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"The Day After Tomorrow": Der deutsche Regisseur Roland Emmerich schickt die nördliche Erdhalbkugel in die Eiszeit.
"The Day After Tomorrow": Der deutsche Regisseur Roland Emmerich schickt die nördliche Erdhalbkugel in die Eiszeit.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Hollywood und die Apokalypse: Schöner geht die Welt nicht unter

Von Markus Lippold

Europa kann aufatmen: Der Weltuntergang beginnt immer in den USA. Zumindest, wenn man Hollywood glaubt. Aber mal ehrlich: Wer tut das nicht? Ja, Hollywood liebt Weltuntergänge und zeigt sich dabei ungewohnt kreativ. Allerdings gibt es einige Regeln, die nicht gebrochen werden dürfen.

Sie vertrauen doch der Regierung, oder? Wenn nicht, ist es jetzt ohnehin zu spät. Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie die letzten Tage dieser Welt. Eine ungefähre Vorstellung, davon, was am Freitag auf uns zukommt, hat sowieso jeder, der auch nur ab und zu ins Kino geht. Ja, Hollywood mag Weltuntergänge, Filme darüber gibt es wie Sand am Meer: Vom kleinen, sarkastischen Endzeitdrama bis zum großen Popcorn-Blockbuster ist alles da.

In "Armageddon" von Michael Bay rast ein Asteroid auf die Erde zu - Bruce Willis ist zur Stelle.
In "Armageddon" von Michael Bay rast ein Asteroid auf die Erde zu - Bruce Willis ist zur Stelle.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Kein Mangel besteht auch an Arten, die Apokalypse einzuleiten: Asteroiden, Außerirdische, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutwellen, Klimawandel, Atomwaffen, Seuchen, künstliche Intelligenz - das sind freilich nur einige Katastrophen, die Hollywood bereits durchexerziert hat. Schließlich beschäftigt sich die Menschheit nahezu seit ihrem Anfang auch mit ihrem Ende. Legion sind allerdings auch jene Helden, die die Erde kurz vor Ultimo doch noch retten. Denn das ist die erste eiserne Regel des Endzeitfilms: Wenn die Welt untergeht, dann höchstens ein bisschen. Man will das Publikum ja nicht verängstigen.

Doch keine Regel ohne Ausnahme: Die wohl bekannteste ist in diesem Fall "Per Anhalter durch die Galaxis", die Verfilmung des Bestsellers von Douglas Adams. Es ist wohl der einzige wirklich konsequente Endzeitfilm. Der Streifen von 2005 liefert zudem den schönsten Grund für das Ende der Welt: Sie steht einer intergalaktischen Schnellstraße im Weg und wird kurzerhand gesprengt. Weg ist sie. Von daher können wir uns Douglas Adams nur anschließen und dazu raten, am 21. Dezember ein Handtuch parat zu halten, das wichtigste Utensil für Globetrotter durchs Weltall.

Es beginnt in den USA

Nochmal Roland Emmerich: In "Independence Day" greifen Aliens die Erde, will sagen: die USA an, sie haben aber nicht mit Will Smith gerechnet.
Nochmal Roland Emmerich: In "Independence Day" greifen Aliens die Erde, will sagen: die USA an, sie haben aber nicht mit Will Smith gerechnet.(Foto: picture-alliance / dpa)

Trotz dieser und anderer Ausnahmen: Man wird das Gefühl nicht los, dass es wiederkehrende Elemente gibt, die die vielen Film-Apokalypsen auszeichnen. Das beginnt bei der Handlung, erfasst die Hauptfiguren und meist auch das Ende. Allerdings auch den Anfang, womit wir schon bei der zweiten eisernen Regel wären: Der Weltuntergang beginnt immer in den USA. Auch aggressive Aliens, die die Unterjochung der Menschheit zum Ziel haben, wissen instinktiv, wo der mächtigste Mann der Welt wohnt: Nicht in Peking oder im Kreml, schon gar nicht irgendwo in Europa - nein, es ist natürlich das Weiße Haus.

Wobei Außerirdische dazu tendieren, große amerikanische Metropolen zuerst anzugreifen: Wir empfehlen an dieser Stelle einfach mal New York. Los Angeles und die US-Westküste eignen sich dagegen besonders für verheerende Erdbeben oder Vulkanausbrüche, die die Apokalypse einläuten. Dass auch im Rest der Welt die Kacke am Dampfen ist, erfährt der Zuschauer aber immerhin aus dem Fernseher, der irgendwo im Hintergrund läuft, während amerikanische Helden uns alle retten.

"Yak yak yak": "Mars Attacks!" von Regisseur Tim Burton ist vielleicht der beste Film über die Apokalypse, nicht nur wegen seines sensationellen Staraufgebots (hier Jack Nicholson), sondern auch, weil er sich nicht an die Regeln für Endzeitfilme hält.
"Yak yak yak": "Mars Attacks!" von Regisseur Tim Burton ist vielleicht der beste Film über die Apokalypse, nicht nur wegen seines sensationellen Staraufgebots (hier Jack Nicholson), sondern auch, weil er sich nicht an die Regeln für Endzeitfilme hält.(Foto: picture-alliance / dpa)

Woher die Gefahr kommt, die uns heimsucht, folgt ebenfalls einer Regel: von außen. Menschen haben nichts damit zu tun, abgesehen von den Maya. Daran schließt eine weitere Regel direkt an: Immer entdeckt ein Nerd, welches Schicksal der Erde bevorsteht. Rast ein Asteroid auf die Erde zu? Irgendein kleiner Junge im Mittleren Westen der USA, der ein Hobbyteleskop geschenkt bekommen hat, wird ihn als Erster entdecken! Erhitzt sich der Erdkern zu stark? Fragen Sie mal einen netten, indischen Wissenschaftler! Der Weg zum mächtigsten Mann der Welt ist trotzdem ein kurzer: Der (meist schon etwas ältere, erfahrene und gern auch schwarze) US-Präsident weiß sogleich Bescheid und trifft die entscheidenden Maßnahmen. Manchmal stimmt er sich vorher sogar noch mit anderen Staatsoberhäuptern oder der Kanzlerin ab.

Wissenschaft oder Militär?

Nun muss sich Mr. President nur noch entscheiden, ob er auf den unbekannten Nerd mit einer abstrusen Theorie hört oder auf den Chef seines Generalstabes. Womit wir bei der nächsten Regel wären: Wissenschaftler sind immer klug und gut, Militärs sind böse. Die Generäle denken, Atombomben helfen gegen Aliens, Asteroiden, den Klimawandel und verhindern sogar den Ausbruch eines Atomkrieges. Wissenschaftler dagegen sind besonnen, opferwillig und gute Väter. Sie kommen aber erst zum Zug, nachdem die Wirkung der Atombomben sinnlos verpufft ist.

Schon wieder Roland Emmerich (mag der Mann die Welt nicht?): "2012" mit John Cusack bezieht sich direkt auf das angeblich im Maya-Kalender vorausgesagte Ende der Welt.
Schon wieder Roland Emmerich (mag der Mann die Welt nicht?): "2012" mit John Cusack bezieht sich direkt auf das angeblich im Maya-Kalender vorausgesagte Ende der Welt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Was nur eine weitere Regel unterstützt: Die Regierung ist immer auf alles vorbereitet. Dass in ein paar Tagen die Welt, wie wir sie kennen, gewesen sein soll, dürfte niemanden schrecken. Denn die Regierung wusste schließlich schon seit Längerem Bescheid und hat entsprechende Maßnahmen ergriffen. (Sie dürfen Ihre Antwort auf die Frage ganz oben jetzt gern noch einmal überdenken.)

Im Geheimen hat die Regierung lava-, hochwasser- und asteroidenresistente Bunker oder Archen gebaut, die der Menschheit oder zumindest dem intelligenten Teil davon (Sie gehören selbstverständlich dazu!) das Überleben sichern werden. Technisch ist das Ganze kein Problem, finanziell erst recht nicht. Sie denken immer noch, die Hilfspakete waren für Griechenland bestimmt? Weit gefehlt - die Finanzkrise wurde inszeniert, um die ultimative Rettungsmission finanziell auszustatten.

Na hoppla! Auch in "Krieg der Welten" von Steven Spielberg, mit Tom Cruise, werden Kinder durch die untergehende Welt getragen.
Na hoppla! Auch in "Krieg der Welten" von Steven Spielberg, mit Tom Cruise, werden Kinder durch die untergehende Welt getragen.(Foto: PR NEWSWIRE)

Womit wir bei denen angelangt wären, die künftige Geschichtsbücher schmücken: die Helden. Merke: Der Held, der die Welt vor dem Untergang rettet, hat Probleme mit Autoritäten und erst recht mit seiner Familie. Er ist ein geschiedener Außenseiter, ein einsamer Wolf, eine verkrachte Existenz. Er ist auf keinen Fall Soldat, und wenn er es mal war, wurde er unehrenhaft entlassen. Der Held liebt zudem seine Frau und seine Kinder, kann es halt nur nicht so richtig zeigen. Deshalb hat sie ihn verlassen. Im Angesicht des Weltuntergangs merkt der Held aber, was er als Ehemann und Familienvater verpasst. Er will eigentlich gar nicht die Welt retten, die ist ihm schließlich egal, aber es ist eine praktische Möglichkeit, seiner Frau seine Liebe zu beweisen. Außerdem kann er Sohnemann damit imponieren.

Es geht immer nur um die Frau

So, gleich sind wir am Ende (des Textes, nicht der Welt) angelangt. Vorher aber kommt alles nochmal ganz schlimm: Der Held droht zu scheitern, die Technik versagt oder die Aliens sind doch übermächtig. Zu Hilfe kommt ein kleiner Zufall. Das können harmlose Erkältungsviren sein, denen die außerirdischen Invasoren nicht gewachsen sind, der Song eines Country-Stars (es ist "Indian Love Call" von Slim Whitman), der so brutal ist, dass den Aliens die Hirne implodieren, oder die gerade noch und in letzter Sekunde geglückte Sprengung des Asteroiden. Puh, geschafft. Nicht alle haben überlebt, aber der Held hat glücklicherweise nur ein paar Blessuren abbekommen. Und seine Frau hat er auch zurück - und nur darum ging es ja die ganze Zeit.

Abspann - der Film ist zu Ende. Die letzte Regel besagt: Was nach der Beinahe-Katastrophe geschieht, wird nicht gezeigt. Hat die Menschheit dazugelernt? Sind wir alle einander näher gekommen? Wird jetzt alles besser? Diese Fragen bleiben unbeantwortet. Dafür gibt es allerdings noch ein ganzes Genre, das zeigt, was passiert, wenn der Held versagt hat und die Katastrophe doch eingetreten ist: Es sind Filme wie "Mad Max", "I Am Legend" und "The Road", "12 Monkeys", "Matrix" und "Waterworld". Als Ausnahme sei hier noch die "Terminator"-Reihe genannt, die nicht nur die Vorgeschichte zur Apokalypse zeigt, sondern auch den Beginn der Herrschaft der Maschinen und den Kampf gegen sie.

Die Liste dieser Filme über die Postapokalypse ließe sich endlos fortsetzen, die öden Landstriche sind schließlich ein weites Feld. Aber das würde an dieser Stelle doch zu weit führen, warten wir erst mal ab, was Ende der Woche passiert. Stattdessen gibt es zum Schluss noch die Filmtipps bis zum Weltenende: Wer Action liebt, sollte sich "2012" anschauen, wahlweise ist "Armageddon" zu empfehlen. Wer es lieber dramatisch und emotional mag, ist bei "Deep Impact" besser aufgehoben. Umweltschützer schauen sich "The Day After Tomorrow" an. Satiriker und Scherzkekse kommen an "Mars Attacks!" nicht vorbei. Der ist auch für Alien-Fans unverzichtbar. Alternativ bieten sich da allerdings noch "Independence Day" oder "Krieg der Welten" an. Die ältere, sehr zu empfehlende Version der Verfilmung des Romans von H.G. Wells heißt allerdings "Kampf der Welten". Alle anderen gehen am Samstag ins Kino, mit Handtuch.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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