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"Ich glaube, dass man mutig sein muss": Mina Tander.
"Ich glaube, dass man mutig sein muss": Mina Tander.(Foto: Christian Hartmann)

"Ich mag die leise Bedrohung": Von zart bis hart mit Mina Tander

In "Du hast es versprochen" lehrt Mina Tander die Zuschauer das Gruseln. Doch ihr gesamtes Repertoire reicht von Komödien wie "Männerherzen" bis hin zur lesbischen Ganovin im "Tatort". n-tv.de sprach mit der Schauspielerin nicht nur über ihre Rollen, sondern auch über Vorbilder, Kollegen, Angst und Horror.

n-tv.de: Das - im weitesten Sinne - Horror-Genre ist für den deutschen Film ja doch eher ungewöhnlich. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das Drehbuch zu "Du hast es versprochen" gelesen haben?

Mina Tander: Genau das. Bis dahin hatte ich so ein Drehbuch noch nicht gelesen. Ich fand es auch sehr komplex und musste erst einmal durchsteigen, welche Ebene gemeint ist. In jedem Fall fand ich es extrem spannend und sehr atmosphärisch - schon beim Lesen. Ich glaube, das ist es auch, was den Film ausmacht. Er ist sehr atmosphärisch. Und vor allem: Er traut sich was! Das finde ich toll, denn das gibt es in Deutschland in dem Genre tatsächlich sehr, sehr selten.

In "Du hast es versprochen" kommt die Schauspielerin einem dunklen Geheimnis auf die Spur.
In "Du hast es versprochen" kommt die Schauspielerin einem dunklen Geheimnis auf die Spur.

In den vergangenen Jahren hat sich der deutsche Film stark auf die Komödie verlegt. Woran liegt das?

Ich denke, dass auf eine Initialzündung immer viel folgt. Wenn zum Beispiel eine Komödie gut läuft, dann setzt sich sowohl bei den Entscheidungsträgern als auch beim Publikum so ein Gefühl fest: "Das hat ja schon mal funktioniert, das könnte wieder gut sein." Natürlich klappt das nicht mit jeder Komödie, aber gewisse Konstellationen funktionieren durchaus. Von daher fände ich es gut, wenn wir jetzt auch in einem anderen Genre in Deutschland mal so eine Initialzündung hätten.

Sie haben ja selbst in erfolgreichen Komödien wie etwa "Männerherzen" oder "Maria, ihm schmeckt's nicht" mitgespielt. Was ist denn für Sie als Schauspielerin der wesentliche Unterschied zwischen einer komödiantischen Rolle und einer Rolle wie in "Du hast es versprochen"?

Innerhalb des ernsthaften Genres gibt es für mich beim Anlegen einer Figur keine Unterschiede - egal, ob ich jetzt in einem Psycho-Drama, einem Horrorfilm oder einem Melodram spiele. Einen klaren Unterschied gibt es aber tatsächlich zur Komödie. Beide Richtungen bieten ganz verschiedene Herausforderungen. Ich würde keine von beiden leichter oder schwieriger finden als die andere. Die Komödie lebt sehr vom Timing, von der Genauigkeit und der Zeichnung der Figuren, die einen Witz haben und von den Leuten gemocht werden müssen. Bei den ernsten Stoffen geht es dagegen um die Intensität, die wahrhaftig da sein muss. Es ist lustig, dass Sie mich gerade auf die Komödien ansprechen. Ich schätze, bei mir kommt ungefähr eine Komödie auf drei ernste Filme.

Ich denke, das liegt daran, …

… dass die Komödien so erfolgreich sind. Ja, natürlich, klar. Das ist schon Wahnsinn. Man spielt eine eher kleine Rolle in "Männerherzen 2" und wird von jedem darauf angesprochen. Und dann spielt man in einem ernsten Kinofilm eine Hauptrolle - und kein Mensch sieht den. (lacht) Also bitte nicht falsch verstehen: Ich stehe komplett hinter "Männerherzen" und "Maria, ihm schmeckt's nicht" - das sind richtig schöne Komödien, die überhaupt nicht "haudrauf" sind und die ich wirklich sehr mag.

"Du hast es versprochen" ist das Kinodebüt von Regisseurin Alexandra Schmidt. Wie kam denn der Kontakt zustande - kannten Sie sich vorher?

Nein, wir kannten uns nicht, obwohl wir sehr nah beieinander wohnen. (lacht) Das passierte ganz klassisch durch ein Casting. Ich habe vorgesprochen und war danach ganz unglücklich, weil ich dachte, ich wäre katastrophal gewesen. Aber dann hat mich Alexandra Schmidt erstaunlicherweise angerufen - ihr hatte es gut gefallen.

Gruselige Bücher hatten es ihr schon als Kind angetan.
Gruselige Bücher hatten es ihr schon als Kind angetan.(Foto: Falcom Media)

Mit Katharina Thalbach haben Sie in dem Film eine Kollegin an Ihrer Seite, die natürlich als große Schauspielerin gilt, aber auch ein wenig als Enfant Terrible. Wie war es mit ihr?

Zu mir war sie gar nicht terrible. (lacht) Sie ist sehr charmant. Und natürlich ist sie eine enorme Persönlichkeit. Sie setzt bereits eine Marke, wenn sie nur einen Raum betritt. Ich fand es wirklich toll, mit ihr zu spielen.

Mögen Sie selbst Horrorfilme?

Ja, allerdings eher so Mystery-Psycho-Thriller. Splatter ist jetzt nicht mein Genre. (lacht) Ich mag sehr gerne diese leise Bedrohung. Das fing bei mir schon als Kind an, allerdings mit Büchern. Ich habe schon damals sehr viele - mehr oder weniger kindgerechte -  Bücher in dieser Art gelesen.

In "Du hast es versprochen" werden Sie von Ihrer Vergangenheit eingeholt. Ich frage Sie nun nicht, welche Leichen Sie im wahren Leben im Keller haben, …

(lacht)

… aber: Wovor haben Sie Angst? Der Film spricht ja durchaus eine gewisse Urangst an …

Klar, im Prinzip stellt der Film bildlich diesen Keller der Seele mit seinen Untiefen dar, die wir alle irgendwo haben. Als Schauspieler lotet man das natürlich aus. So lernt man die eigenen auch etwas besser kennen und findet vielleicht Anteile, die man für eine Figur gebrauchen kann. Ich habe zum Beispiel Flugangst. Und natürlich auch vor vielen anderen Dingen. Aber ich gehe oft darüber hinweg, weil ich glaube, dass man sich dem stellen und mutig sein muss.

Sie haben sich schon in sehr jungen Jahren entschieden, Schauspielerin zu werden. Die Schauspielerei gilt aber ja als ein sehr hartes Geschäft. Hatten Sie davor nie Angst?

Doch, schon. Aber gerade weil ich so früh angefangen habe, kenne ich es auch nicht anders. Am Anfang habe ich darüber zwar nachgedacht, aber mich eben auch in dem Fall darüber hinweggesetzt. Ich lasse diese Existenzangst nicht groß werden, auch wenn sie berechtigt wäre. Man muss ja auch sagen, dass sie inzwischen leider in den meisten Jobs berechtigt ist. Ich denke mir immer: Ich kriege es schon irgendwie hin - und sei es notfalls mit etwas ganz anderem.

Sie arbeiten schon sehr lange als Schauspielerin. Trotzdem hat man das Gefühl, Sie gerade sehr häufig in Film und Fernsehen zu sehen. Ist das nur die Außenwahrnehmung oder ist es wirklich so, dass Sie gerade ziemlich durchstarten?

Ich arbeite schon mehr als früher, das stimmt. Aber ich habe für mein Kind zuvor auch eineinhalb Jahre Pause gemacht - das hat zum Glück keiner gemerkt. (lacht) Natürlich freut es mich, wenn das so rüberkommt. Mal gucken, was die Zukunft so bringt.

Singen, tanzen, Kammerspiel - oder vielleicht doch irgendwann mal auch "Tatort"-Ermittlerin?
Singen, tanzen, Kammerspiel - oder vielleicht doch irgendwann mal auch "Tatort"-Ermittlerin?(Foto: Christian Hartmann)

Gibt es so etwas wie ein Vorbild für Sie - etwa einen Schauspieler, der Ihnen Orientierung gibt?

Ich fühle mich immer mal wieder punktuell inspiriert, gerade wenn ich Dokus von Schauspielern sehe. Ich habe zum Beispiel eine Doku über Juliette Binoche gesehen. Sie war für mich in dem Sinne bisher nicht das große Vorbild, aber ich finde es sehr interessant, wie sie an ihre Arbeit herangeht. Oder Patricia Kaas - auch wenn das jetzt nicht meine Musik ist. Wie Menschen wie sie ihren Beruf angehen, wie sie darin aufgehen, wie viel sie dafür geben und wie wenig es ihnen dabei letzten Endes um den Ruhm, sondern wirklich um die Sache geht, ist für mich schon vorbildlich. Und sonst? Ich finde es großartig, wie sich Jacques Brel auf der Bühne verschenkt hat. Na gut, er hat, glaube ich, jeden Abend drei Kilo verloren und musste am Ende einsam in der Südsee sterben - das ist nicht unbedingt mein Plan. Aber diese völlige Hingabe finde ich schon toll.

Sie haben auch in "Zeiten ändern Dich", den Film über Bushido, mitgespielt. Bushido ist später wegen seiner früheren Texte stark in die Kritik geraten. Was denken Sie darüber?

(überlegt) Ich fand das damals eine sehr interessante Figur - auch wenn sie am Ende aus verständlichen dramaturgischen Gründen stark aus dem Film herausgeschnitten wurde. Das war für mich der Grund, die Rolle damals anzunehmen.

Eine andere Rolle hatten Sie vor Kurzem im "Tatort" …

(lacht) Ich liebe die Reaktionen auf diese Rolle. Mir haben teilweise Freundinnen auf die Mailbox gesprochen: "Oh Gott, ich erkenn dich nicht wieder!" Eine Freundin von mir war richtig entrüstet.

Sie waren in dem Münchner "Tatort" Teil eines lesbischen Ganovinnen-Duos. Die Bild"-Zeitung fragte danach: "Wer sind die mörderischen Lesben aus dem 'Tatort'"? Was denkt man sich, wenn man das liest?

Das war wirklich witzig. Ich bin an diesem Montagmorgen um 6.15 Uhr von Berlin nach München geflogen. Da habe ich in der Wartehalle in Tegel im Halbschlaf bei meiner Nachbarin die Zeitung mit meiner Visage und dieser Headline darauf gesehen … What?!? (lacht) Ich fand es köstlich.

Sie hatten also keine Sorge, dass man Realität und Fiktion bei Ihnen durcheinanderwirft …

Nein, ich fand das lustig, zumal das ja eine sehr ungewöhnliche Rolle für mich war.

Beim "Tatort" gibt es eine ganze Reihe neuer Kommissare. Und nicht wenige von ihnen kennen Sie aus "Männerherzen" - Til Schweiger, Christian Ulmen, Wotan Wilke Möhring …

Stimmt! (lacht) Das ist mir so noch gar nicht aufgefallen.

Würde Sie eine Tätigkeit als "Tatort"-Ermittlerin auch reizen?

Ja, schon, wenn das Konzept stimmen würde. Aber es müsste dann wirklich zu mir passen. Ganz wichtig für mich ist die Glaubwürdigkeit. Man müsste mir wirklich glauben, dass ich Ermittlerin bin. Etwas nur zu machen, um es zu besetzen, finde ich generell nicht gut.

Von welcher Rolle träumen Sie?

Ich würde total gerne wieder in einem Film singen und tanzen. Das begleitet auch mein Leben - meine Schwester ist ja Sängerin. Und dann würde ich gerne mal ein Kammerspiel machen, in dem ein komplexer Charakter richtig viel Raum hat, als Figur wahrgenommen zu werden. Aber davon träumt natürlich jeder Schauspieler.

Mit Mina Tander sprach Volker Probst

"Du hast es versprochen" läuft derzeit in den deutschen Kinos

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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