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Ach ja, der gute alte Reggae, zeitlos, sommerlich und wunderbar.
Ach ja, der gute alte Reggae, zeitlos, sommerlich und wunderbar.

Bacardi-Feeling für Teilzeit-Rastafaris: Wie aus Snoopy ein Löwe wurde

Von Sabine Oelmann

Snoop Lion, the artist fomerly known as Snoop Dogg formerly as Snoop Doggy Dogg, hat ein neues Album, "Reincarnated". Das besagt wohl, dass er sowas wie wiedergeboren ist. Ein Song heißt, gar nicht mal so bescheiden: "Here Comes The King".

Der erste Eindruck: Hui, da hat aber einer was geraucht. Und dann ganz schnell der zweite: Sommer Sommer Sommer! Barcardi-Feeling für Fortgeschrittene, aber auch Anfänger. Und selbst wenn aus dem kleinen Kläffer Snoop Doggy Dogg jetzt so ein richtiges Raubtier geworden sein soll - auch als Snoop Lion ist der Gute immer noch zum Küssen. Calvon Cordozar Broadus jr. macht stets den Eindruck, dass er ja eigentlich ein böser Junge sein möchte, aber nicht so richtig kann (obwohl er es wirklich mal war). Allen Bemühungen -  seit seiner Entdeckung durch Dr. Dre Anfang der 90er Jahre vom bereits erwähnten Gangsta-Rapper über den simplen Snoop Dogg, der massenkompatiblere Beats lieferte, bis nun hin zu seiner Wiedergeburt als Bob Marley - zum Trotz ist dieser Künstler einer, dem man nie böse sein könnte. Sein stets spöttischer Blick in Kombination mit seiner unverwechselbar knödeligen Stimme und dem hageren Körper begleitet uns seit mittlerweile sage und schreibe zwanzig Jahren, und wir folgen ihm. Gern. Nun also in den Reggae. Warum auch nicht? Bob Marley ist tot, es lebe Bob Marley! Gerade natürlich bei "Smoke The Weed" fällt es leicht, sich den Neu-Rastafari in bunten Badeshorts vorzustellen, 1000 Zöpfchen auf dem Kopf, eine Tüte zwischen den Fingern, der Blick aufs Meer gerichtet.

Ab 25. April auf dem Traumschiff in den deutschen Kinos: "Scary Movie 5".
Ab 25. April auf dem Traumschiff in den deutschen Kinos: "Scary Movie 5".(Foto: dpa)

Zwei Jahre musste man warten auf etwas Neues nach "Doggumentary", doch es hat schließlich Gründe, wenn Dinge sich so dahinziehen: Ersteinmal hat der werte Herr ja auch noch andere Sachen zu tun - drei Kinder erziehen zum Beispiel oder schauspielern (demnächst in "Scary Movie 5") und dann hat er auf "Reincarnation" so viele andere Künstler an der Seite, dass es schon eine Kunst gewesen sein muss, alle unter eine Rastamütze zu bekommen.

Der wandelbare Wunderbare

Snoop Lion hat aber nicht nur Musik für die "LaLaLa"-Seiten des Lebens: In "No Guns Allowed" thematisiert er den Umgang mit Waffen in den USA und zeigt im Video unter anderem Szenen der Schießereien an der Sandy Hook Elementary School.

Fast kein Song wird allein von Snoop Lion (er hat den neuen Namen in einer feierlichen Zeremonie angenommen) bestritten: Er hat Rita Ora an seiner Seite ("Torn Apart") - ein "Gute-Laune-Lied" vor dem Herrn, und mit Akon, Angela Hunte, Chris Brown und Busta Rhymes macht er sich also auf die Suche nach dem "wahren Reggae". Man könnte sagen, dass es dem einstigen West-Coast-Rapper ganz gut gelungen ist, den zu finden.

Mal richtig schön einen durchziehen mit Frl. Kesha, das geht auch auf der Bühne der MTV Movie Awards.
Mal richtig schön einen durchziehen mit Frl. Kesha, das geht auch auf der Bühne der MTV Movie Awards.(Foto: REUTERS)

Erstaunlich mag einem die Zusammenarbeit mit Miley Cyrus vorkommen, aber die mittlerweile 20-Jährige ist längst nicht mehr dieses quietschige Disney-Gewächs, als das wir sie kennen gelernt haben. Auf "Ashtrays and Heartbreaks" geht der Reggae fast schon in den Swing - nicht die schlechteste Musik für runtergelassene Autoscheiben. 

"Finally made it to paradise"

Snoop Lions Wandlung können wir übrigens nicht nur hören, sondern auch sehen: "Reincarnated" ist zum einen der Titel seines Albums, zum anderen aber auch der des Films, der dieser Tage in die Kinos kommt. Eine Stimme aus dem Off sagt darin, ganz offensichtlich noch vor seiner Namensänderung: "Snoop Dogg ist noch immer auf Jamaika. Er beobachtet die Menschen und nimmt an deren typischen jamaikanischen Ritualen teil."

Zu sehen sind viele alte Männer mit vielen Haaren und viel Rauch um sie herum ... Herrliche Szene. Nur Küssen möchte man ihn jetzt doch nicht mehr, too much smoke. Er schließt ab mit seiner Vergangenheit, mit den Schießereien, dem Dealen, dem "Money Making" auf jede erdenkliche Art und Weise: "All this shit should be out of here". Aber er sagt auch: "Ich hätte nie Snoop Lion werden können, wenn ich nicht Snoop Dogg gewesen wäre."

Snoop Lion ist in seinem persönlichen Paradies angekommen, und wir gehen ein Stück mit, müssen zum Glück ja nicht so viel rauchen wie er, denn seine Musik, und das ist das Schöne, funktioniert auch so. Für Kenner ist das wahrscheinlich kein Reggae - für Gelegenheits-Rastafaris aber ein echt schönes Album.

Das Album "Reincarnated" erscheint bei Sony Music am 19. April 2013.

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Quelle: n-tv.de

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