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Wer das ist? Wednesday (Naoomi Rapace) natürlich.
Wer das ist? Wednesday (Naoomi Rapace) natürlich.(Foto: Splendid Film GmbH)
Donnerstag, 12. Oktober 2017

"What Happened To Monday?": Wenn "Lisbeth Salander" sich sechsmal klont

Von Volker Probst

Für Noomi Rapace ist es eine Paraderolle. Die Schwedin, die als "Lisbeth Salander" in der "Millenium"-Trilogie berühmt wurde, darf in "What Happened To Monday?" gleich sieben Charaktere auf einmal verkörpern. Und der Sci-Fi-Thriller hat Wumms.

Dystopien haben gerade im Kino Konjunktur. Erst vor einem Monat feierte "The Circle" mit Tom Hanks, Emma Watson und seinem Alptraum von totaler Überwachung hierzulande Premiere. Nun kommt "What Happened To Monday?" auf die Leinwand. Seine visionäre Herangehensweise ist jedoch in doppelter Hinsicht grundverschieden von einem Werk wie "The Circle".

Zum einen handelt es sich bei dem Streifen eher um einen klassischen Science-Fiction-Thriller, auch wenn er im Jahr 2073 an einem realen Zukunftsproblem - der wachsenden Weltbevölkerung - aufgehängt ist. Zum anderen reicht dem Film an sich schon ein einziger Star, um seine Wirkung zu entfalten: Noomi Rapace, die in ganze sieben Rollen gleichzeitig schlüpft. Dass ihr mit Willem Dafoe und Glenn Close noch zwei Weltstars zur Seite gestellt werden, ist da schon beinahe Nebensache.

Sieben Mädchen - eine Identität

Rapace spielt sieben Schwestern, jede benannt nach einem Wochentag - von Monday bis Sunday. Eigentlich dürfte es sechs von ihnen gar nicht geben. Denn angesichts der drohenden Überbevölkerung gilt seit Jahren eine strenge Ein-Kind-Politik. Zweit- und Später-Geborenen droht bei ihrer Entdeckung die Festnahme, um sie - angeblich - bis zu einem Leben in einer besseren Zukunft einzuschläfern. Als Karen Settman jedoch 2043 sieben eineiige Zwillingsmädchen zur Welt bringt und bei der Geburt stirbt, fasst Großvater Terrence Settman (Dafoe) einen verwegenen Plan: Er nimmt die Mädchen, die vom Krankenhaus nicht verraten werden, zu sich, um sie fortan zu verstecken. Jede von ihnen darf nur an einem Tag in der Woche das Haus verlassen - an dem Tag, der so heißt wie sie selbst. Wenn sie in der Öffentlichkeit sind, haben sie alle jedoch nur eine Identität und einen Namen - den ihrer Mutter, Karen Settman.

Rapace spielt sieben Rollen gleichzeitig.
Rapace spielt sieben Rollen gleichzeitig.(Foto: Splendid Film GmbH)

Viele Jahre geht das Versteckspiel mehr oder weniger gut. Bis an einem Montag im Jahr 2073 Monday auf einmal nicht zu den anderen zurück nach Hause kommt. Was ist passiert? Für die Schwestern der Verschwundenen beginnt eine brandgefährliche Suche nach der Lösung des Geheimnisses um Mondays Schicksal. Dabei droht ihnen nicht nur die Kinderzuteilungsbehörde unter Leitung der gnadenlosen Chefin Nicolette Cayman (Close) auf die Schliche zu kommen. Es tun sich auch sonst bis dahin ungeahnte Abgründe zwischen den Schwestern auf ...

Nazi-Horror, Hänsel und Gretel

Rapace wurde als "Lisbeth Salander" in der schwedischen Erfolgsverfilmung von Stieg Larssons "Millenium"-Trilogie berühmt. Eine größere Paraderolle als die des siebenfachen Lottchens hätte Regisseur Tommy Wirkola der 37-Jährigen kaum auf den Leib schneidern können. Dabei hat der Norweger selbst noch vergleichsweise wenig Meriten als Filmschaffender gesammelt. Unter wenig anderem schuf er die Nazi-Horror-Trash-Komödie "Dead Snow" und ihre Fortsetzung "Red vs. Dead". Außerdem ließ er vor vier Jahren Jeremy Renner und Gemma Arterton als Hänsel und Gretel auf Hexenjagd gehen.

Mit "What Happened To Monday?" ist dem Regisseur, das steht außer Frage, jedoch sein bisheriges Glanzstück geglückt. Das liegt einerseits am Drehbuch. Denn auch wenn die Handlung hier und da holpert und zu konstruiert daherkommt, bleibt der Film von vorne bis hinten spannend, überraschend und nervenaufreibend. Da muss sogar der Schreck, den man beim Anblick von Glenn Closes nur noch wenig natürlichen Gesichtszügen kriegt, hintanstehen.

Andererseits hat der Streifen viel Rapace zu verdanken, die sich bei ihrer siebenfachen Herausforderung mehr als nur gut schlägt. Mit seiner technischen Umsetzung des Zusammenspiels von Rapace mit Rapace vermag der in düstere Farben und Settings getauchte Film auch im Zeitalter der scheinbar unendlichen Animationsmöglichkeiten durchaus noch zu verblüffen. What happened to Monday? Sich dieser Frage im Kino zu stellen, lohnt sich. Egal, ob an einem Montag oder irgendeinem anderen Tag.

"What Happened To Monday?" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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