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Leonard Cohen hat ein neues Album aufgenommen.
Leonard Cohen hat ein neues Album aufgenommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Neues von Leonard Cohen: Wider die Gedankenlosigkeit

von Manfred Bleskin

Leonard Cohen ist nach acht Jahren wieder ins Studio gegangen. "Old Ideas" ist anders als das, was wir von ihm kennen. Ein wenig. Mit neuen Instrumenten, mehr Sprechgesang, selbstironischer, nachdenklicher, aber dialektisch wie immer. Das Meisterwerk eines weisen, alten Mannes.

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Eigentlich hätte er es sich mit 77 nicht mehr antun müssen, ins Studio zu gehen. Aber die Altersversorgung ging vor einiger Zeit futsch; seine Managerin hatte drei Millionen Dollar verjuxt. Viel, viel Geld, für die meisten. Viel, viel zu wenig aber für einen Mann, der neben Bob Dylan wohl der größte Poet der Populärmusik ist. Aber vielleicht kann man die kulturellen Verdienste des Kanadiers gar nicht in Geld aufwiegen. Doch es ist nicht nur der schnöde Mammon, welcher Leonard Cohen antreibt. Der zum Buddhisten konvertierte Jude kann nicht anders als sich ständig der Welt mitzuteilen. Insofern haben die Jahre der stillen Meditation im Zen-Kloster glücklicherweise nichts bewirkt.

Musikalisch war Cohen schon mal melodischer. "Suzanne", "Bird On The Wire" und "The Partisan" kann man mitsingen. Sein "Coming Home", das erste Lied auf dem vorliegenden Album nicht. Lied? Ein Gedicht, umrankt von ein paar Klängen. Cohen ringt zeit seines Lebens damit, dass er eigentlich Schriftsteller, Dichter werden wollte. Das ist gut so.

Trompete wie beim großen Jazzer

Wer weiß, ob seine auf Platte gepressten Poeme so bekannt geworden wären, wenn er sie nicht stets mit ein paar Federstrichen aus weiblichem Backgroundchorus oder seiner Gitarre, ein paar Streichern, einem Piano unterlegt hätte. Diesmal spielt sogar Miles Davis mit. Nein: Aber die Trompete in "Amen" klingt fast so, wie bei dem großen Jazzer. Auch das macht den Reiz dieses Oeuvre aus: Neben den wunderschönen Bläsersätzen kommt im Song "Banjo", richtig, auch ein Banjo zu Einsatz.

Zurück zur Lyrik: "Coming Home" ist eine Art Selbstgespräch, in dem Leonard bekennt, dass er gern mit Leonard spricht, ihm Beleidigungen an der Kopf wirft und dann wieder lobhudelt. Leonard ist ein fauler Sack und ein Hirte zugleich. Cohen muss diesen Hegel gelesen haben. In "Show Me The Place" verlangt es ihn, jenen Ort zu finden, an dem aus dem Wort ein Mann wird. "Crazy To Love You" erzählt von einem, sehr wahrscheinlich von ihm selbst, der verrückt werden musste, um sie zu lieben. Die einst besungene "Suzanne" war nur halb verrückt. Cherchez la femme. Immer wieder Thema.

Zehn Stücke sind es insgesamt am der Scheibe. Zehn Mal wider den Stachel der Gedankenlosigkeit gelöckt. Eine Heldentat in einer Zeit, in welcher der Gedankenloseste König ist.

Leonard Cohen: "Old Ideas", CD, Sony Music

Quelle: n-tv.de

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