Unterhaltung
Video
Donnerstag, 11. Mai 2017

Charlie Hunnam: Seele & Sixpack: "Was gut für Brad Pitt ist, ist gut für mich!"

Es ist ein unglücklicher Zufall, dass Charlie Hunnam vielen Leuten vor allem aufgrund der Rolle ein Begriff ist, die er nie gespielt hat. Eigentlich sollte er nämlich als Christian Grey die Sadomaso-Romanze "Fifty Shades" dominieren. Er sagte dann aber ab. Hunnam gab erfolgreich sieben Staffeln lang den Jax Teller in "Sons of Anarchy". Die Biker-Serie machte den Briten überhaupt erst zu einem gefragten Namen in der Filmbranche. Einzig die perfekte Rolle für den ganz großen Durchbruch wollte noch nicht dabei sein. Guy Ritchies neuer Film "King Arthur: Legend of the Sword", in dem Hunnam die Hauptrolle spielt, könnte das ändern. Mit n-tv.de hat der 37-Jährige über seine Fertigkeiten an der Waffe gesprochen, über Weltschmerz und darüber, wie es sich anfühlt, auf den Waschbrettbauch reduziert zu werden.

n-tv.de: Damit Ihr Arthur in "King Arthur: Legend of the Sword" auch glaubwürdig zum König wird, mussten Sie wochenlang mit dem Schwert trainieren. Sollte Sie jetzt mal jemand auf diese altmodische Weise angreifen, würden Sie gewinnen?

Charlie Hunnam besitzt eine stattliche Waffensammlung.
Charlie Hunnam besitzt eine stattliche Waffensammlung.(Foto: Warner Bros.)

Charlie Hunnam: Oh Gott, ich hoffe, dass ich im echten Leben niemals herausgefordert werde. Aber ich war mal in einer nicht ganz unähnlichen Situation: Bei mir wurde eingebrochen. Es war 3 Uhr in der Nacht, ich war noch wach und habe mich auf einen Dreh am nächsten Tag vorbereitet. Mein Kater wurde nervös und hat mich auf etwas hinterm Haus aufmerksam gemacht. Ich habe einen kurzen Blick nach draußen geworfen in der Erwartung, da wäre ein Waschbär oder so. Tatsächlich stand da ein echter Riese in meinem Garten - zwei Meter groß, 140 Kilo schwer.

Und den haben Sie dann mit einem Schwert angegriffen?

Ich besitze eine ganz stattliche Sammlung an Waffen - Äxte, Baseballschläger, ein paar Pistolen. Ich wohne in Los Angeles, da darf man so was ja haben. In dem Raum, in dem ich mich gerade aufhielt, hatte ich allerdings nur eine Machete. Alles, was ich denken konnte, war: "Ich wünschte, das wäre ein Baseballschläger!" Damit kann man jemanden fertigmachen, aber man trennt nicht gleich einen Arm oder ein Bein ab. Glücklicherweise musste ich die Machete nicht benutzen, der Anblick war wohl schon genug.

Der Einbrecher ist einfach abgezogen?

Ach, ich habe diese Dinge gesagt, die man in solchen Situationen eben sagt, Rowdy-Gehabe. "Du hast zehn Sekunden, hier abzuhauen, oder niemand wird je deine Leiche finden!" (grinst)

Wenn Sie damals schon so muskulös waren wie in "King Arthur", hätte es die Machete vielleicht gar nicht gebraucht.

Neben Robert Pattinson (r.) spielte Charlie Hunnam in "Die versunkene Stadt Z" einen britischen Forscher des frühen 20. Jahrhunderts.
Neben Robert Pattinson (r.) spielte Charlie Hunnam in "Die versunkene Stadt Z" einen britischen Forscher des frühen 20. Jahrhunderts.(Foto: picture alliance / Aidan Monagha)

Ich bin schon ganz schön aufgepumpt im Film, oder? Acht Tage, nachdem wir "King Arthur" abgedreht hatten, haben die Dreharbeiten zu "Die versunkene Stadt Z" begonnen. Als mich der Regisseur des Films, James Grey, gesehen hat, ist er ganz bleich geworden. "Du siehst aus wie ein Mixed-Martial-Arts-Kämpfer. Dabei sollst du doch einen Gentleman aus dem Zeitalter Eduards VII. (1901-1914; Anm. d. Red.) spielen!" Ich habe ihm geantwortet: "Keine Sorge, ich habe einen bombensicheren Plan. Ich werde acht Tage lang hungern!". Und ich habe neun Kilo abgenommen.

In einer Woche?

Besonders gesund war das nicht. Wenn man sich aber künstlich hochtrainiert hat, geht Abnehmen schnell. Sobald ich aufgehört hatte, jeden Tag eine ungeheure Menge Proteine in mich reinzuschaufeln, haben sich die Muskeln rasant abgebaut. Und die wiegen ja bekanntlich mehr als Fett.

Offenbar sind Sie ja tatsächlich bereit, es sich für eine Rolle unbequem zu machen. Wieso ausgerechnet für die des Arthur?

Schon vor "King Arthur" war Charlie Hunnam Fan von Guy Ritchies Filmen.
Schon vor "King Arthur" war Charlie Hunnam Fan von Guy Ritchies Filmen.(Foto: Joel Ryan/Invision/AP)

Er ist seinen Ängsten zu Beginn vollkommen ausgeliefert. Er ist verletzlich, wobei er das nicht nach außen trägt. Deswegen kommt er stolz und selbstbewusst rüber. Wenn man eine Geschichte erzählen will, die zuvor schon unzählige Male erzählt worden ist, muss man sie neu einkleiden. Guy Ritchies Arthur ist frisch, originell, aufregend und sexy. Im Kern bleibt es aber dieselbe Geschichte. Es geht um den ewigen Konflikt von Furcht und Vertrauen und darum, wie man eine bessere Version seiner selbst werden kann.

Klingt ganz schön bedeutungsschwanger. Ich hatte jedenfalls nicht damit gerechnet, die großen Sinnfragen des Lebens von Guy Ritchie beantwortet zu bekommen …

In Guy Ritchies Filmen schwingt immer eine immense Coolness mit und selbstverständlich auch Humor. Ich glaube, viele Leute trauen ihm inhaltlich nicht besonders viel Substanz zu. Dabei ist er ein eindrucksvoller Denker!

Sie haben vor ein paar Wochen ein Interview gegeben, in dem Sie behauptet haben, dem globalen Tagesgeschehen in Anbetracht der vielen Problemfelder nicht mehr sonderlich viel Aufmerksamkeit zu schenken. "Wir galoppieren einer Apokalypse entgegen", haben Sie gesagt. Finden Sie das nicht etwas radikal?

Das war verdammt dramatisch von mir! Ich war in einer seltsamen Stimmung. Ich hatte an dem Tag schon endlos viele Interviews hinter mir. An dem Morgen waren die Gespräche sehr oberflächlich gewesen und dann hat mir die "Los Angeles Times" für zwei Stunden einen denkenden Menschen gegenübergesetzt. Eigentlich war es eine unbeschwerte Unterhaltung, aber dann ist es wohl ein bisschen entgleist. Als ich das Interview gedruckt gelesen habe, schien es schon sehr pessimistisch.

Also haben Sie doch noch etwas Hoffnung für diese Welt?

Charlie Hunnam muss sich für seine Rollen schon mal entblättern - nicht immer freiwillig.
Charlie Hunnam muss sich für seine Rollen schon mal entblättern - nicht immer freiwillig.(Foto: Warner Bros.)

Ich weiß nicht, vielleicht. Wenn Elon Musk und Santa Claus sich zusammentun und ein Kind in die Welt setzen würden - das könnte dann unser Retter sein. Der Zusammenbruch der Wirtschaft steht unzweifelhaft bevor. Es fehlt an Ressourcen, dafür gibt es zu viele Menschen, all diese offensichtlichen Probleme. Im Verlauf der Geschichte hatten die Menschen immer auch in schwierigen Zeiten Hoffnung. Ich empfinde aber manchmal keine.

Bevor wir in diesem Gespräch jetzt auch zu düster enden, habe ich eine etwas heiterere Frage für Sie: In "King Arthur" mussten Sie mal wieder ran, aber ziehen Sie ihr T-Shirt nach "Sons of Anarchy" eigentlich noch gerne vor laufender Kamera aus?

Ha! (lacht laut auf) Jetzt kommen wir mal zur Sache! Nein, ich mag das nicht. Während "Sons of Anarchy" hat sich ein Muster ergeben, wonach ich irgendwann andauern ohne Shirt drehen musste - das stand sogar schon explizit im Skript. Auf der anderen Seite sind Film und Fernsehen visuelle Medien. Attraktivität ist eine Währung in der Branche. Ich kann also nicht zu sehr rebellieren. Es ist ein Wettbewerb und ich habe in der Hinsicht einen kleinen Vorteil. Es ist oberflächlich, mich nur als Sixpack wahrzunehmen. Aber fuck it, ich bin Schauspieler. Was gut genug für Brad Pitt ist, ist auch gut genug für mich!

Mit Charlie Hunnam sprach Anna Meinecke

"King Arthur: Legend of the Sword" startet am 11. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen