müssten, um die verwöhnte Liebste zu beglücken.

Das absolute Gegenprogramm ist Katja Riemann als Carmen Schlonz, die diverse Kinder von diversen Männern hat, in der Platte lebt und beim Discounter schuftet - dort allerdings nur verkauft, was sie für nicht bedenklich hält. Ansonsten zieht sie gern mal einen durch und hängt mit ihrem Mitbewohner Gernot, einem depressiven Frührentner (Manuel Rubey) , auf der Couch ab. Getragen von ihrem althippiesken Karma würde Carmen sich nach einer Demo gegen Pelze gern von der Polizei verhaften lassen, ist aber zu unwichtig, um auch nur eine Nacht auf Staatskosten hinter schwedischen Gardinen verbringen zu dürfen. "Da kämpft man jahrzehntelang für den Weltfrieden und trotzdem hat einen die Polizei nicht auf dem Kieker", lamentiert sie enttäuscht. "Nichtmal bei Google steh' ick."

Die einzelnen Personen sind schön persifliert - in der Gesamtheit hätte es an machen Stellen gern etwas weniger, vor allem weniger platt sein dürfen. Um sich in diesen doch eher humorbefreiten Zeiten ein bisschen zu amüsieren, ist "High Society" jedoch ideal.

"High Society" läuft ab dem 14. September in den deutschen Kinos.  

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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