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Herausragend in ihren Rollen: Michael Fassbender und Katherine Waterston.
Herausragend in ihren Rollen: Michael Fassbender und Katherine Waterston.(Foto: REUTERS)

"Alien" - schleimig und gut: Wenn Iggy Pop ins All fliegt

Von Sabine Oelmann

Gibt es Leben da draußen? Diese Frage treibt den Menschen schon immer um. Ganz bestimmt gibt es Leben da draußen - aber ist es auch gut? Die Crew der "Covenant" zahlt in "Alien" jedenfalls heftig drauf bei der Beantwortung dieser Frage.

Okay, Sigourney Weaver spielt nicht mit. Ist das ein Grund, den Film nicht zu mögen? Nein, denn zwar ist es so, dass sie an der einen oder anderen Ecke fehlt, allerdings hat sie eine würdige Nachfolgerin gefunden in Katherine Waterston alias "Daniels": Sie ist tough, aber sensibel; schick im Feinripp, aber nicht zu sexy; intelligent, aber nicht besserwisserisch - das müsste ihr erst mal eine andere nachmachen. Sie kämpft tapfer mit ihren Mannen - und Frauen - gegen das Böse, das Unsichtbare, das Eklige, das Furchterregende, das wir nicht kennen. Auf das wir doch aber so neugierig sind, dass wir - kleinen Menschen - dafür Kopf und Kragen riskieren.

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"Covenant", so heißt das neue Kapitel im schier unendlichen Universum der Alien-Reihe - und Ridley Scott hat ganze Arbeit geleistet. "Covenant" heißt Bündnis - und das wird der Zuschauer lernen: Weiter, wenigstens ein bisschen, kommen wir nur, wenn wir zusammenhalten. Man weiß ja, was auf einen zukommt in so einem Alien-Abenteuer: Glibber, widerliche Kreaturen mit spitzen kleine Zähnen, Wesen, die nicht vertrauenswürdig sind, Maschinen, die nicht funktionieren. Aber in diesem neuen Kapitel seines bahnbrechenden Alien-Franchises kehrt Ridley Scott nun vollends zurück in das von ihm erschaffene Alien-Universum. Die Crew des Kolonieschiffs "Covenant" ist unterwegs zu einem abgelegenen Planeten am anderen Ende der Galaxie. Auf dem Weg dorthin entdecken sie etwas, das zunächst wie ein unentdecktes Paradies erscheint. Tatsächlich stellt es sich aber als dunkle, gefährliche Welt heraus. Als sie eine Bedrohung von kaum vorstellbarem Ausmaß erfahren, müssen sie einen Rückzug antreten, der im Fiasko endet.

Daniels sollte recht behalten mit ihrem natürlichen Argwohn.
Daniels sollte recht behalten mit ihrem natürlichen Argwohn.(Foto: AP)

Zum Cast gehören Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Amy Seimetz, Jussie Smollet, Callie Hernandez, Nathaniel Dean, Alexander England und Benjamin Rigby - und sie alle geben ihr Bestes. Herausragend ist jedoch einer - und das gleich zweimal: Michael Fassbender. Eigentlich ja gebucht als Mr. Sexy, spielt er in "Covenant" den mehr oder weniger blutleeren Androiden Walter, der ein leichtes Faible für Daniels hat. Dann taucht er ein weiteres Mal auf. Zuerst hätte man ihn fast nicht erkannt, denn David, den wir ja bereits aus "Prometheus" kennen, erinnert doch stark an Iggy Pop. Doch während Iggy Pop 100-prozentig aus Fleisch und Blut besteht, ist dieser Android, Mutant, Automat wieder nur der gute alte Michael Fassbender - der langsam vielleicht aufpassen sollte, dass ihm mal wieder eine Rolle angeboten wird, in der er seine anfangs geschürten Sex-Gott-Erwartungen unter Beweis stellen darf. Doch das nur am Rande. 

Country Roads oder doch Highway to Hell?

Undurchschaubar: Walter.
Undurchschaubar: Walter.(Foto: Twentieth Century Fox)

Zehn Jahre sind vergangen, seit die "Prometheus" verunglückte und dennoch machen sich wieder ein paar Unverbesserliche, Unbeirrbare auf, eine andere, eine bessere Welt zu suchen. An Bord der "Covenant" befinden sich neben der Besatzung - vom unsicheren Kapitän bis zum sich unter der Dusche vergnügenden Liebespaar - 2000 tiefgefrorene "Pioniere", für die Android Walter fast schon mütterlich sorgt. Das plötzliche Ertönen von John Denvers "Country Roads" über Funk jedoch verführt die Crew, sich einem näher gelegenen Planeten zuzuwenden, der zunächst wirkt wie das kitschige Poster einer ehemals heilen Welt. Was sie dort jedoch tatsächlich erwartet, ist unvorstellbar grausam.

Als Erstes kreuzt der verloren geglaubte Walter den Weg der Truppe, der mit sanfter Stimme und verführerischem Flötenspiel harmloser wirkt, als er ist.

Und wie es sich für eine "Neue Welt" gehört, gibt es alles, was es sonst auch so auf der Welt gibt, nur größer - selten jedoch besser. Es gibt Protomenschen und es gibt eine Spezies, die sich bestens darauf versteht, sich zu de- und wieder zu materialisieren. Dass das nicht gut enden kann für unsere Rumpeltruppe, versteht sich von selbst. Das Fremde bemächtigt sich ihrer. Die altbewährten Bilder von einem schleimtriefenden Dingens, das sich durch Gedärme arbeitet und aus der Brust herausbricht plus abgebissene Gliedmaßen machen sämtlichen alten Alien-Filmen alle Ehre, denn der die das Alien sieht eigentlich aus wie immer und macht auch das, was es am besten kann: parasitär in den Menschen hinkriechen und dann ausbrechen, wenn's am Schönsten ist, also zum Beispiel, wenn einer direkt daneben steht oder vor einer Glasscheibe - platsch, ja da kommt Freude auf. 

Wir wollen nicht zu viel verraten, nur so viel: Der Film ist gut. Klassisch. Lässt so viel Raum, dass an weitere Folgen gedacht werden kann.

Und: An Ridley-Scott-Entzug muss dieses Jahr übrigens niemand krepieren. Im Herbst präsentiert uns der 79-Jährige seinen "Blade Runner 2049".

"Alien: Covenant" startet am 18. Mai 2017 in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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